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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-04-15 · N° 16. (15.4.1886) · p. Seite 133

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 16. (15.4.1886)
Date
1886-04-15
Page
Seite 133 (sequence 7)
Language
German
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— 133 Lüge ist, die wohl einem Filstein verzeihlich, den die bloße Anwesenheit eines Abelsohn um die ganze eingebildete Autorität bringt, die aber einem Berichterstatter nicht nachgesehen werden kann, der um so mehr verpflichtet ist, mit der Wahrheit zu rechnen, als er sonst, auch noch das Blatt compromittirt, das zu schonen er allen Grund hat. Auf Grund nun und unter Zustimmung oben genannter Koryphäen talmudischer Gelehrsamkeit erachtete es Dr. Schwabacher als seine Pflicht, die Wittwe Genner in einem formellen Aktenstück als frei und zur Wiederverehelichung berechtigt zu erklären, ohne sich 'von dem scheinheiligen Eifer der Dajanim irgendwie beeinflussen zu lassen, die es nicht verschmerzen konnten, ihre Ignoranz so blosgelegt und einen so „guten Bissen" vom Munde sich weggeschnappt zu sehen — und von wem? von einem Turower Rabbiner. Um ihr Müthchen zu kühlen, blieb ihnen doch nichts anderes übrig, als sich mit einer Verleumdung und einer Denunciation an ein Blatt zu wenden, das mit der größten Zuvorkommenheit seine Spalten Jedem zur Verfügung stellt, der diejenigen mit Koth bewerfen will, die nicht zur orthodoxen Fahne geschworen. — Die vornehme Gleichgültigkeit, um nicht zu sagen Verachtung, mit der Herr Dr. Schwabacher aus diese ganze Agitation herabsieht, kann meiner Ansicht nach durchaus nicht gebilligt werden. Er müßte selber mit dieser Angelegenheit in die Oeffenllichkeit treten, um die Nachteulen alle zu verscheuchen, die nie die Juden so unheimlich angeglotzt wie in der Gegenwart. Die passive Selbstachtung, die, wie Dr. Schwabacher meint, „es sich selbst schuldig ist, jede Berührung mit einem solchen Gesindel" zu vermeiden, wird weder die Bosheit des Neides noch die Verleumdungssucht entwaffnen oder zum Schweigen bringen. — Uerrnischle und neueste Nachrichten. Verkitt, 9. April. Das Grabdenkmal für den Stadt- Derordncten-Vorsteher Straßmann ist gestern in aller Stille enthüllt worden. Es hatten sich zu der wehmüthigen Feier nur die nächsten Angehörigen an der Ruhestätte des Unvergeßlichen eingefunden. Dem schlichten Sinn des Verstorbenen entsprechend ist auch sein Grabdenkmal, das aus dem Atelier des Bildhauers M. Zachart Hierselbst hervorgegangen ist, von der künstlerischen Vollendung abgesehen, schmucklos. Auf hohem Sockel ein Postament von dunklem Marmor, auf dem sich eine eben solche canelirte Säule erhebt. Das Postament trüge die Inschrift: Dr. med. Wolsgang Straßmanu, Stadtoerordneten-Vorsteher, geboren in Rawitzsch 8. October 1821, gestorben in Berlin 6. Dezember 1885. — Morgen ist der zehnjährige Todestag Ludwig T ra u b e's, des unvergeßlichen opferfreudigen Arztes, rastlosen Forschers und Bereichercrs der medicinischen Wissenschaft. Anhalt. In Cöthen wurde an Stelle des nach Rogasen gehenden Rabbiner Rosenthal der Herr Dr. M. Olitzki, z. Z. Stiftsrabbiner in Hannover, ein Schüler des Hildesheimer'schen Seminars, der jüngst eine sehr beachtenswerte Schrift über Flavins Josephus und die Galacha (1. Theil: die Opfer. 58 S., bei I. Kauffmann in Frankfurt a. M.) veröffentlicht hat, zum Rabbiner gewählt. Derselbe tritt bereits am 1. Mai sein Amt an. Laudsöerg a. W, 11. April. An Stelle des Dr. Klemnerer wurde Herr Dr. Feßler aus Mannheim zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt. (Feßler war in Erfurt Gegencandidat des von den Repräsentanten gewählten, vom Vorstande aber in Folge von auswärts hineingetragener orthodoxer Agitation nicht bestätigten Sc^rterabbtner Dr. Goldschmidt-Weilburg. lieber die haarsträubenden Vorgänge ist uns ein authentischer Bericht zugegangen, den wir in nächster Nr. bringen werden.) Aus Iraukfurt a. M. berichtet die „Frkf. Ztg.": Als der Chef eines hiesigen hervorragenden Handlungshauses heute früh seinen Reisepaß im russischen Generalkonsulat vorlegte, um das zur Reise nach Rußland nothwendige Visum zu erhalten, wurde er gefragt, ob er vielleicht Israelit sei. Auf eine bejahende Antwort erfolgte die Bemerkung, dann müsse das Generalkonsulat es ablehnen, den Paß zu visiren. Es scheint demnach, als ob auf den russischen Generalconsulaten in Berlin und Frankfurt nicht dieselbe Praxis herrscht. Sollte das russische Generalkonsulat in Berlin vielleicht nur deshalb mehr Entgegenkommen zeigen, weil es angesichts bevorstehender Operationen gewisse Finanzmänner freundlich stimmen will? 8. Karlsruhe. Am jüngsten Purimfest hat in den israelitischen Gemeinden des Landes auf Anordnung des Oberraths eine Geldsammlung stattgefunden zur Bildung eines Fonds, dessen Zinsen solchen israelitischen Jünglingen zugewendet werden soll, welche dem Lehrfach sich widmen wollen. Der Aufruf zu dieser Sammlung hängt mit dem Umstand zusammen, daß von Jahr zu Jahr weniger Israeliten dem Volksschullehrfach sich zuwenden. Stuttgart. Durch Entschließung des K. Staatsminister, ist dem Hilfsgeistlichen der hiesigen israel. Gemeinde, Dr. Stößel, der Titel und Rang eines Rabbiners verliehen worden. Krakau, 7. April. Das freigesprochene Ritter'sche Ehepaar hatte sich selbstverständlich der größten Sympathien seitens unserer Gemeinde zu erfreuen. Es erhielt von seinem berühmten Vertheidiger Dr. I. Rosenblatt im Aufträge der Wiener Alliance eine nicht unbedeutende Geldsumme, und auch die Einnahmen aus den Photographien der dreimal unschuldig zum Tode Verurtheilten sind ziemlich einträglich, so, daß der p. Ritter in der Lage sein dürfte, sich wieder mit seiner Familie zu ernähren. Die Gemeinde Krakau hat das Ihrige hierzu gethan, obgleich die Armuth in dieser Gemeinde leider immer zunimmt. So haben sich hier im Verlauf dieses Winters achthundert Arme gemeldet, für welche eine Geldsammlung veranstaltet wurde. 04E* Die Rubrik „Mittheilungen aus II. 0. JB. B." muß Raummangels wegen heute fortbleiben. Vvu den drei Predigten: „Die Macht des Königs" zum Geburtstage des Königs, von Br. S. Meyer. „Die drei Kronen" und „Saböatlstag und Königstag" find noch eine geringe Anzahl Exemplare, für je »0 Pfg. vorräthiq und zu beziehen durch die Expedition des illustrirten isr. Fmilienblattes „Die Laubhütte" _in Regensburg (Bayern). [344 £3“ Gesucht Agenten und Reisende zum Verkauf von Kaffee, Thee, Reis und Hamburger Cigarren an Private gegen ein Fixum von 300 Mk. und gute Provision. Hamburg. J. Stiller & Co. in israelit., sehr gut erzogenes, kräftiges Mädchen von 10 Jahren, in allen Haushaltungs-Geschäften, Nähen und Bügeln erfahren, sucht zur Stütze der Hausfrau in gutein Hause Stelle. Näheres durch L. Rothschild, isr. Gemeiudepfleger, in Stuttgart. Verein für Familien u. Volks- Erziehung zu Leipzig. *) Bildimgs-Anstalt für Kin-ergiirlmiimen errichtet 1872. Am a. Mai Beginn des Lehrcursus: Der Lehrcursus dauert, je nach der gewonnenen Vorbildung, 1 bis 2 Jahre. Wissenschaftlicher Unterricht von anerkannt tüchtigen Lehrern. b) Kindergärtnerinnen aus der obeng. Anstalt, die auch Elementarunterricht ertheilcn, u. sich im Hause nützlich machen, werden Familien bestens empfohlen. Anmeldungen und Gesuche sind an die Vorsitzende, des obengenanntcn Vereins Frau Br. Goldfchmidt zu richten. (381 | Eine Gouvernante,! die ihre Ausbildung an einem Königi lichcn Seminare empfangen und vorzügliche Zeugnisse der Befähigung zur Anstellung an höheren Töchterschulen und zur Ertheilung des Klavier- und Gesangsunterrichts besitzt, sucht angemessene Stellung als Erzieherin in einem jüdischen Haufe oder auch als Lehrerin eines bestehenden oder zu begründenden Instituts. Nähere Auskunft durch die Expcd. dies. Bl. unter JB. S. 363. Heiraths-Gcesucli. Für ein wirthschaftlich erzogenes sehr nettes junges Mädchen mit 15000 M. Mitgift wird eine entsprechende Partie gesucht. Gef. Off. sud B. 3 a. d. Exp. d. Bl. (346

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