Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-02-04 · N° 6. (4.12.1886) · p. Seite 47

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 6. (4.12.1886)
Date
1886-02-04
Page
Seite 47 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/5369809-9585330-9585379--6084-9585386
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

47 — mide-Chachamim, mit den Pfeilen der Wahrheit trifft. Das Vorgehen des „Zewi" hat den Grimm Gottes entflammt, und — der „Zewi" wird in den „Cherem", den Bann, gethan! Nun hat der liebe Gott, was er gewollt hat, Sein Feind ist unschädlich gemacht, und nun kann Er wieder Regen schicken. — Man könnte darüber lachen, wenn es nicht so ernst wäre — ernst, weil die religiösen Vorstellungen und die religiöse Praxis, deren Cousequenz nur der „Cherem" ist, auch noch in Europa, ja in unserem lieben Deutschland heimisch sind. Wenn man z. B. Pidjon nefesch macht, d. h. des Erkrankten Leben aus löst, gleichsam dem lieben Gott abkauft; wenn man den Namen verändert, d. h. dem göttlichen Rathschluß ein Schnippchen schlägt: der Beschluß beziehe sich nur auf den so und so Genannten, nicht aber auf den mit dem neuen Namen; wenn man mi scheberach macht: für die Spende von 18 Ps. oder 18 Mk. rc. soll der liebe Gott den Kranken loslassen; wenn es orthodoxe Rabbinner gibt, die natürlich gegen gutes Honorar für Kranke lernen, indem sie den Wahn begünstigen, das könne dem Kranken helfen, der liebe Gott könnte durch ein Par Capitel Mischnajoth sich bestechen lassen; wenn selbst unsere systematischen Religionsbücher sich so ausdrücken, daß sie nur ja diesen orthodoxen Hühneraugen nicht auf den Fuß treten; und nimmt man nur noch den Fanatismus der jüd. Orthodoxie Deuischlands hinzu: hat es da nicht bloß der Verzug der strengen Cosequenz, wenn man in Jerusalem glaubt, der wenn auch gerechte Kamps gegen die Lieblinge Gottes müsse deren allmächtigen Pcotector bis zur Regencntziehung ausbringeu, und die Excommunication der Gegner dieses Protegs's müsse den Erzürnten freundlich stimmen und den Riegel von den Schleußen des Himmels zurückschieben? — Uebrigeus sind die Cyacham's in Jerusalems mit ihrem Cherem ziemlich freigebig. Ist doch sogar vor einigen Jahren der Führer unserer modernisirten Orthodoxie, vr. Hildesheimer, Director des Berliner Rabbiner-Seminars, in den „Cherem" gelegt worden, wie derselbe ja auch in Ungarn von den nicht modernisirten Orthodoxen, mit Rabbi Höllel Sziksz an der Spitze, wegen Usurpation des Titels: „orthodox" in den Cherem gelegt wurde. — Man sieht also, der Cherem ist wenigstens unparteiisch, und wenn vr. Hildesheimer jetzt Moses Mendelssohn von dem Cherem seiner zeitgenössischen Fanatiker befreien will, so ist das nur das Mitleid — eines Leidensgesäbrten. — Kernrifchle und neueste Nachrichten. W. Berlin. Im neuen Etat, der eine Erhöhung der Rabbinergehülter um je 900 M. aufweist, ist auch der Posten noch eines Predigers eingestellt, da in der bisher nur zu den Feiertagen benützten Kaiserstraße-Synagoge vom Frühjahre o. an das ganze Jahr hindurch regelmäßig Gottesdienst abgehalten werden soll. Werkin. Der Lexikograph vr. Wilhelm Freund feierte am 27. Januar hier seinen 80. Geburtstag. Von nah und fern waren zahlreiche Glückwunsch-Telegramme, Briese und kostbare Blumenspenden eingelausen. Eoblenz, 24. Januar. Hier ist Herr Enoch, bisher zweiter Rabbiner in Kreuzn ach, Sohn des sel. hochorthodoxen Fuldaer Landrabbiners, zum Rabbiner gewählt worden! Stalkupönen. Die hiesige Strafkammer hat die drei Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu je 60 M. Strafe verurtheilt, weil sie einen russisch polnischen Beamten wiedergewühlt, ohne der Regierung davon Anzeige gemacht zu haben. Komtz. In der hies. Gemeindesynagoge wurde das Mendelssohn-Jubiläum durch eine treffliche Predigt des Rabbiners vr. Roth begangen. W»ag. Daß, wie einige Blätter behaupten, Herr vr. Gold zieh er in Budapest die Professur der semitischen Sprachen an der hiesigen deutschen Universität übernehmen soll, daran will man in jüdischen Kreisen nicht recht glauben; — weiß man doch, daß diese Stelle an und für sich ihren Mann zu nähren nicht vermag, und eine mit derselben zu verbindende, den allerdings reichen Fähigkeiten des vr. Goldzieher entsprechende Stelle unseres Wissens hier nicht zu verleihen ist. (G. soll bereits abgelehnt haben. Red.) — Der so wohllhätig wirkende jüdische Freit ischverein allhier kann noch immer in den jüdischen Cultusgemeinden auf dem Lande die Anerkennung nicht finden, die er in so reichem Maaße verdient, — und doch sind es ja eben fast nur Söhne der Landgemeinden, die der Wohlthat dieses Vereines theilhaftig werden. Das „babsntr 8iia fata“ scheint auch von wohlthätigen Vereinen zu gelten. Ob wir durch die im Landtage in der zwölften Stunde d. h „vor Thorschluß" aus die Tagesordnung gesetzte Angelegenheit unserer Cultusgemeindeordnung dem Ziele um einige Schritte näher kommen werden, muß sich doch nun bald zeigen. v. Krakau. In den hiesigen Mittelschulen werden die isr. Schüler nicht mehr zum Schreiben am Sabbath und an den Festtagen gezwungen, und hat bereus der Director an Herrn Rabbiner vr. Duschak sich gewendet, damit dieser ihm die Tage angebe, an welchen nicht geschrieben werden dürfe. Der Chassidismus hat hier den letzten Trumpf — verloren. Er sträubte sich gegen die schon lange bestehende Schlachtgebühr, wovon die Knltusbedürfnisse bestritten werden, das Ministerium jedoch hatte sie erlaubt; die Gegner gingen zum Verwaltungs-Gerichtshof, doch dieser hat den Mmisterialerlaß bestätigt. Die Gemeinde kann nun ruhig das Gute fördern. Zürich, im Januar. (Or.-Corr.) Herr vr. Ludwig Stecn aus Berlin hat sich gestern an der hiesigen Universität als Dozent für Philosophie habilitirt. In Folge seiner gestrigen Rede hat er sofort einen Ras an das eidgenössische Polytechnikum erhalten, so daß er vom Sommersemester an an beiden Hochschulen doziren wird. Waris. Herr Leopo.d Sse, commandirendec General der 9. Division der Infanterie, wurde zum Großoffic ier der Ehrenlegion befördert. Diese hohe Auszeichnung wurde hier zum ersten Male einem Israeliten zu Tyell. Von den jährlichen Preisen der Akademie der Wissenschaften hat den für die mathematischen Wissenschaften Herr G. H. Halphen, und für die Chemie einen Tyeil des Jecker- PreiseS im Betrage von 4000 Fr.HerrH.Silva davon getragen. Wukarest. Im hiesigen Tempel fand eine solenne Feier zur Erinnerung an den 100jährigen Todestag Moses Mendelssohns statt. Die würdige Feier wurde mit einem vom Herrn Oberkatttor Weiß sammt Chor vorgetragenen Trauer-Cyoral eröffnet, worauf der Prediger, Herr vr. Beck, eine gediegene Gedächtnißrede hielt; den Schluß bildete ein Trauerchoral. Mittheilungen aus dem U. O. B. B. Magdeburg. Zur Herbeiführung der unbedingt nothwcndig gewordenen Neuorganisation der Sterbekasse — das bisherige Umlageverfahren ist bekanntlich gesetzlich unhaltbar geworden — bat die Großlogc einComitö von 5 Mitgliedern (bestehend aus denBBr. Jablonsky, Simmel, Wolfs, vr. Maretzki und Hagen) gewählt, welches mit Hinzuziehung von technischen und juridischen Sachverständigen die weitereil Verhandlungen zu führen berufen ist, um bei möglichst geringer Belastung der BBrdie größtmöglichen Vortheile für dieselben zu erzielen und dem Ganzen eine gesetzlich feste und solide Basis zu geben. Berathungen hierüber in den Einzellogen sind darum zum Mindesten verfrüht, da die Protokolle der betr. Großlogen-Sitzung noch gar nicht vorliegen. Etwaige Wünsche oder praktisch vecwerthbare Rathschläge dürften vielleicht am geeignetsten an die genaunteir Mitglieder des Comits's zu richten sein. Ratibor» 1. Februar. Gestern Abend wurde in einer von den besten Elementen der hiesigen Gemeinde besuchten Versammlung, in welcher die HHr. A. Stein (Präsid. der Humanitasloge) und Spitz begeisternde Ansprachen hielten, die Petition an die Gcoßloge um Vcrleihimg des Freibriefes von 24 hochachtbaren Männern unterschrieben. Dresden, Sonntag den 14. d. M., Nachmittags, begeht die hiesige Frateruitas-Loge ihr erstes Stiftungsfest durch Conccrt, Festmahl und Ball im Saale des Belvedere. Sämmtliche Schwcsterlogen sind dazu eingeladen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.