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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-03-25 · N° 13. (25.3.1886) · p. Seite 109

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 13. (25.3.1886)
Date
1886-03-25
Page
Seite 109 (sequence 11)
Language
German
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— 109 — Sammlung in Noten gesetzt hatte: die Keduscha gefiel ganz besonders. Ein christlicher Priester hat sich, wie man mir versichert, in seiner Bewunderung für dies Meisterwerk, beeilt, es in einer Kirche von Marseille aufführen zu lassen. Wieder ein Darlehn, welches die Synagoge, als gute Mutter, der Kirche schon verstatten wird. — Doch kehren wir zu unserer Feier zurück, die so wunderbar von unfern „Parnassim", Herrn Moses Laroque und Mardochse Crsmieu arrangirt war. Man hat keine Vorstellung von dein religiösen Eifer, den diese Glaubensgenossen an den Tag legten, von denen der eine Mitglied des Consistoriums, Präsident unseres Handels-Tribunals rc. ist, der andere Sohn des verewigten R. Hananel Crämieu, dessen Geist fortlebt in unserer Gemeinde, obgleich der Körper ihn seit 'Jahren verlassen hat. Herr Bezirksrabbiner Weyl präsidirte der Feierlichkeit, neben ihm Herr Elie Cohen, Vize-Präsident des Consistoriums. Die Rede unseres allbeliebten Geistlichen, welche die Wichtigkeit der Musik im Gottesdienste behandelte, wurde verdientermaßen höchst andächtig angehört. Zum Texte hatte er die biblischen und talmudischen Worte genommen: av nnn Dipaa nbann hm rum ba 'Sbwb ■Tfrön Knn, erinnerte an die Kämpfe, welche vor etwa einem halben Jahrhundert die Orgelfrage erregt hatte, rechtfertigte dann deren Einführung in unfern Tempel und schloß ungefähr folgendermaßen: „Unser Gottesdienst hat, Dank dem Herrn und der modernen Emancipation, einen Theil seines alten Glanzes wiedererlangt. Doch ist es nicht nöthig, daß die Aera unserer socialen Regeneration die unseres religiösen Niederganges sei: bleiben wir Israeliten, ohne daß wir aufhören, Mitglieder der großen Menschheits-Familie zu .sein, zugleich auch treuergebene Söhne des Vaterlands. Die Gemeinde Aix giebt ein herrliches Beispiel in der Treue gegen diese dreifache Aufgabe. Gering an Zahl, kann sie sich gratuliren, doch jeden Sabbath Minjan zu haben, während andere größere Gemeinden ihre Tempel verlassen sehen" . .. Aix kann sich, geehrter Herr Redacteur, seiner Kinder auch sonst rühmen. Den Vice-Präsidenten des Central- Eomitss, Präsidenten der Kammer des Kassations-Hofes, Herrn Gustave Bedarride, kann es zn den Semigen zählen, ebenso einen General-Procurator, 2 Hofräthe, den Präsidenten und ein Mitglied des Handels-Tribunals, 4 ausgezeichnete Advocaten rc. Empfangen Sie rc. Ben Ami." (Anm. d. Red. Vorstehende Correspondenz steht, ohne jede Redactionsbemerkung — wer sollte es glauben? — in ein em streng orthodoxen Blatte, freilich nicht in einem deutschen, sondern m dem französischen „L'Uuivers Jsraelite". — Die französische Orthodoxie scheint demnach dieOrgel in der Synagoge zu erlauben. Wir erinnern bei dieser Gelegenheit daran, wie unsere Orthodoxen den ebenso begabten jüd. Theologen, wie ausgezeichneten Pädagogen, Herrn Eh*. Goldschmidt z. Z. Bezirksrabbiner und Schulinspector in Weilburg. blos deshalb verfolgen, weil er vor zwei Jahren gelegentlich der Rabbiner- Bacanz in Cassel erklärt hatte: „ich sehe in dem Vorhandensein einer Ocgelsynagoge kein Hinderniß für meine segensreiche Thätigkeit als gesetzestreuer Rabbiner". Nun wir wissen, daß noch andere auf den Namen „gesetzestreu" Anspruch machende Rabbiner, die damals um die Casseler Rabbinerstelle candidirten und in der dortigen Orgelsynagoge auch Probepredigten hielten, ganz ebenso über Orgel denken. Der damalige Ausspruch Goldschmidt's: „Die Orgelfrage hat längst aufgehört, ihre besondere Bedeutung zu haben" findet seine glänzende Rechtfertigung durch die Orthodoxie in Frankreich. Will nun die deutsche Orthodoxie deshalb die französische in Acht und Bann legen, ihren Rabbinern vielleicht gar die Berechtigung zur Hinin mm absprechen? (Siehe die Corresp. „Aus Thüringen" im Hauptblatt dieser Nr.) Vermischte und neueste Nachrichten. ^oserr. Interessant ist die vor kurzem veröffentlichte Schulstatistik der Provinzialhauptstadt Posen, namentlich was Konfession der Lehrer und Schüler anlangt. Das städtische Realgymnasium mit Vorschule zählte 552 Schüler; von diesen waren 201 evangelisch, 234 katholisch, 117 mosaisch. Die Mittelschule zählte 1241 Schüler, von welchen 678 evangelisch, 325 katholisch und 228 mosaisch waren. Die Bürgerschule wurde von 1025 Schülern besucht; von diesen waren 519 evangelisch, 315 katholisch und 91 mosaisch. Die 5 Stadtschulen zählten zusammen 6044 Schüler, 1519 evangelische, 4372 katholische und 153 mosaische. An allen städtischen Schulanstalten Posens wurden demnach im Schuljahre 1884/85 8862 Schüler unterrichtet: 2917 evangelische, 5346 katholische und 599 mosaische. Von den an den Stadtschulen, der Mittelschule, der Bürgerschule und dem Realgymnasium wirkenden 174 Lehrern waren 91 evangelisch. 78 katholisch und 5 mosaisch. Die königlichen Anstalten und die Privatanstalten sind hierbei nicht in Betracht gezogen. Saris. Auch das sogen. Jargon hat nun in der Person des Herrn Harkavi, Sohn des Herrn Dr. Harkavi in Petersburg, seinen Grammatiker gefunden. Mit Recht macht er darauf aufmerksam, daß, wenn das Wesen des Jargon darin bestehe, daß es aus allen möglichen Sprachen seinen Wortschatz entlehnt, alle europäischen Sprachen nicht minder Jargon wären. Seitdem die Volksidiome so sehr zur Anerkennung gekommen, seitdem z. B. das Plattdeutsch seine so herrliche Litteratur gefunden, ist gar kein Grund zur Aechtung des sogen. Jargon vorhanden. Er ist auch Sprache des ungebildeten Theiles der Juden, und die Litteratur des Jargon ist auch bereits eine ziemlich bedeutende. Malamsras (Mexico). Antonio Block, ein elsässischer Jude, und einer der ältesten Kaufleute hiesiger Gegend, ist von Einbrechern ermordet und um E 4000 beraubt worden. Verzeichniss der Logen des U. 0. B. B. in Deutschland. Name. Ort. Logen.Local. Versammlungsabend. Zeit. Präsidenten. Deutsche Reichsloge I. 332 Berlin Brüderstrasse 2. Sonnabend. 9 Uhr. Dr. L. Maretzki, Landsb.-Str. 82. Germania-Loge II. 335. Halle a. 8. Gr. Ulrichstrasse 56. Mittwoch. d'/. „ J. Hirsch, Neue Promenade 7. Berth.-Auerbach-Loge III. 338. Berlin Brüderstrasse 2. Montag. 9 8. Hagen, Heiligegeist-Str. 35. Concordia-Loge LY. 340. Kattowitz Friedrichstrasse 34. Mittwoch vor 1. u. 15. 6 8. Friedländer. Mamreh-Loge V. 344. Beuthen Im deutschen Haus. Donnerstag. 8 „ Dr. F. Rosenthal. Allemania-Loge VI. 348. Stettin Rosengarten 12. Mittwoch. 8'/- « W. Blaschke. Montefiore-Loge VH. 352. Berlin Brüderstrasse 2. Mitwoch. 9 Dr. H. Hildesheimer. Humanitas-Loge VIH. 351. Gleiwitz Wilhelmsplatz 18. Dienstag nach 1. u. 15. 8 „ Alex. Stein. Lessing-Loge IX. 349. Breslau Junkernstrasse 31. Sonnabend. 81/» „ Dr. Sternberg. Caritas-Loge X. 355. JLreuzburg Schweizers Hotel. Mittwoch. 8 G. Proskauer. Fratemitas-Loge XI. 356. Dresden Annenstrasse 45. Mittwoch. 87, .. L. Schlesinger. Mendelssohn-Loge XII. 357. Magdeburg Prälatenstrasse 31. Dienstag. 9 J. Lindenthal. Amicitia-Loge XIII 358. Posen Wilhelmstrasse 28. Donnerstag. 9 „ Jul. Salz. Eger-Loge XIV. 359. Ostrowo Dienstag. Fabian Fraenkel. Zion-Loge XV. 360. Hannover Holzmarkt 7, I. Montag. „ Dr. Bergmann.

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