Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 5. (28.1.1886)
- Date
- 1886-01-28
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
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um die für ein Denkmal aufzubringenden Mittel einem mehr dem Geiste des Judenthums und Mendelssohns conformen Ziele zuzuführen. — Aber um Alles dies handelt es sich hier nicht: die Umstände liegen einfach so. Die Elite der Männer, die den deutschen Geist vertreten, wollen dem deutschen Klassiker, dem Freunde Le Isings, dem Mitkämpfer Lessings zur Befreiung der deutschen Litteratur von der falschen französischen Klassicität, wie sie durch Gottsched und Consorten, begünstigt durch den großen Friedrich, in Deutschland despotisch herrschte, dem Mendelssohn des deutschen Volkes ein Denkmal setzen, wie es einem Lessing, Göthe, Schiller und den diis minorum gentium allenthalben gesetzt wurde. Als Söhne Deutschlands sollen die Bekenner des Judenthums zu diesem Denkmal des deutschen Vokes sich verhalten, nicht als Bekenner des Judenthums zu elner Celebration durch das Judenthum. Alle die Hinweise auf die Stellung des Judenthums zu der Setzung von Denkmälern sind da nicht am Platze: denn das deutsche Volk hat seinen eigenen „Schulchan Aruch". Nur insofern ein deutscher Rabbiner auch ein deutscher Rabbiner ist, der auch für die deutsche National-Litteratur Begeisterung einpfindet, an der Entwickelung des deutschen Geistes Antheil nimmt, und insofern er auch für das deutsche Element des deutschen Judcnthum s als Vertreter sich betrachtet, konnten auch Rabbiner Deutschlands ihren Namen unter den Aufruf zur Errichtung eines Mendelssohn-Denkmals setzen. Und wer wird behaupten wollen, daß Mendelssohn, als deutscher Schriftsteller, der Verfasser der „Briefe über die neueste deutsche Litteratur", der die Unsterblichkeit der Seele durch einen Sokrates beweisen ließ, der den platonischen Dialog mit solcher Meisterschaft nachahmte, der aus der griechischen Götterlehre mit Vorliebe die Stoffe zu den herrlichen Allegorien seiner Darstellung wählte: wer wird behaupten wollen, daß dieser Mendelssohn der deutschen Litteratur gegen die Errichtung eines Denkmals protestiren würde? Wenn Mendelssohns Deutschthum echt und nicht blos simulirt war — und es wäre Blasphemie, dies zu bezweifeln — dann konnte er für die Form, in welcher der deutsche Geist seine großen Todten verehrt, nicht nur Verständniß, sondern auch Sympathie haben, oder es würde sich Mendelssohn in Mendelssohn widersprechen. Wir begreifen es sehr wohl, daß man außerhalb Deutschlands, wir in den „ Archiveslsraelites u, einen andern bleibenden Ausdruck für die Mendelssohn-Feier für paffend gehalten hätte. Die „Archives Jsraelites" stellen sich diese Feier gewiß als einen spezifisch jüdischen, höchstens mit etwas Deutschthum verbrämten Akt vor. Was wissen die Franzosen von der Entwicklung des deutschen Geistes, und um Mendelssohns Bedeutung innerhalb dieser Entwickelung? — Aber wenn deutsche Männer, deutsche Rabbiner, welche genau über den Geist dieser Feier informirt sind, wenn diese bei dieser Gelegenheit den — Schulchan-Aruch aufgeschlagen, und aus Cap. so und so, § so und so hinweisend, die Denkmal- Errichtung perhorresciren, dann — kann man nichts anderes ausrufen. als was Jordano Bruno auf dem Scheiterhaufen beim Anblick des alten Mütterchens, das in frommer Einfalt einen Spahn der Flamme zuführte, gerührt ausrief: 0 sanofca simplicitas! Oder was unsere alten Weisen ausgerufen haben: H211D ."1^22 12 pKtf N"N *72 der Geist ist entflohen, das Phlegma ist geblieben, Mumien wollen auf den Rabbinatssitzen tDBtf Ö“? N1X22 auf dem ,T KD2 das Szepter schwingen und das Erhabene und Heilige in das Bereich des Lächerlichen zerren! — Und doch ist es geschehen: einige orthodoxe Rabbiner in den orthodoxen Blättern des deutschen Judenthums, haben den traurigen Muth, diese klägliche Rolle zu spielen! — Hören wir, wie ein ganz Unparteiischer, der in Petersburg in hebräischer Sprache erscheinende, streng orthodoxe „Hameliz", darüber urtheilt. In Nr. 94 in einem bereits von uns erwähnten Leitartikel der die Ueberschrift: *7D2N OiS 02IT7 |1"I21 „das Andenken des Weisen bei den Thoren", läßt er sich so vernehmen. „Wir haben es schon in einem früheren Artikel über Mendelssohn gesagt: Man hat früher schon M/s Grabesruhe gestört und seine Gebeine auf ein Henkergerüste gezerrt, ohne Zweifel wird es auch jetzt nicht an Fichen fehlen, die seinen Namen und seinen Sarg steinigen werden". Diese unsere Prophezeihung ist schon eingetroffen. Der erste, der sich heroordrängte, seinen Lehrer zu durchbohren, das ist der bekannte Fanatiker, der sich Dr. und Rabbi nennt, der Redacteur des Mainzer „Israelit".Er mag aber einen andern Grund (zu seiner Verunglimpfung Mendelssohns) gehabt haben, den Grimm dieses Zeloten gegen Mendelssohn hat vielleicht der Umstand angefacht, weil un t er dem Aufruf zur Errichtung des Denkmals der Name des einen Rabbiners von Mainz, vr. Salfeld, stand und nicht der des andern". — In der That läßt das fanatische Gebühren des „Israelit" in dieser Sache gar keine objectivc Interpretation zu. — In Nr. 1 des Israelit läßt ein Rabbiner S. in B. seine Stimme erschallen. Sein Zorn richtet sich gegen die „jüdischen Finanziers", die jüd. Juristen" die jüd. Aerzte" und andere „jüd. Gelehrte" und namentlich gegen die „drei Rabbiner" „(in Magdeburg, Dessau und Mainz)". Nach langem Gerede und geistlosem Wiedergekäue allbekannter Dinge schließt der Eiferer so: „Zum Schluffe noch eine kurze Bemerkung. Drei Rabbiner — von den jüdischen Banquiers, Juristen, Äerzten und Prof. Lazarus wollen wir absehen — haben folgenden Wortlaut des Aufrufs unterschrieben: „Kinder und Enkel haben den Ruhm des Ahnherrn durch den ihrigen erneuert". Kinder und Enkel haben den Glauben ihres Ahnherrn abgeschworen. Und das finden drei Rabbiner des Ruhmes Werth! -Was sagt dazu das jüdische, sei es noch so indifferente, Publikum in Magdeburg. Dessau und Mainz?" — Was es dazu sagt? Gott sei Dank, daß wir nicht lauter so engherzige, beschränkte, fanatisirte Vertreter des Judenthums haben, die gar keine Ahnung davon, daß man den Ruhm seiner großen Ahnen besudeln könne, auch wenn man in dem Glauben derselben verbleibt, während man, auch wenn man deren Glauben abschwört, auf den 1000 Gebieten der Humanität, der Kunst, der Wissenschaft, der praktischen Menschenliebe rc. deren Ruhm erneuern könne! Wenn der Herr S. so beschränkt ist, und für nichts Augen, als für den orth. Glauben hat, — dann mag er überall, wo der Name Mendelssohn genannt wird, den Mund halten! Ferner sagt das Publikum von Magdeburg, Dessau und Mainz dazu: Ihre Beschränktheit, Herr S., in Ehren; aber Ihr Apell resp. Ihre elende Denunciation an die 3 Gemeinden der 3 Rabbiner, die unterzeichnet haben, verhallt daselbst ganz wirkungslos, speziell die Gemeinde Magdeburg hat eine beträchtliche Summe zur Errichtung des Mendelssohn-Denkmals überwiesen. Das ist die beste Antwort Und nun kommen wir zu dem Schluß des Frankel'scheu Gutachtens. „Zu II. 2. Die Ausübungen der> Behandlung in Betreff der Anfertigung menschlicher Gestalten ist verboten, in Betreff anderer Wesen ist dieselbe nicht verboten. (Siehe Jore dea §§ 4, 6.) Die Gravirkunst ist gestattet. Zu II. 3. Israeliten dürfen Statuen oder Statuetten von menschlichen Gestalten in ihren Häusern nicht haben. (Siehe Jore dea 1 c. § 4). Aber wenn solche an Nase oder Augen verstümmelt sind, so können sie einen Platz in eines Israeliten Haus erhalten — und so ist auch die Praxis. (Siehe Talm. Bosch. Hasch. 1. o.) Statuen von Thieren können in den Häusern der Israeliten sein (Jore dea 1 c. § 7.) und unter manchen Umständen auch solche von Drachen. (Siehe Jöre dea § 3.) Zu HI. Der Schluß aus allem diesen oben Angeführten ist: Daß die Israeliten von New-Orleans nach den religiösen Satzungen auf keine Weise dem verstorbenen Juda Touro eine Statue setzen können, weder selbst.