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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-03-18 · N° 12. (18.3.1886) · p. Seite 97

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 12. (18.3.1886)
Date
1886-03-18
Page
Seite 97 (sequence 7)
Language
German
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finden sollte, nahm überraschend große Dimensionen an. Von nah und fern, aus den verschiedensten Gesellschaftskreisen — tion Abgeordneten, Gelehrten, Schrifstellern, Publicisten, Künstlern re. — wurden schriftlich und persönlich Gratulationen und andere sinnige Zeichen der Verehrung darge- Dracht. Auch von Gemeinden und Behörden, denen der Jubilar durch eine lange Reihe von Jahren seine uneigennützige Thätigkeit gewidmet, trafen anerkennungs- und verehrungsvolle Beglückwünschungsadressen ein. Einer der edelsten Träger des im jüdischen Geistesleben wohlbekannten Namens Klausner, hat der Jubilar durch Lehre und Beispiel die nie versiegende und nicht zu brechende Kraft des Judenthums stets zu Ehren gebracht und vertheidigt. Wenn er selbst auch nicht schriftstellerisch hervorgetreten ist, so haben doch seine Ideen auf das jüngere Geschlecht befruchtend eingewirkt; viele berühmte jüdische und christliche Gelehrte und Sprachforscher haben sich oft bei ihm Aufschluß über schwierige wissenschaftliche Materien geholt. Unter seinen Kindern, die zum Theil aus weiter Ferne zu dem seltenen Fest herbeigeeilt waren, steht am meisten im öffentlichen Leben der als Herausgeber der „Fortschr. resp. Deutschfreis. Correspondenz" und als einer der gewandtesten Publieisten bekannte M. A. Klausner. Von den Töchtern sind zwei als Schriftstellerinnen thätig und besitzen eine eminent wissenschaftliche Bildung; die Schwiegersöhne sind ebenfalls zum größten Theil Litteraten. einer derselben ist der auch den Lesern unserer Blätter wohlbekannte Rabb. Dr. Kroner in Brandenburg a. d. H. Rührend ist die Art und Weise, wie der edle Greis Allen, die mühselig und beladen sind, Zeit uitb Mühe opfert. — Möge ihm und seiner würdigen Gattin ein heiterer Lebensabend int Kreise der Kinder und der im Geiste der Ahnen aufblühenden Enkel beschieden sein! Aerkm. In der „Freisinnigen Zeitung" vom 42. März findet sich folgende Briefkastennoliz: „H. Z. in R. Sie sind Jude und haben mit einem Hausgrundstück zwei zu demselben gehörende Sitze in der evangelischen Kirche erworben. Sie haben Ihre Sitze stets durch Ihre evangelischen Dienstboten benützen lassen. Nunmehr werden Ihnen diese Sitze ohne Entschädigung entzogen. Jedenfalls hat der Landrath in dieser Frage nichts zu sagen. Wenden Sie sich an einen Rechtsanwalt." Haben Sie, H. Red., die Freundlichkeit, diese Frage in Ihrem gesch. Bl. abzudrucken, damit sie durch einen sachkundigen Leser desselben eine ausreichende Beantwortung finde. Aernörrrg, 12. Mürz. (Or.-Corr.) Der Bericht aus Dessau in Nr. 11 der isr. Wochenschrift, die Ernennung eines Landrabbiners für das Herzogthum Anhalt betreffend, bedarf einiger Ergänzungen. Zunächst muß erwähnt werden, daß die Gemeinden, die einen eigenen Rabbiner haben, in keiner Weise dem Landrabbiner unterstellt sind, sondern daß in diesen Gemeinden der Lokalrabbiner an die Stelle des Landrabbiners tritt. Ferner war Beinburg niemals Sitz eines Landrabbinates für das Herzogthum Anhalt, und es hat daher auch keine Verlegung des Sitzes von hier nach Dessau stattgefunden. Der fei. Herxheimer war Landrabbiner für das ehemalige Herzogthum Anhalt-Bernburg, und hierin trat auch keine Veränderung ein, als dieses Herzogthum im Jahre 1862 mit Anhalt-Dessau vereinigt wurde. Endlich hat der Landtag sich nut der Schöpfung des Landrabbinates nicht zu befassen gehabt und ist diese Institution nicht durch ein Gesetz. sondern durch eine herzogl. Verordnung ins Leben gerufen worden. Nur der Zuschuß zum Gehalt für den Landrabbiner, der bereits mit 1000 M. ins diesjährige Budget eingestellt worden ist, wird selbstverständlich vom Landtage zu bewilligen sein. Bei dieser Gelegenheit sei berichtet, daß die hiesige Gemeinde in einer Generalversammlung den Beschluß gefaßt hat, dem verewigten Landrabbiner Dr. Herxheimer aus Gemeindemitteln ein prachtvolles Denkmal zu errichten, zu welchem Zwecke ein namhafter Betrag bestimmt worden ist. Ilalow, W/Pr. Herr Auerbach aus Danzig ist als Amtsrichter an das hief. Amtsgericht versetzt worden. Derselbe fungirte früher bereits kurze Zeit als Assessor in unserer Stadt. Erfurt. Die Repräsentanten-Versammlung der hiesigen Gemeinde hat unter den Kandidaten um die vacante Rabbinerstelle den Hrn. Bezirksrabbiner Dr. Goldschmidt in Weilburg gewühlt. Welefeld Der Stöckerprozeß gegen die „Mindener Zeitung" kommt am 7. April vor der hies. Strafkammer zur Verhandlung. Stöcker wird als Nebenkläger auftreten. Morthamplon. Ein schreckliches Ereigniß hat hier alle Gemüther aufgeregt. In einem nahen Städtchen am Meeresstrande lebte ein Jude mit Frau und 3 Kindern in den drückendsten Verhältnissen. Im Einverständnisse mit seiner Frau beschloß er, sich und den Seinigen freiwillig den Tod zu geben. Zur Zeit der Ebbe ging er mit den Seinigen auf den Strand und wartete die Fluth ab. Dort fanden die Frau mit den Kindern ihren Tod. Er selbst entrann, wie er vorgiebt, um den Seinigen ein rituelles Begräbniß zu bereiten. Er ist verhaftet und wird wohl nicht dem Strange entgehen. Mittheilungen aus dem IT. O. b. B. Berlin. Das Gesammtvcrmögen der deutschen Loqen belief sich Ende d. I. 188b auf 66053,73 Mark. Magdeburg» 17. März. Gestern Abend hielt auf Veranlassung der Mendelssohn-Loge der als ehemaliger Redactenr der Westermannschen Monatshefte und durch sein jüngst erschienenes ausgezeichnetes Werk: „Geschichte der jüd. Litteratur" weithin rühmlichst bekannte Dr. Gustav Karpeles ans Berlin hier einen hochinteressanten, lichtvollen Vortrag über die Hanptmomente der jüd. Litteratur, der sich auch der Theilnahme vieler intelligenten Nichtmitglieder erfreute. Hannover, 15. März. Mit der hier begründeten und gestern in feierlicher, ergreifender Weise installirten „Zijon - Loge" hat der Orden der B. B. in Deutschland eine Etappe gen Westen gewonnen, die für die weitereAusdehn ung des so segensreich wirkenden Ordens von hoher Bedeutung ist. Unter den deutschen Gemeinden hat Hannover in religiöser und wohlthätiger Beziehung einen so klangvollen Namen, daß man von vornherein den Boden für die humanen Principien des Ordens hier geebnet halten mußte. Fünfundzwanzig opferwillige, für die edelsten und höchsten Aufgaben des Judenthums — die ja mit denen der Humanität und sonach auch des Ordenssick decken — begeisterte Männer haben sich zusammengefunden, um den Grundstock zur Zion-Loge zu bilden. Nachdem sic ein geeignetes Local gefunden und ausgestattet hatten, fand gestern die Einweihung der Loge statt. Dieselbe wurde durch den w. Großpr. Herrn Julius Fenchel unter Assistenz des Großsecr. Herrn D. Wolfs und des 2. Vicepr. Herrn Blumenthal-Halle — der das Gebet sprach — nach dem Ritual vollzogen. Als protok. Secr. fungirte Herr Dr. Hildesheimer (Montefiore- L.), als Finanzsecr. Herr Dr. Ewer und als Mentor Herr Gordon. Von der Großloge und dem General-Comitö waren außerdem erschienen: die HH. Schatzm. Bergel, Cohn, Haagen, Dr. Ewer, Dr. Rahmer und Simmel. Zum Präsid. der Zijons-Loge XV. 360 wurde Herr Dr. rnsck Bergmann, zum Vicepr. Herr Dr. K rvner gewählt. Hierauf überbrachten die Delegirten der Schwesterlogen (Deusche Reichs-L., Berth. Auerbach-L., Moutefiore- L., Germania, Allemania-L., Mendelssohn-L.) herzliche Glückwünsche in begeisterten, sinnreichen Ansprachen. Von der Constitutions-Großloge in New-York war ein Beglückwünschungstelegramm eingetroffen, ebenso von mehreren deutschen Logen. — Damit war der um 3 Uhr begonnene officiellc Theil gegen 7 Uhr beendet. Es schloß sich daran die Einführung dreier Mitglieder der im nächsten Monat zu installirenden „Westfalia-Loge" zu Bielefeld. — Um Sl/2 Uhr versammelten sich die Mitglieder, Delegirten und Gäste der Schwesterlogen, zusammen etwa 70 Personen, in Spaniers Hotel zu einem solennen .Souper, das, gewürzt von einer Fülle geistvoller Tischreden und Toaste ernsten und heitern Inhalts bis gen 2 Ubr Nachts währte. Es herrschte ein so herzlicher brüderlicher Ton, eine so wohlthuende Harmonie, daß alle Theilnehmer mit Dank nicht nur gegen die gastfreundschaftlichen Hannoveraner schieden, sondern auch gegen *alle diejenigen, \ die den Or&cit nach Deutschland verpflanzt und dadurch einen neutralen Boden geschaffen haben, auf welchem die verschiedensten religiösen Richtungen sich zu gemeinsamen humanen Werken brüderlich die Hand reichen. Dieses l)erzerhebcndc Gefühl ist in Hannover Allen aufs Neue wieder zum Bewußtsein gekominen. L. B. in Berlin. Dergleichen „Enthüllungen" — so pikant dieselben.auck — eignen sich durchaus nicht zur Veröffentlichung.

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