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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-03-11 · N° 11. (11.3.1886) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 11. (11.3.1886)
Date
1886-03-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Mil* Magdeburg, 11. Mär; 1886. Jallktz. XVII. für die religiösen und socialen Jnteresien des IudenthumS. 4J + Wöchentlich erscheint je eine Nummer der .M-oche«fäivift“, des „famlllewn. des „Littrraturdlatt*". Preis für alle drei Klätter bei allen Postämtern U. Buchhandlungen 3 IC^Iarls: vierteljährlich. Mit directer Zusendung: jährlich 14 Mark, nach dem Auslande: 16 Mk. (8 fl., 3V Frcs., 8 Rbl.. 4 Dollars). Einzelnummern der „Wochenschrift" k 25 Pf., des „Litteratur-Blatts" k 15 Pf. des „Familten-Blatts k 10 Pf. St ea Verantwortlicher Redacteur und Herausgeber: Rabbiner vr. W. Wahmer in Magdeburg. Für M»hrheit, Krcht und Frieden! ft 3 ftt fe v at« für die „Israelitische Wochenschrift", wie fiir das „Jüdische Littcratur-Blatt", die kleingespalüne Pctitzeilc oder deren Raum 85 pf. sind entweder durch die Annoncen- Mpeditionen von O-» Li.Daube Sc Co., IVtosse, Haasenstein Sc "Vogler u. A. oder direct einzujenden an : Die Grpediiion der „Soraeiii. Mochenschrift" in Magdeburg. tfit f t» j| Ult: Leitende Artikel: Ein Postulat der Religionsschule an die Rabbinerseminare. Bon Bezirksrabbiner vr. G o l d s ch m i d t - Weilburg. — Gneist und Laster. Eine Erinnerung von LI. W. — Ueber die Schulen der Allianz. HI. Berichte und Correspondenzen: Deutschland: Hannover. Aus Oberschlesien. Stettin. Worms. Weilburg. Wiesbaden. Frankfurt a. M. Frankfurt a. M. Oesterreich-Ungarn: Wien. — Rußland: Aus Polen. Vermischte und neueste Nachrichten: Magdeburg. Gleiwitz. Dessau. Cöthen. Gelsenkirchen. Langensalza. Borek. Württemberg. Stuttgart. Krakau. Bukarest. London. Paris. Paris. Wietko. Jerusalem. Jerusalem. Atlanta. Mittheilungen aus dem E. O. B. B. Magdeburg. Berlin. Aus Rumänien. Amerika. Nelv-Aork. San Franzisko. Wochen- März. 1886. Adar II. 5646. Kalender. Freitag. 12 5 Sonnabend 13 6 Sonntag . . 14 7 Montag. . . 15 8 Dienstag . . 16 9 Mittwoch . . 17 10 Donnerstag . 18 11 Taanis Esther. Ein Postulat der Religionsschule an die Rabbinerseminare. Bon Bezirksrabbincr vr. Golds chm id t-Weilburg. Das Judenthum der Gegenwart ist ein umgekehrter gehörnter Siegfried: dieser war am ganzen Körper gehörnt, gegen Stoß und Stich sicher gestellt, und nur an einer einzigen Stelle der tödtlichen Waffe bloßgestellt," das Judenthum der Gegenwart ist am ganzen Körper den tödtlichen Waffen der modernen Verhältnisse gegenüber ungepanzert, nur an einer einzigen Stelle ist es von außenher unverwundbar, freilich an der Hauptstelle, an der Stelle des Herzens: in der Religionsschule. Es blutet aus 1000 Wunden, aber die Religionsschule ist berufen, für den ungeheueren Blutverlust Ersatz zu schaffen, neue Lebenssäfte dem Organismus zuzuführen, dem nach allen Seiten von seiner Lebenskraft entzogen wird. — Wenn aber der Religivnsschule in solcher Weise eine unendlich gesteigerte Bedeutung für die Erhaltung der Lebenskraft des Judenthums der Gegenwart, für die Zukunft des Judenthums zukommt, welche Forderung ist da natürlicher, als daß die höchsten Forderungen für die Erhaltung der Fülle und Frische dieser Lebensquelle nicht zu hoch seien? Wenn die Religionsschule die Funktion des Herzens, dem ganzen Organismus stets neuen Lebenssaft zuzuführen, im Judenthume der Gegenwart, ausüben soll, gilt dann nicht von ihr die alte Lehre des weisen Königs: „Sorgsamer als alles bewahre Dein Herz, denn von ihm kommt der Ausstuß des Lebens"? — Man hat für die jüdische Religionsschule schon sehr hohe Forderungen und Ansprüche gestellt und, der Wahrheit die Ehre, man hat überall soviel als nur möglich diesen Forderungen und Ansprüchen zu entsprechen gesucht. Aber unter den Adressen, an die man dieselben gerichtet hat, ist bisher Eine vergessen worden, und zwar eine, die mir die wichtigste zu sein scheint, auf die ich aufmerksam zu machen für meine Pflicht halte. Diese bisher ignorirte Adresse sind — die Rabbiner-Seminare. Das Postulat der Religionsschule an die Rabbiner-Seminare lautet: An jedem Rabbiner-Seminar muß ein ganz spezieller Lehrstuhl für Pädagogik, zu besonderer Bearbeitung der Pädagogik der jüd. Religionsschule, womöglich in Verbindung mit ein er Uebun gsschule criirt werden. Die Begründung dieser Forderung dürfte nicht schwer werden. — Vor allem verlangen die speciellen Verhältnisse des Rabbiners, die Stellung und die Berufspflichten desselben in der Gegenwart, unnachsichtlich eine obligatorische Stellung der Pädagogik an den Rabbiner-Seminaren. — Mit wenigen Ausnahmen, die meistens aber nur Ueberbleibsel früherer Jahrzehnte sind, ist der Rabbiner der Gegenwart auch Religion sley rer, ja die Thütigkeit als Religionslehrer wird gegenwärtig vom Publikum und von den Rabbinern als der Schwerpunkt ihres B.rufes betrachtet. Prediger und L'hrer das suchen die Gemeinden, das wollen die Rabbiner hauptsächlich sein. Für die Ausbildung als Prediger ist an alten Rabbiner-Seminaren aufs beste gesorgt: warum nicht auch für die Ausbildung als Lehrer? Oder ist es leichter ein guter Lehrer, als ein guter Prediger zu sein? Leichter als Autodidakt ein guter Lehrer, alsein guter Prediger zu werden? Gewiß nicht, schon darum nicht, weil man wohl, indem man eine memorirte Predigt in seinen 4 Wänden vorträgl und das Publikum in der Phantasie hinzudenkt, sich im Predigen, nicht aber in derselben Weise im Unterrichten, autodidakttsch üben kann. Warum also u i chtwenig st ens dieselbe Fürsorge für die pädagogische, wie für die rhetorische Ausb ildung unserer Rabbiner?— Man wende nicht ein: die wissenschaftliche Ausbildung genügt auch für die pädagogische. Das ist entschieden falsch. Die wissenschaftliche Ausbildung giebt dem Rabbiner wohl den Lehrstoff der Religionsschule in Hülle

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