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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-04-22 · N° 17-18. (22.4.1886) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 17-18. (22.4.1886)
Date
1886-04-22
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Weitagez.Wr.17- 'W< ochenschritt" Moraur! Kein Pessach ohne Moraur — kein Freiheitsfest olme Bitterkraut. Ja, es ist ein Stück „Moraur", das wir unfern Lesern im Folgenden darreichen müssen. Es liegt seit fast 14 Tagen vor uns, wir können's allein nicht hinunterschlucken. Es ist ein bitter-böses Stückchen, das sich da hinter den Kulissen der Erfurter Rabbinerwahl abgespielt hat, wir würden es lieber verschweigen, es ist uns bitterweh, es veröffentlichen zu müssen, es gehört dies zu den bittern Pflichten eines jüd. Redactcurs, zu jenen fatalen Fällen, in denen er es sich selbst vorhersagt: nölK 338 'b '18 7218 08 „wehe mir, wenn ich's verkünde, wehe mir, wenn ich's verschweige". Wenn ich's verkünde, gerade in jetziger Zeit verkünde, so wird man mir von der einen Seite zurufen: wozu dergleichen aufdecken, wenn das die Antisemiten lesen rc. Und wenn ich's unterdrücke, so rufen mir Collegen zu: Giebt's den« gar kein Plätzchen mehr, wohin die Wahrheit sich flüchten kann, darf man uns die tiefsten Kränkungen, die ärgsten Schmähungen und Verleumdungen zufügen, darf man uns um Amt und Brot, um Ehre und Würde bringen, ohne uns auch nur rechtfertigen zu können? Und was dem Einen heute passirt, daß ihn ein im Finstern abgeschossener Pfeil trifft, kann es morgen nicht einen Jeden von uns treffen? Kann durch ähnliche Jntriguen nicht eine ganze Schulezu Grunde gerichtet werden? Es hängt unsere Existenz davon ab; du darfst nicht schweigen, die ^Devise Deines Blattes fordert vor Allem: Wahrheit!" So sei es denn — wir wollen jedoch unseres Amtes als Redacteur walten, zunächst dis Material in objectiver Weise — so weit es uns zugänglich — geben, und in unpart heil scher Weise Rede und Gegenrede gestatten. Herr Rabbiner Dr Goldschmidt-Weilburg als der Schwerverdächtigte hat zuerst das Wort: „W e i l b u r g. 11. April. Meine Bewerbung um die Rabbiuerstelle in Erfurt war, wie die „Wochenschrift" meldete, von dem Erfolge gekrönt, daß ich von der Repräsen tantenversammlung gewühlt wurde. Wie kam cs, daß der Vorstand, d. h. die Majorität desselben, die Wahl nicht bestätigte? Die „Wochenschrift" berichtete aus Erfurt, es habe sich eine orthodoxe Agitation gegen meine Wahl erhoben. Ein bekanntes orthodoxes Blatt bestreitet dies, es schreibt in seiner Nr. 27: „Die Behauptung, ... daß von außen her irgend welche Beeinflussung versucht worden wäre, ist natürlich eitel Flunkerei". In welcher unglaublichenArt dieAgitation gegenmich von orthodoxer Seite gef ü hrt wurd e, wird das Folgende zeigen. Anfangs Mürz d. I. erhielt ich vom Vorstande der Synagogen-Gemeinde zu Erfurt eine Zuschrift ungefähr folgenden Inhalts: „Unser Vorsitzender hat uns die Mittheilung gemacht, er habe im privaten Gespräch mit Ihnen erfahren, Sie seien im Besitze einer Hattoras haurooh (das orthodoxe Blatt schreibt: l'auras (J?) haurooh) von Dr. Feilchen - fetb in Posen. Wir ersuchen Sie um gef. Einsendung dieses Schriftstückes." — Ich schickte dasselbe ein. Am 9. März erhielt ich folgendes Schreiben: „Auf Ihre gcfl. Zuschrift vom 3ten dieses crtheileu wir Ihnen umstehend Abschrift eines an uns gerichteten Schreibens Seitens des Rabbiners Dr. Fe ilchenfeld mit der höflichen Anfrage, ob Sie uns gestatten, das uns übersandte, in hebräischer Sprache verfaßte Diplom demselben im Originale einscnden zu dürfen. Erfrrrt, 8ten März 1886. Der Vorstand der Syn.-Gemeinde." Die umstehende Abschrift des Dr. Feilchenfeld'schen Schreibens lautet: * „Posen, den 3. Mürz 1885. Dem geehrten Vorstande erwidere ergebenst auf die bezügliche Anfrage vom gestrigen Tage, daß ich dem von Ihnen genannten Candidaten niemals ein Rabbinatsdiplom (,7871,7 mnn) oder ein armäyernd ä-nkiches >L>chr ist stück ausgefertigt habe. Es dürste für Sie angezeigt erscheinen, den Herrn zur Einsendung des angeblich von mir erhaltenen Zeugnisses aufzusordern und mir dasselbe event. zur Verification einzusenden. Mit Hochachtung ergebenst Der Rabbiner hies. I. G. An den Vorstand der Dr. Feilchenfeld." Synagogen-Gemeinde zu Erfurt. Auf die Anfrage, ob ich gestatte, dem Dr. Feilchenfeld die in Frage stehende Hattoroh einzusenden, erwiderte ich natürlich, ich gestatte es, es hafte aber der Vorstand dafür, daß ich dieses Schriftstück wieder zurückerhalte, da mir jetzt an dem Original desselben Alles gelegen sein müsse.*) — Was der Erfurter Vorstand in dieser Sache weiter gethan, weiß ich nicht. Vorige Woche ersuchte ich den Herrn Präses um gef. Retournirung einer mir vom Herrn Oberrabbiner Dr. Landau in Dresden nach dem Conflict mit Dr. Hildesheimer verliehenen Hattoroh, die ich demselben präsentirt hatte. Gestern, den 10. April, erhielt ich folgendes Schreiben aus Erfurt: „Ew. Hochehrwürden beehren wir uns, die mittelst gefälliger Schreiben vom 3., 12. und 24. v. Mts. uns zur Verfügung gestellten Schriftstücke mit verbindlichstem Danke und dem ergebensten Bemerken zurückzusendeu, daß wir bedauern, aus denselben in der Angelegenheit mit Dr. Feilchenfcld in Posen nicht die gewünschte Auskunft erhalten zu haben, zumal derselbe bei seiner Weigerung verblieben ist. Erfurt, den 4. April 1886. Der Vorstand der Syn.-Gemeinde. Was werden nun die geehrten Leser denken? Ohne Zweifel Folgendes: Wie wäre es möglich, daß Dr. Feilchenfeld, Rabbiner in Posen, Nachfolger des Rabbi Akiba Eg er 7"3tt, leugnet, dem Dr. Goldschmidt eine ,7871,7 mnn oder ein annähernd ähnliches Schriftstück gegeben zu haben, wenn er ihm thatsächlich ein solches gegeben hätte? Dr. Feilchenfeld wird doch nicht eine Thatsache ableugnen? Andererseits aber: sollte es möglich sein, daß Dr. Goldschmivt sich eine ,7871,7 mm des Dr. Feilchenfeld gefälscht habe? Denn tertium non datur: entweder ist Dr. Feilchenfeld ein Lügner oder Dr. Goldschmidt ein Fälscher! Es bleibt mir nun nichts anderes übrig, als nolsn» volen8 jenes mir als n8"Yin mnn vom Rabbiner Dr. Feilchenfeld ansgestellte hebr. Schriftstück nebst Uebcrsetzung hier der Oeffentlichkeit zu übergeben. Es trägt an der Spitze den gedruckten Stempel: Dr. W. Feilchenfeld, Rabbiner der Synagogen-Gemeinde zu Posen, und am Ende ein blaues Jnsiegcl mit der Unterschrift: Or.W. Feilchenfeld, pl"8 7"7,712 p 381 und als Circumscriptur in lateinischen Lettern: „Rabbiner der Synagogen- Gemeinde zu Posen". Der hebr. Text lautet wörtlich: '33V 3s rinns nmns 8i&ö nxvb w p8 '3 78 W8U n&8 33 n8t 333 n 773 pa nm 733 ,7273 2173^1 'TT 817 1'332Ö 313 3328 331 '3'32 7p' w'8 IWplb 77133 713 733 8273,7 73,7 38721' 7",772 7"21"3 7333,7 338778 78Bp87 ',7 32 '23 87p31 s313'73 p"p3 317p,7 *) Zugleich aber übersandte ich dem Erfurter Vorstande mehrere Schriftproben des Dr. F., unter andern auch den Begleitbrief ä. dato S"tfl7n '87173 J' ',7 DT, mit welchem Herr Dr Feilchenfeld mir f. Z. die in Frage stehende ,777.7 zugesandt hatte.

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