Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 50 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 198 versprochen, und als M. in der gleichen Gesellschaft bald darauf wieder durch K. kam, getreulich gehalten wurde. Als M. sie darauf wieder zu sich rief, jedem aber nur einen Batzen gab, schien ihre Stimmung eine gedrückte und ihre Stimme an Umfang und Höhe cingebllßt zu haben. Beim dritten Mal, als M. und sein Freund sich wieder nach K. hingcplaudert halte, gab er der lieben Jugend gar nichts für ihr Schreien, die daraufhin, unwillige Gesichter machten und ihm nun nachricfen: „Nun sollst Du auch gar kein Glück mehr haben, nun wollen wir gar nicht mehr Hepp hepp rufen", und fortan hatte ihr Geschrei ein Ende. Aus einem Kriefe Kerlholz Auerbachs. Or. Adolf Ko Hut theilte in dem „Deutschen Montagsbl." diverse bislang noch unveröffentlichte Autographen berühmter Männer mit, die deren Privatbricfen re. entlehnt sind. Vor diesen dürfte die nachstehende, einem Briefe Berthold Auerbachs aus den 60er Jahren entlehnte, und sich auf die derzeitige rumänische Judenhetzc beziehende Stelle hier gewiß eine Wiedergabe verdienen: „O diese entsetzliche Metzelei in Galatz! Mir wollte das Herz vergehen und ich knirschte in namenloser Wchmuth und im Ingrimm, da ich wieder erfahren mußte, was die Pfaffen aus der Welt und dem Menschenleben machen. Ist nicht Alles schamlos-dämonisches Gaukelspiel? ... Wir gehen auf stillen Wegen und stehen am Schrcibpult und sammeln uns in innerster Seele, um einen Keim der Veredlung, der Verschönerung i» die Welt zu tragen, und unversehens spritzt uns das Blut unserer Brüder ins Angesicht . . . Man hat schon schwer genug zu tragen an allgemein moralischen Schicksalen und nun noch spcciell die jüdischen dazu! Ich sah gestern einen Raben, der in der Luft einen Staar verfolgte und ich weiß nicht woher sie kamen, und was sie mit einander hatten. Der Staar rettete sich durch eine geschickte Wendung. Wo ist außer der ausgehungerten Spinne ein Thier, das ein anderes seiner eigenen Art und Gattung verfolgt, ja aus dem Neste treiben will? Ich weiß nicht, ob schon je der Vorzug oder die Unterscheidung des Menschen vor den Thicrcn darin bezeichnet wurde, daß der Mensch alle sinnreichen Mittel hat, seine eigenen Mitgcschöpfe zu verfolgen. Ich glaube, der Unterschied ist allgemeiner und bewährter, als die berühmte Liebe. Und doch müssen wir wiederum vertrauen und wieder glauben der Güte der Vernunft, ja müssen, wenn wir leben und nicht wahnsinnig werden wollen". „Aus religiöse» Bedeuken". Von Prediger Moritz Scherbe! in Gumbinnen. Wir haben anl Ort ein schneidiges Wort, Gemeinden nach Willen zu lenken. Wir scheiden, wenn Ihr nicht thuet, wie wir, bald aus aus religiösen Bedenken. Und wollt Ihr Euch nicht, ivie's sicherlich Pflicht, zurück in's Alte versenken, So scheiden mir gleich auf immer von Euch und zwar aus religöjen Bedenken. Wenn modisch Ihr strebt, solch Farben auch gebt im Gotteshause den Bänken, Erfaßt uns ein Graus, wir scheiden dann aus, und zwar aus religiösen Bedenken. Wir gehen nicht mit, wo Anstand und Eilt', mid lassen uns niemals beschränk; Habt Ihr solch Manier, so treten dann wir bald aus, aus religiösen Bedenken, Der Beitrag er ist zu hoch und Ihr müßt zur Hälfte ihn uns jetzt schenken, Im andcrin Falle, jo treten wir Alle dann aus aus religiösen Bedenken. Herr Vorsteher ho ho, es geht nicht also — wir lassen uns länger nicht kränken. Wir zahlen Dir das und schreite» sürbas hinaus aus religiösen Bedenken. Man will durch Gesetz verbieten Geschwätz und steuern im Tempel Gezäukcn, Wir treten, weil frei der Mann ja doch sei. drum aus auS religiösen.Bedenken. Am Austrittsgcsetz, ich stets mich ergötz', cs patzt zu unseren Ränken. Denn fehlt die Moral, so hilft auf einmal doch aus das „religiöse Bedenken". Uäthsel- Aufgaben. I Deutsches Silbenrathsei. Von Eckmann in Nienburg. Die Erste: Es ist in einem Hauch, Ist auch vorhanden in dem Laut, Es findet sich bei Frau und Braut In jedem Hause ist cs auch. Die Zweite: Bin ich's, der Schreiber? — Nein! Auch du, mein Leser, bist es nicht: Wir fallen hier nicht ins Gewicht: ES nimmt die Hälft' der Erde ein. Die Dritte: Es ist' in stetem Lauf Und nur sehr selten wird es miid', Wenn Heist die Sonne strahlt aus Süd — Doch immer rasch lcbt's wieder aus. Das Ganze: Ein sehr berühmter Mann, Von dessen Schriften wir entzückt — Er ist bereits der Welt eütriickt. Ihn jeder tvohl crrathen kann. II. Hebräisches Morträthsel. Von 0. in R.. Wer lüs;t oft Blumen uns erblicken, Die wohl noch Niemand konnte pflücken? Die Lösung ist durchaus nicht schwer, Wenn man verfährt, wie ich jetzt lehr': Bier Punkte stell in gleicher Reih', Darüber deutlich meinen Namen; Steh'n oben nur der Punkte zwei, So sind es gern die jungen Damen. III. Knacknüßchen für bibelbunbige Rechenmeister. Von Sali Cohen in Rees ll. R. Run Rechenmeister, rasch zur Hand! Wie hcistt die Stadt im hcil'gen Land? Nur fünf beträgt die Zahl der Zeichen, Doch drei, wen» eins davon wird weichen. Auflösung der MMel in vor. Nr. v SET HE J NE HJCJMAS WEJI1EFEST II. bhannka (Chan, Ukas.) PFEFFER L 0 EWE ÄST T Richtige Auflösungen beä Preisräthsels sandten ein: Lehrer I. Bernstein in Filchnc. Eckmann-Nienburg. Hugo Kahn Seminarist, Würzburg. L. Blum in Lixhcim. A. Spcier in Hcincbach. C. Brann, Pr. Stargardt. Moritz Goldschmidt, Geisa. Adolf Landau, Dresden. Semnit) Philipp. Lüneburg, v. in TauberbischosShcim. S. Bellak, Wolfcnbüttel. Sali Cohcti in Rees. Johanna Cohn in Antonicnhüttc. Renate Blank u. Sara Mendel in Wnnstorf. D. Samuel in Bleicherode in folgendem Berschen: In Rustland, in der Tatarei Und in den Ländern nah dabei Da schadete gewist cs nicht, Wenn Chan und Ukas brächten Licht, Wie's Chan-Uka uns bringt. Die Preise entschied das Loos: 1. Lehrer L. Blum in Lixheim. 2. Adolf Landau in Dresden. ll. Johanna Cohn in Antonienhüttc. Berichtigung. In dem Anzengruber'slben Sinnspruch (in vor. Nr.) letzte Zeile must es hcihen: „Ein Mensch mehr-minder"; (es soll damit der ncugcbildete Comparativ von „minder" gcgeistelt werden.) Verantwortlicher Redacteur Er. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von^Robert Friese, Leipzig.