Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 3. (14.1.1886)
- Date
- 1886-01-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M z. Magdeburg, 14. Januar 1886. Jahrs. XVII. für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums. Wöchentlich erscheint je eine Nummer der „Wochenschrift", des „Famtlienolatt«" u.dcs „Klttevaturb latt»". Preis für alle drei KILttev bei allen Postämtern U. Buchhandlungen 3 D^Hsrl-c vierteljährlich. Mit directer Zusendung: jährlich 1t Mark, nach dem Auslande: 16 Mk. <8 fl., 20 Frcs., 8 Rbl.. 4 Dollars). Einzelnummern der „Wochenschrift" a, 25 Pf., des „Litteratur-Blatts" k 16 Ps. des „Familten-Blatts k 10 Pf. Veranrwortlicher Redactcur und Herausgeber: Rabbiner Dr. M. Hlahmer in Magdeburg kür Mahrheit, Recht »ad Frieden! SS --- --- ■ 5» Inferat » i für die „Israelitische W o ch e n s cd r i f t", , wie iür das „Jüdische Litterarur-Blatt", die kleingespaltene Petitzeilc oder deren Raum ' Pf» sind entweder durch die Annoncen- Mpeditionen von Q-. Hi-IDau.'be Sz Co., ftudolf IVtosse, üaasenBtein Sc | "Vogler u. A. oder direct einzusenden an :; Di» Expedition dev ,,Israelit. Wochen-! schvift" in Magdeburg. a --- Inhalt: Leitende Artikel: Die Säcular-Gedächtnißfeier für Moses Mendelssohn in Dessau. (Schluß.) Dr. L. Adler, emerit. Landrabbiner. Von Dr. Golds chm i d t-Weilburg. Berichte und (Korrespondenzen: Deutschland: Magdeburg. Brandenburg a. d. H. Oberschlesien. Leipzig. Colmar. Colberg. England: London. — Rußland: Aus Polen. Oermisckte und neueste Nachrichten: Oels. Posen. Bonn. Frankfurt a. O. Homburg. Nienburg a. W. Dresden. Allenstein. Wiesbaden. Essen. Laupheim. Rostock. Marsberg. Rödelheim. Stuttgart. Stuttgart. Prag. Damboritz. Oesterreich. Prerau. Amerika. Mittheilungen aus dem U. 0. B. B. Berlin. Fraternitas-Loge zu Dresden. Bielefeld. Frankfurt a. M. Inserate. — Briefkasten. Die Säerilar-Gedüchtnitzfeier für Moses Mendelssohn in Dessau. (Schluß.) „Das erhabeneund erhebende Beispiel vonHumanizüt und Toleranz, das heute von höchster Stelle dadurch gegeben ward, daß ein edler deutscher Fürst mit seinem ganzen erlauchten Hose hier im jüd. Gotteshause erscheint, um in Andacht einer Gedächtnißfeier beizuwohnen, die einemSohne desJudent hum geweiht ist, gießt ein so mildes, verklärendes Licht auf diese ganze Mendelssohnfeier, daß der Wiederschein derselben weit über die Grenzen Deutschlands hinausdringen, und die Herzen aller Menschenfreunde mit hoher Freude und tiefer Verehrung erfüllen wird" — diese Worte, die wir an den Staatsminister von Krosigk, in dessen unmittelbarer Nähe wir die Ehre hatten zu sitzen, auf seine wiederholt geäußerte Befriedigung über die gottesdienstliche Feier richteten, und die derselbe mit den wohlthucnden Worten bekräftigte: „Ja, Se. Hoheit unser Herzog kennt keine co nfessionellenUnter schiede in seinem Lande, sein landesväterliche Herz umfaßt alle treuen Bürger mit gleicher Liebe",*) sie haben in den Berichten, welche die Tagesblätter nicht nur Deutschlands, sondern auch des Auslandes, über die Mendelssohnfeier in Dessau brachten, ihren Wiederhall gefunden; sie alle heben dieses Ereigniß als ein gerade in jetziger Zeit doppelt bedeutsames und hoch erfreuliches Zeichen hervor, *) In ähnlichem Sinne hatte sich der Herzog selbst zu derselben Zeit den Vorstandsmitgliedern HH. Königsberger und Elkan gegenüber ausgesprochen, als letzterer darauf hingewiesen, daß in diesem Sotteshause an jedem Sabbath- und Festtage für das Wohl des Herzogs und seiner Gemahlin, sowie der herzoglichen Familie gebetet werde. Wochen- Januar. 1886. Schewat. 5646. Kalender. Freitag. . . 15 9 n*wa OM) Sonnabend 16 10 Sonntag . . 17 11 (Sch. Schiro.) Montag. . - 18 12 Dienstag - - 19 '*< ' 13 Mittwoch . . 20;v\ 14 Donnerstag . 21 15 Chamischo Ossor. welches, wie die zu einem geflügelten Worte gewordene Aeußerung unseres ritterlichen Kronprinzen von der „Schmach unseres Jahrhunderts", eine thatsächliche Verurtheilung der unedlen und undeutscheu Bewegung sei, die die glänzende Culturgeschichtsepoche der Aufklärung und Humanität, welche Mendelssohn und Lessing heraufgeführt, zu verunzieren trachtet. — So ist die Lichtsaat Mendelssohn's in si^nem Geburtslande herrlich schön aufgegangen! Unter diesem von allen Festtheilnehmern tief empfundenen Eindrücke begab man sich nach der großen, in freundlichem Schmucke prangenden Aula des neuerbauten herzoglichen Gymnasiums, deren weite Räume mit einem den besten Kreisen angehörenden Zuhörerpublikum gefüllt war. Mendelssohn lorbeergeschmücktes Bild hing über der Rednertribüne. Die gut geschulte Dessauer Liedertafel leitete den Festact mit dem Choräle: „Lobet den Herrn" ein, worauf der Herr Director Or. Wickenhagen die erste Festrede in klarer, markiger Sprache „über die Bedeutung Mendelssohns für die deutsche Litteratur" hielt. Die Rede ist — durch unsere Vermittelung — in der „Magdeo. Zeit." vom 7. d. Mts., 1. Beilage, vollständig abgedruckt*) wir geben deshalb hier nur die zusammenfassenden Schlußsätze wieder: Die Anwendung auf die Gegenwart liegt außervrdenttich nahe, und führt mich auf die Frage: „Welche Bedeutung hat denn Mendelssohn für unsere Gegenwart überhaupt noch? Sehen wir dabei von der auch jetzt noch fortdauernden Wichtigkeit ab, welche sein Wirken als Reformator seines Volkes beanspruchen muß, so wird die Gegenwart eben so wohl von Mendelssohn, dem deutschen Nationalschriftsteller und Popularphilosophen, wie von M.» dem Prediger der Toleranz, noch lernen können. Wenn wir Lessing's Prosa bewundern, so werden wir auch an M. nicht vorübergehen dürfen, der. neben Lessing und Winckelmann zur Ausbildung unserer deutschen klassischen Prosa das Meiste beigetragen hat. Wenn ferner die Zahl derjenigen immer nur eine geringe gewesen ist, *) Die beti. Nr. 9 ist in der „Exped. d. Magd. Zeit." für 10 Pf. zu haben.