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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-04-01 · N° 14. (1.4.1886) · p. Seite 116

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 14. (1.4.1886)
Date
1886-04-01
Page
Seite 116 (sequence 6)
Language
German
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— 116 — sie am besten Gutes wirken könnten. Es ist ja das jüdische Herz unbestreitbar stets zur Ausübung von Wohlthaten geneigt, aber auch dies stumpft ab, wenn man es fortwährend anspricht, ich selbst habe häufig genug Erfahrungen in dieser Beziehung gemacht und Alle, welche sich mit Sammlungen zu guren Zwecken beschäftigt haben, werden mir darin beistimmen. Ein eben solcher Mißstand ist's, wenn die Herren Rabbiner oder Vorsteher einzelner Gemeinden den sogenannten Wanderbettlern Zeugnisse über ihre Dürftigkeit, über ihre Würdigkeit rc. ausstellen; ich bin überzeugt, daß sieben Achtel aller Gemeinden-Vorsteher diese Zeugnisse nicht mehr durchsetzen, weil auch sie durch die Gewohnheit abgestumpft und wirkliche außerordentliche Nothfälle dadurch gar nicht beachtet werden. In vielen Fällen wollen die Herren diese Plagegeister nur los werden und entschließen sich leicht zu einem Empfehlungsschreiben, aber wozu die professionirten Schnorrer noch vermehren? An diesem Krebsschaden kranket ja unser Gemeindeleben, eine Heilung ist für absehbare Zeiten gar nicht abzusehen. Der deutsch-iSrael. Gemeindebund hat zwar in seinem Programm „die Beseitigung der Wanderbettelet" mitaufgestellt, bis jetzt war es mir noch nicht möglich, zu erfahren, ob in dieser Beziehung etwas geschehen ist, es wird wohl auch hier das Richtige sein: „Die Gemeinden müssen sich selbst helfen". Bei dieser Gelegenheit habe ich an Sie, Herr Redacteur, noch zwei Fragen zu richten und zwar: ob Sie über das Wirken des Vereins „Es ra", welcher in Berlin domicilirt ist, etwas näheres mittheilen könnten, dann ferner, ob Ihnen bekannt ist, daß von Dietz a. d. Lahn Aufrufe zur Gründung eines Jsr. Reichs-Erziehungshauses versandt werden, wie dieses Projekt im Allgemeinen beurtheilt und ob Hoffnung zur Realisirung eines solchen Planes vorhanden? (Was den Verein „Esra" anlangt, so sammelt derselbe, wie man hört, für Palästina - Arme, als ob das jüdische Publikum an den Sammlungen und ziemlich willkürlich vertheilten Spenden, welche die Salven di'schen Spendenlisten wöchentlich aufführen, nicht mehr als genug hätte. Auf die andere Frage wissen wir nichts Zuverlässiges zu antworten, vielleicht berichtet einer der gesch. Leser darüber Näheres. Red.) Frankreich. 'Naris. Dasselbe orthodoxe Blatt „v'vuivsr8 Igraelits", dem Sie in vor. Nr. die Correspondenz über die Einweihung der Orgel in Aix en-Provence entnommen, bringt in ders. Nr. vom 11 d. I. S. 345 Folgendes mit folgender Vorbemerkung der Red.: „Wir haben Herrn Jackson versprochen, seinem Aufruf Raum zu geben: wir wollen ihm Wort halten. Wir brauchen nicht erst zu sagen, daß wir seine Ansicht nicht theilen, denn das, was er, wenn auch verdeckt, verlangt, ist nichts anderes als die Verlegung des Sabbath auf den Sonntag. Denn theoretisch und nach den dogmatischen Vorschriften wird er dies nie erreichen, so wenig anno 1900 wie heute; und praktisch ist es ja schon vollständig geschehen und nur zu sehr bei dem größten Theil der Arbeitenden realisirt. „Wir übersetzen: Herr Louis Jackson aus Chicago beantragt die Bildung eines universellen Ruhetages. Er behauptet, indem er die Frage practisch studirt hat, die menschliche Habsucht sei so groß geworden, daß, wenn die Arbeiter aller Kategorien nicht Maßregel ergreifen, um einen gleichmäßigen Tag der Ruhe einzusetzen, sie solchen vollständig öerltereit werden. Er wünscht, die Liga solle sich durch keine religiöse Fragen hindern lassen, und erklärt, das von ihm Erstrebte sei die erste und humanitaire Intention des Mosaismus, d. h der Arbeit einen Tag der Ruhe sicher zu stellen. Er hat seinen Glaubensgenossen bereits den Vorschlag gemacht, im Namen der Humanität, aus Motiven der Vernunft und im Interesse der jüd. Arbeiter, anno 1900 eine Convention jüdischer Delegirten von allen Welttheilen in Paris zu veranstalten, um den jüd. Sabbath auf den nationalen Ruhetag durch» ein Spezial-Edict übertragen zu lassen. Er ist fest überzeugt, daß seine Glaubensgenossen, wenn sie ruhig diesen Antrag prüften, mit der Verlegung ihres Sabbath einverstanden wären und so zu den unvergänglichen Büchern der Geschichte, die mächtige und wohlthätige Wirkung einer alten Kirche hinzufügen würden, die noch immer in ihren civilisatorischen Antrieben kräftig ist. — Herr Jackson behauptet ferner, daß, obgleich die modernen Anschauungen das Ansehen des Glaubens geschwächt haben, es weder gewünscht, noch erwünscht sei, daß die praktischen Vortheile, wie z. B. der Ruhetag, der von den verschiedenen Religionen geheiligt ist, in den allgemeinen Ruin mitgezogen werden, und daß demnach sich alle gerne freiwillig für dieses Programm einigen würden. Er hat die Absicht, sobald als möglich, ein internationales Comits zur Verwirklichung dieser Idee zu bilden". — (Wir bringen diese Schwärmerei des Herrn Jackson nur als Illustration zur Differenz zwischen der Journalistck der deutschenuud französischen Orthodoxie. Würdenwirz.B^ diesen Zeilen des Herrn Jackson die Spalten unseres Blattes öffnen, unsere Zeitschrift würde von den orthodoxen Colleginnen Deutschlands gelyncht werden — wir könnten noch so viel erklären, wir seien principiell dagegen. Als Herr Rabb. Dr. Goldschmidt in Nr. 27 Jahrg. 1884 uns. Bl. die Idee eines Casseler Gemeinde-Vorstehers, „neben dem üblichen Sabbath-Gottesdienste den Sonntags-Wochengottesdienst mit einer Predigt auszustatten, der Oeffentlichkeit übergab, mit der Bitte, „die öffentliche Debatte möge entscheiden, ob es eine Nuß mit einem gesunden Kern sei, oder nicht," und wir sofort in einer Nachbemerkung zu diesenr Artikel erklärten, „daß wir uns prinzipiell gegen eine solche tiefeingreifende Cultuseinrichtung aussprechen müßten, hat uns uns. Erklärung doch nicht vor einer Fluth. von Beschimpfungen seitens unserer orthodoxen Presse geschützt, ja noch vorige Woche hat die Berlin - Posener Agitation sich nicht entblödet, in Erfurt Hrn. Rabb. vr. Goldschmidt als „Sabbathauf Sonntag-Verleger" zu verleumden. In Frankreich ist ein orthsdoxes Blatt objectiv genug, einem so radikalen Antrag seine Spalten zu öffnen, unsere orthodoxen Blätter könnten da was lernen. — Red. d. Jsr. Wochenschr.) Vermischte und neueste Nachrichten. Aerti«. Einige der kleinen Vorstadt-Gemeinden, die eine — wie sie glauben zu geringe — Subvention von der Hauptgemeinde erhalten, gehen mit der Absicht um, sich der Austrittsgemeinde „Adas Jisrosl" anzuschließen. Vickssmü eonsules 1 chraitdenz, 28. März. (Or.-Corr.) Herr Bankier Aron. C. B o h m schenkte am gestrigen Sabbath der hiesigen. Synagoge eine Sefer Thora nebst allen dazugehörenden. ttPTIp ^2. die einen hohen Werth repräsentieren. Stettin, 26. März. (Or.-Corr.) Zu den vielen hier bestehenden jüdischen Wohlthätigkeits-Vereinen hat sich dieser Tage noch ein neuer gebildet. „Israelitischer Feuerungs- Verein" nennt er sich und hat sich zur Aufgabe gestellt,, armen hiesigen jüdischen Leuten und namentlich verschämten Armen zur Winterszeit das nöthige Feuerungsmaterial zu liefern. Bisher war dieses Sache der hiesigen Chebra kadischah, die zu diesem Zweck, da ihre Mittel dazu nicht ausreichten, alljährlich eine Sammlung veranstaltete. Das ist nun nicht mehr nöthig, der neue Verein wird die Angelegenheit direct erledigen. Bereits haben sich ca. 250 Personen als Mitglieder eingezeichnet und ist der Beitrag 1 Mark pro Quartal. Wir wollen hoffen und wünschen, daß er seine Aufgabe voll und ganz erfüllt, dann wird es ihm auch an der dauernden Sympathie nicht fehlen. Wbg. Kannover. Am 8. April d. I. wird der Jnspector der hiesigen M. M. David'schen Freischule, Herr vr. S.

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