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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-03-25 · N° 13. (25.3.1886) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 13. (25.3.1886)
Date
1886-03-25
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Meikage zuAr. 13 der „Asr.Wochmschrift Rede bei dem Installations-Festmahle der Zion-Loge in Kannover. Gehalten vom BiceprSs. derselben, Hrn. Seminardirector De. Krön er. Verehrte und würdige Gäste! Liebe Brüder! Wir stehen heute an der Wiege unserer geliebten Zion-Loge. Wenn Eltern an der Wiege eines süßen Kindes stehen und mit wonnetrunkenen Augen in das heitere, frische Antlitz ihres geliebten Sprößlings schauen, so ist ihnen jeder Blick, jedes Aufschlagen der zarten Augen, jede Regung der lebenkündenden Glieder, jeder Laut, der sich der ruhig athmenden Brust enthebt, ein Hochgenuß, wie wenn zwei Seelen sich küßten. Aber noch viel größer ist der Jubel der Eltern herzen, wenn nach der treuen Uebung der sorgsamen Mutter, die beim Anblick ihres Kindes sich ihres Gatten in tiefempfundener Liebe erinnert, den Lippen des Kindes jenes heilige Wort entströmt, das die Grundlage aller Tugend, aller Edelsinnigkeit, die Quelle aller erhabenen Gefühle für den neugeborenen Erdensohn werden soll. Wenn das Kind zum ersten Mal „Papa" rufen kann, da baut sich iu den Herzen von Vater und Mutter jene Weltordnung neu auf. die ihnen zeigt, wie Mensch und Mensch an einander gekettet sind durch die heiligen Bande des Elternhauses; da durchzieht ihr Herz das Bewußtsein von dem heiligen Rechte der Eltern, von der heiligen Pflicht der Kindesliebe. „Mein Vater!" ist der Ruf. der dann dem größer werdenden Kinde wie ein heiliger Himmelsbote segnend, schützend, warnend, helfend auf allen Wegen folgen soll. Was kann uns, geliebte Brüder, uns, den Mitgliedern der Zion-Loge, heute näher liegen, als in all' der innigen Liebe eines Kindes des Vaters unseres Bundes zu gedenken, dem ein neues Kind zur Freude aller Geschwister durch Gottes Güte zu Theil geworden. Wir haben auch in diesem Sinne mit Begeisterung den Worten unseres verehrten Präsidenten gelauscht, wir haben begeistert in das Hoch mit eingestimmt, als er dem Vater unseres Königreiches, dem Vater unseres deutschen Vaterlandes, diesem Fürstengreise, wie Keiner vor ihm auf seiner Väter Thron gesessen hat, dem Vater unseres neu geeinten deutschen Vaterlandes ein donnernd Hoch gebracht. Fürwahr, mit Jubel rufen wir als Deutsche: NNX Irr K*7n 1^2*? Dank sei Gott, daß nun ein Vater uns Deutschen allen geworden ist! ' Unsere Herzen wenden sich aber als Logenbrüder, als B'nei Brith, zu jener Stätte, zu jener Gemeinschaft, zu jenem Manne, die in unseres Ordens Mitte mit der Weihe eines Vaterhauses, einer Hcimath, bekleidet sind. Zu dem Vater unseres Bundes hinüber durch die flutenden Ströme eines Weltenmeeres eilen unsere Herzen. Schon ist von dem Vaterhause der Segenswunsch auf feurigem Strahlenflügel durch die Tiefen des Meeres zu uns gelangt und unser Dank tönt schon zurück. Was sich aber die Meeresfluten in geheim - nißvoller Tiefe erzählen, wie sich zwei Erdtheile in Liebe begrüßen, das ist ein Gedanke, der Meerestiefe und Himmelshöhe in sich hat, der die Erdtheile verbindet und einstens seinen Wcltenthron errichtet. Und dieser Gedanke hat eine so lehrreiche Seite. Schauen Sie hin! Einstens gingen, es sind fast 50 Jahre her, deutsche Juden aus ihrem Vaterlande nach dem fernen Westen, einer neuen Welt. Was sie aus der Heimath führte, ob Roth, ob Hoffnung, ob Schmerz, ob neuer Glaube, kurz sie gingen und brachten dem fernen Westen ihr deutsches, ihr jüdisches Empsinden und Denken mit. Und dort errichteten sie einen Bund unter ihren Glaubensbrüdern, einen Bund der höchsten, schönsten Pflichten ihres Judenthums, einen Bund der Liebe und der Wohlthätigkeit. Und nunmehr kommen die Boten dieses Bundes, der im fernen Westen sich baute, zu uns nach Osten, nach der alten Heimath wieder, und bringen uns ihren Segen. Ist das nicht ein lehrreicher Vorgang, der seine weltgeschichtliche Bedeutung hat. Von Osten nach Westen, von Westen nach Osten, das ist der Pilgerzug der Cultur. die Wanderung der Gottesidee. Einstens kam ein Mann von Osten, ein Mann, der Roth und Elend in seiner Heimath erduldete, weil sein Herz den Haß nicht kannte, weil sein Geist dem Trug nicht diente, weil er die Völker zu einer Menschheit verbinden, weil er alle Geister zur Verehrung eines Gottes entflammen wollte. Es ging der Mann von Osten nach Westen. Hier in Westen, da baut er einen Altar, da gründet er einen Bund in seiner Familie, aber für alle Menschen. Er und sein Sohn und sein Enkel und seine Urenkel, sie müssen immer weiter den heiligen Bund tragen in diesem Westen von Nord nach Süd, von Süd nach Nord, bis die Zeit der süßen Ruhe kam. Aber kurz ist diese Ruhe. Reich ist der Bund entfaltet, wie süße Früchte hängen Gedanken, Lehren, Gesetze für die Ewigkeit gemacht an dem Stamme dieses Bundes. Und wieder muß er wandern. Wohin? Er geht von West nach Ost. Mit Thränen zog man aus! Wird der Wanderer nicht zu Grunde gehen? O. nein. Im rauhen Osten beginnt ein neuer Frühlingsdrang iu diesem Bunde sich zu regen. Der Bund wird besser erkannt, mehr geliebt, mehr geübt denn je zuvor. Und siehe da. es kommt die Zeit und wieder wandert der erlöste Bund von Ost nach West. Im Westen treibt er neues Leben. Neuer Geist, der doch der alte ist, macht diesen Bund zu einer Felsenburg, die hoch genug gebaut, um von den stärksten Meeresstürmen nicht erschüttert zu werden. Aber der Allmächtige wollte nicht, daß dieser Bund in der Stille bleibe; wandern sollte er doch nur die große Reise um die Erde. Und wieder ein Mann von West nach Ost und wieder blüht im Osten neu des Bundes heilig Leben. Was soll ich weiter nun erzählen? Von Osten zog er hin nach Westen, immer weiter bis an die Ufer der hispanischen Gewässer und Toledo ward ein ruhmvolles Heim für diesen Bund. Von Westen jagt ihn der Geschichte Sturm in Blut und Thränen wieder nach Osten, durch Frankreich nach Deutschland, durch Deutschland nach den Ebenen des großen Polen- und Russenreiches, und seht, bald kommt wieder eine neue Zeit und wieder nimmt der Wanderer den Stab und zieht nach einem neuen Westen, nach einem neuen ungekannten Erdentheile. Der Menschen Wissen, die Lehre Gottes, sie haben gleiche Wege durchgemacht, von Osten nach Westen, von Westen nach Osten, so strömt der Gottesgeist hin und her. Wißt ihr nun, geliebte Brüder, wie lehrreich das Flüstern der Wellen im Oceane sein muß, wenn sie sich von dieser Wanderung erzählen, wie lehrreich das stille Wehen der Winde, welche Geistessamen über die Erde tragen? Und was ist das für ein Geistessamen, den nun der Vater unseres Bundes von Westen nach Osten brachte? Gerade das Fest, das wir mit Ausgang des nächsten Sabbats feiern, gerade der Schriftabschnitt, den wir am kommenden Sabbat lesen, sie bieten uns ein glänzendes Bild von der Herrlichkeit dieses Gedankens. Da wird am Purimfeste eine Rolle verlesen werden, so seltsam in ihrer Art, wie fast kein Buch der heiligen Schriften unseres jüdischen Geistesschatzes. Da steht kein einziges Mal das Wort „Gott", trotz des Reichthums von Namen, mit denen das treue Prophetenthum den himmlischen Vater zu nennen gelernt und gelehrt hatte. Da steht keine besondere Religionsordnung, wie sonstin den anderen Schriften, da steht kein herzerschütterndes Jammerwort über die Fehler Israels, kein himmelhochhebendes Wort von den herrlichen Hoffnungen unserer Gemeinschaft. Und dennoch wird diese Schrift mit einer Spannung, einem Jubel alljährlich an fast allen Orten, wo Israeliten leben, gelesen, gesungen, wie kaum die heilige Thora selbst. Und das Fest, von dem diese Esterrolle spricht, wird als ein unvergängliches bezeichnet, ja sogar ein großer jüdischer Gelehrter macht die Bemerkung, daß in dem Drange well-

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