Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 9. (25.2.1886)
- Date
- 1886-02-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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- journal issue
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Magdeburg, 25, Februar 1886. *12 9 ♦ für die religiösen und socialen Interessen des Judenth ims. I Wöchentlich erscheint je eine NuTnmer der „Moche« fchrifl". des „Famtli-n-! statt«" u.des „Lilteraturblatt»". j Preis für alle drei Glatter bei allen Postämtern > u. Buchhandlungen 3 D*IarlL vierteljährlich. Mit directer Zusendung: jährlich 14 Mark, \ nach dem Avslandc: 16 Mk. <8 fl., 20 Frcs., 8 Rbl., 4 Dollars). Einzelnummern der „Wochenschrift" k 25 Pf.,! des „Litteramr-Blatts" k 16 Pf. des „Familien-Blatts k 10 Pf. S - - iS Brrannvorttichcr Redacteur und Herausgeber: Rabbiner llr. M. Aaymer in Magdeburg. kiir Dalirheit, Necht und Frieden! SS - - m j In fer at» >! für die „Israelitische Wochenschrift",!! wie iür das „Jüdische Litteratur-Blatt", (! die kleingespalt^ne Pctitzeilc oder deren Raum j 25 |>f. sind entlvedcr durch die Annonccn- Expeditioncn von Gr- L.XDau.'be Sc Co« j! DS,u.d.olf IVLosse, Haasenetein Sc j "Vogler u. i’l. oder direct einzusenden an : i Die Expedition der „Ssraeiit. Mochenschrift" in Magdeburg. ( .-- -^ Inhalt: Leitende Artikel: Offene Kundgebungen und Fragen des Rabbiner vr.Kroner in Brandenburg a. d. H. an Herrn Prof. vr. S t a d e, seine Vor- und Nachtreter. (Fortsetzung statt Schluß.) — Ueber die Schulen der Allianz. Berichte und Korrespondenzen: Deutschland: Magdeburg. Berlin. Berlin. Berlin. Nordhausen. Hamburg. Nürnberg. Colberg. Memel. Oesterreich-Ungarn: Budapest. Pest. Vermischte und neneste Nachrichten: Magdeburg. Berlin. Berlin. Stuttgart. Sarkad. Amsterdam. London. Petersburg. Petersburg. Odessa. Finnland. Mittheilungen aus dem ü. U. B. B. Magdeburg. Berlin. Gleiwitz. Dresden. — Inserate. — Briefkasten. Wochen- Februar. 1886. Adar I. 5646. Kalender. Freitag. . . 26 21 Sonnabend 27 22 Sonntag . . 28 23 Montag. . . Märzl 24 Dienstag . . 2 25 Mittwoch . . 3 26 Donnerstag . 4 27 Offene Kundgebungen nnd Fragen des Rabb. Br. Krön er in Brandenburg a. d. H. an Herrn Prof. Br. Stade» seine Vor- und Nachtreter. (Fortsetzung statt Schluß.) Können Sie mir unter allen jüdischen Religionslehrbüchern, die in deutscher oder einer andern nichthebräischen Sprache abgefaßt sind, ein einziges nennen, welches irgend eine inhumrme Stelle gegen Andersgläubige enthält; welches eine so unvergleichliche und gefährliche Intoleranz lehrt, wie jene christlichen Religionsschulbücher, in denen die Juden mit Kain, dessen That und Strafe zusammengestellt werden? — Soll das „christliche Ethik" in der Schule sein? Welche Früchte kann diese „Ethik" im Leben zeitigen? Nun werden Sie mir allerdings erwidern: Wer berechtigt die jüdischen Neligionslehrer der neuern Zeit, nur Humanes zu lehren? Ihr Juden dürft für alle Zeit nicht den überwiegend humanen Geist eures Schriftthums, sondern dürft für alle Ewigkeit nur die welligen inhuman scheinenden Vorschriften oder die wenigen, von einem gewissen Standpunkte inhumanen Kampfgesetze und Vorsichtsmaßregeln, die gegen eure Unterdrücker gerichtet waren, in Schule und Synagoge zur Geltung bringen! Nun, Herr Professor, dann erlaube ich mir ein paar Gegenfragen: Was berechtigt und befugt Sie, Protestant zu sein? Was berechtigt und befugt Sie Luther's Wort bezüglich der Bauern zu mißbilligen: „Ich Martin Luther, habe im Aufruhr alle Bauern erschlagen denn ich habe sie heißen todtschlagen; all ihr Blut ist an meinem Hals. Aber ich weise es auf unfern Herrn Gott, der hat mir das zu reden befohlen". (Erl. Ausg. 59,285 ff.) Was berechtigt und befugt Sle, der Ansicht der ältesten Kirchenväter entgegenzutreten, von denen Lessing. Anti-Göze V. schreibt: „Es ist erwiesen und ausgemacht, daß die ältesten und angesehensten Kirchenväter einen Betrug, der in guter Absicht geschieht, für keinen Betrug gehalten und diese nämliche Denkungsart den Aposteln beizulegen, sich kein Bedenken gemacht haben!?" Herr Professor! Ist uns Juden etwa ein Rabbi der Vergangenheit oder der Gegenwart mehr, als Ihnen Luther und als andern Christen ein Kirchenvater? Uns ist die Bibel ein Volks- und menschheitspädagogisches Buch in des Wortes hehrstem Sinn. Als solches will sie Volk und Menschheit, und inmitten beider das Individuum, von dem realen Boden gegebener Verhältnisse und Zustände aus zu immer edlerer Entwicklung, immer höherer Gesiltung, zu immer llchteren Idealen führen. Alle wahre Erziehung knüpft ja au die Stufe der Bildung und Gesittung dessen, der gebildet und versittlicht werden soll, naturgemäß an und schreitet so allgemach fort. Ist doch das Gesetz naturgemäßer, fortschreitender, stetiger Entwicklung so unverbrüchlich und unverletzlich, daß jede gewaltsame und ^sprungweise Abweichung sich unfehlbar selbst straft. Zuvörderst umgiebt daher die Bibel jene Verhältnisse und Zustände mit heiligenden Momenten, aus denen das ideale Ziel, zu dem jene geleitet werden sollen, schon hervorschimmert. Es sei dies nur durch ein Beispiel, und zwar durch die von Ihnen, Herr Professor, berührte „barbarische Sitte" der Polygamie veranschaulicht. Diese ist im Orient infolge klimatischer und anderer Verhältnisse allgemein herrschend geworden. Die Bibel hat die Polygamie weder direkt geboten, noch verboten, wohl aber indirekt bekämpft. Diesbezüglich mögen einige Andeutungen genügen: Dem Adam ward nur ein Weib zugeführt; der Patriarch Abraham nimmt nur auf Sarai's Wunsch noch Hagar zur Nebenfrau, Isaak hat eine Frau, und Jakob wird von Laban gezwungen, auch dessen zweite Tochter zu heirathen; Moses, Aron und Elasar lebten in Monogamie; die Ehe mit zwei Schwestern wird später strengstens verboten (3. M. 18.18); die st rengsten Keuschheits - und Reinigungs-Gesetze werden dem Volke eingeschürft; die Propheten stellten den Bund Gottes mit Israel unter dem Bilde der Monogamie, die Vielgötterei unter dem Bilde der Vielweiberei dar. Auf solche Weise wurde die Abneigung gegen die Polygamie dem Volksgemüth allgemach so tief und weit eingepflanzt, daß im zweiten Staatsleben die Monogamie schon fast allgemein