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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 51 (1885) · p. Seite 200

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
51 (1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 200 (sequence 2)
Language
German
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r- - — 200 — tüchtigen, wohlsituirten jungen Geschäftsmann für das Mädchen, das er selbst einst so gerne für sich gewonnen hätte, als künftigen Gatten zuzuführen; und wenn nur bald der ehrwürdige, bescheidene Rabbiner den Herzenswunsch Mathla's und Jaroslawsky's krönen, und ihre Hände segnend zum ewigen Bunde in einander legen wird, dann wird auch der Segen des hochwürdigen Dechants nicht fehlen, — von be iden Gottcsdienern gesegnet, kann auch der Segen Gottes nicht ausbleibcn. Versöhnt! 31 Original-Roman von Jda Barber. (Fortsetzung,) Zum ersten Male seit ihrer Verheirathung machten die Beiden eine Spazierfahrt gemeinsam. Es lag Jlka daran, ihren Gatten weich zu stimmen, Einfluß aus ihn zu gewinnen, daß er ihr zu Liebe jenes Anderen schone, den sie, so weh er ihr auch heute gcthan, gerettet lvissen wollte. — Ihm zu Lieb, war sie freundlich mit ihrem Gatten, lieh sie all seinen Erzählungen ein aufmerksames Ohr, ließ sie es zu, daß er ihre Hand in der seinigen behaltend, seinen Arm um sie schlang, während sic da auf dem Land gerade dahinsuhrcn, die Pracht der alten Paläste bewundernd, jene Marmorsäule» und aus Mosaick zusammengefügten Schlösser, die noch heute Zeugniß ablegen von den Glanz der alten Dogenstadt. — Ihren Kopf vertraulich an die Schulter des Gatten legend, als fühle sie das Bedürfniß, nach all den Aufregungen des heutigen Tages auszuruhen, gewahrte sie nicht, daß gerade, als sic die Rialto-Brücke passirten, oben ein Mann stand, der kopfschüttelnd herniedcrschaute, dann unwillig, wie von Ekel überwältigt, sich abwandte, „Ist es möglich", fragte sich Or, Sanders. „Soll man da nicht alle Achtung vor dem Weibe verlieren! Heut früh bittet sie mich um eine Zusammenkunft und jetzt — jetzt ist sic im traulichsten tsts-ä-tsts mit ihrem Gatten! Welche Gewalt muß dieser Mensch auf sie ausüben wenn sie immer und immer wieder, so oft sie auch Micn macht, sich seinem Einfluß zu entziehen, zu ihm zurllckkehrt!" „Doch warten Sie, Herr Gras," setzte er sarkastisch lächelnd hinzu, „ich werde Ihnen zeigen, was es heißt, Jemand um sein Lebensglllck betrügen! Morgen um diese Zeit dürften Sie schwerlich so sorglos auf dem Canal grande dahin gleiten; ich habe Ihnen noch eine Schuld zu zahlen und, bei Gott, ich will nicht in Ihrer Schuld bleiben!" Festen Schrittes ging er nach Hause, um noch einige Briefe zu schreiben, XXV. Der schwere Abschied. Thränen traten ihm in die Augen, als er von seiner alten Mutter Abschied nahm, — „Ich hoffe, thcuerste Mutter," schrieb er ihr, „mein Leben steht in Gottes Hand und diese wird mich schützen, wenn es aber doch meinem Gegner gelingt, das Leben, das jetzt nur Dir geweiht sein sollte, zu crtödten, so klage nicht, beste Mutter, denke, daß mir wohl ist, — daß ich, seitdem ich an Jlka irre geworden, diese Welt verachte und ein Leben führe, das mir eine Qual ist, — Selbst wenn sic sich mir jetzt zu eigen gäbe, ich mag sie nicht, da ich sie nicht achten kann. Vielleicht ist es ein Glück für mich, daß sie nie die Meine geworden; wir hätten, so wie ich sie jetzt erkenne, nie zu einander gepaßt, — Allein und vereinsamt durch's Leben gehen, da ich einmal in dem beglückenden Vorgefühl gelebt, mit einem geliebten Wesen vereint sein zu können, mag ich nicht; einer Andern angehören noch weniger, es ist also das Beste für mich, wenn ich aufhöre zu sein. Denke, theure Mutter, ich sei Dir fern, auf kurze Zeit entrückt; — es giebt ja ein Wiedersehen in einer besseren Welt, die nichts von Trcubruch und Falschheit weiß. Für alle Güte, die Du mir erwiesen, Dir in Worten zu danken wäre unmöglich; Du warst die treueste, die gewissenhafteste, dieAiebevollste der Mütter; mein letzter Gedanke, mein letztes Gebet, sie werden Dir gelten! Dein ewig dankbarer aber namenlos unglücklicher Sohn Ellimar." Als der Abend dämmerte, machte Or, Sanders noch einen Spaziergang; ihm war, als solle er von der Welt Abschied nehmen, von dieser Welt, die gerade heute so schön, so verlockend vor ihm da lag, wie in Sonnengluth getaucht, wie mit Purpur übergossen. All seine hochfliegende Pläne schiene» vergessen, seine Thatkrafl gelähmt, die Elasticitüt seines Geistes vernichtet. Was war aus ihm geworden? „Und diese Wandlung hat ein Weib bewirkt!" saqte er sich, „Wäre ich es mir und meiner Zukunft, ja wohl auch — ich kann es ohne Selbstüberhebung sagen — nicht auch der Gesellschaft schuldig, mich zu erhalten? — Lange starrte er auf die von den Strahlen der untergehenden Sonne vergoldete Fluth hin, da überkam ihn urplötzlich die alte Lebenslust, der trotzige Muth, es noch einmal mit diesem Leben zu wagen, daS denn doch zu reich, zu gehaltvoll sei, um eines Weibes wegen in die Schanze geschlagen zu werden. Einer Fatamorgana gleich stiegen all die hochfliegenden Pläne vor ihm auf, deren Verwirklichung er sein Leben weihen wollte- Was hatte er erreicht? Wie sich in der Gesellschaft bcthätigt? „Ein verfehltes Leben!" jammerte er verzweiflungsvoll, „und daran ist sie schuld, sie die in sträflichem Leichtsinn und vcrdammenswerthem Ehrgeiz meiner heiligsten Gefühle nicht achtend, sich einem Anderen hingab, da sie schon mein vor Gott angctrautes Weib war!" Und so glühend er sie ehedem geliebt, so grimmig haßte er sie heut. Schon um sie nicht mtt jenem Manne glücklich zu sehen, mußte er ihn tobten, er war i h r diese Strafe, sich selbst diese Gcnugthuung schuldig! Der Sterne goldenes Heer war längst am Himmel aufgezogen, als Sanders endlich an den Heimweg dachte. — Im Hotel herrschte gerade jetzt reges Leben, Unbeachtet wollte er an den sich lebhaft»,Unterhaltenden vorüber, als ein Herr auf ihn zutrat, mit dem er zusammen zu speisen pflegte. „Wohin so eilig, Doctor?" fragte er ihn. „Ich bin verstimmt und muß ruhen", entgegnete der Angeredete. „Was Grillen!" erwiderte der Andere, so jung kommen wir nicht wieder zusammen! Lassen Sie uns noch ein Eis im Cafs quackrs nehmen, cs schmeckt dort prächtig, zudem ist heut Concert auf dem Marcusplatz, Sie werden Menschen sehen und mit ihnen fröhlich sein!" Und ehe vr. Sanders ausweichen konnte, hatte der gutmüthige Fremde seinen Arm in den des Lebensmüden geschoben und zog ihn mit sich fort nach dem Marcusplatz, wo bereits eine nach Tausenden zählende Menschenmenge auf- und abfluthete. Vor einem Cafs Platz nehmend, stierte Dr. Sanders gedankenlos in's Leere, „In der That eine bunte Narrenwelt" sagte er endlich, „Das lärmt, singt, plaudert, amüsirt sich, ohne zu wissen, was bei all dem Hocus-pocus herauskömmt! Solch ein Gesumme meinen dann die Leute" — Er vollendete nicht; das Wort blieb ihm in der Kehle stecken; soeben sah er den Grasen, die Gräfin am Arme führend, vorllbcrgchcn. „Kennen Sie das junge Paar?" fragte ihn sein Nachbar, „So oberflächlich", entgegnet l)r, Sanders, „unv Sie?" „Die Leutchen sind mir interessanter, als ganz Venedig", entgegnete der Andere, „Denken Sie," fuhr er lebhaft fort, „die Beiden sind seit 3 Wochen verheirathet und leben vollständig getrennt; heut das erste Mal, daß ich sie mit einander sehe; ein Freund von mir, der in demselben Hotel einlogirt ist, in

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