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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 49 (1885) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
49 (1885)
Date
1885-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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i M 49. Jüdisches 1885. Herausgegcbcn von l)r. Rahnier in Magdeburg. Zur Mrrhaltung u. Kelehrung für die israelitische Jugend. . ( Chnnuka-Gedankcn. Von iKidmb üanbau. — Jnierconfessionell. Erzählung von Rabbiner Dr. Ehrentheii in Sjorijj. <FortvltlHlIt* k U1'S' Versöhnt. Original-Roman von Iba Barber. (Fortsetzung.) — Für den Biicheriisch auf Chanuka. — Allerlei für *?enn”1 ü’fntifd); Ein junger Gelehrter. Zweifelhafte Bciheuerunz. Gleiche Kennzeichen. Scherzfrage. — Aus und nach dem Arabischen. — Ein Tenkspruch. — Das Lichtfest der Glaubensfreiheit. — Räthsel-Ausgaben und Räthfel-Lösungen. Chanukagedanken. Von Richard Landau. Der Tempelweihe Fest kehrt' wieder ein, Das frommen Siun's wir der Erinn'rung weih n An längst entschwund'ne, halbverklung'ne Zeit. Wo Makkadäerhand den schweren Streit Für Israel entschied. Da ward geweiht De« alten Tempel« neue Herrlichkeit! Des Herrn Geräth ward nun zurückgebracht; In neuem, schöner» Glanze ward entfacht Der hcil'gen Lampe ewig-brennend Licht, Das u»S ermahnt: „Es schläft und schlummert nicht Der Hüter Israels, der Herr de« Lichts, Der einst die Welt erschuf aus finsterm Nicht«!" Wohl senkte in der Zeiten endlos Grab Seit jener Zeit fich manches Jahr hinab. — De« Hasses aift'ger Pfeil, des Neides Zahn, Da« blinde Borurtheil und eitler Wahn Umlagern heut' noch dränend Israel, Wie immer, frei von Scham und sonder Hehl! Und dennoch steht noch Israel und ragt Dem alten Baume gleich, der viel uns sagt Von alter Zeit und trotz der Jahre Last Noch Frucht erzeugt am grünbelaubten Ast, Stolz in die Lüfte, blühet und gedeiht, Wie es gedeihen wird zu jeder Zeit. Noch grüßen wir des Sabbaths Wiederkehr, Noch ist di« Thora unsre heil'ge Wehr, Noch feiern wir der Väter Feste all', Noch ruft uns zum Gebet des Schofars Schall, Noch ist der treuen Liede reiner Sinn Der jüdischen Familie Königin! Und wen» uns heute nun des Weihelicht Dom heil'gen Leuchter strahlt in's Angesicht Und täglio», sich vermehrt der Lichter Gluth — Dann regt in uns fich Makkabäermuth, Wir schwöre» ne», für unsern Gottesdund Mit Gut und Blut zu steh'n zu jeder Stund'! Intercoufessiouell. ° gint Krzäykung aus hakvoergangener Zeit. Von Rabbiner l>r. Ehrentheii in Horitz. (Fortsetzung). „O Vater! theuerstrr Vater! meine Ahnung!" ries nun Math!«, überwältigt vom Anstürme ihrer Gefühle, dem Rabbiner sich an die Brust werfend, „wie oft, wenn ich über das sonderbare und doch, ich gestehe es, mir so sympathische Wesen des Lehrers im stillen Kämmerlein nachdachte, sagte ich mir, der junge Mann scheint mir dem Judcnthumc näher zu stehen, als er vielleicht cs selbst wissen dürfte". — „Ja mein Fräulein — sagte lächelnd der guthmüthige Dechant — „so oft er in ineiner Gesellschaft die oft von bösartigen oder auch nur leichtfertigen Kameraden ihrer Confession wegen gehöhnte Judcnkindcr mit edler Entrüstung und humanem Eifer in glühender Begeisterung in Schutz nahm, so ost er mir gegenüber mit ungewöhnlicher Innigkeit, jüdische Nächstenliebe, jüdisches Familienleben, und jüdische Mäßigkeit pries, und vollends als er mir in stiller nächtlicher Stunde sein Hcrzensgcheimniß offenbarte, rief ich unwillkürlich: „Blut Blut," ohne daß er freilich den Sinn meines Ausrufes zu erfassen wußte, während ich jedoch nur die Macht des in seinen Adern rollenden jüdischen Blutes bewunderte, die Macht des Blutes, die ihm den Weg in's Rabbiner Haus führte, trotzdem er im PfarrHause erzogen wurde." — „Ich meinerseits", sprach der Rabbiner mit warmer Innigkeit, „habe den Menschen Jaroslawsky, nicht den Ehristen, und noch weniger den Jude» in ihm geschätzt, er ist mir ein liebenswerther, junger Freund geworden, und ich würde Gott preisen, wenn der junge Mann, dem Zuge seines Herzens folgend, wieder zu seinem angestammten Väterglauben zurückkchrcn würde, und zwar nicht etwa darum, weil in unserer Confession ein ihr entrissenes Schäfchen der Heerde Israels wieder zurückgegebcn, noch weniger wohl, weil meiner lieben Tochter — Sie sehen, ich spreche rückhaltslos — die Möglichkeit geboten würde, dem Manne, der ihr seine Liebe entgegeubringt, angchören zu könne», nein! bloß barum, weil dieser Rücktritt für den jungen Mann immerhin den Gewinn eines ihm unrechtmäßig entrissenen, heiligen Menschenrechts, des Rechtes der Selbstbestimmung, bedeutet". „So will denn auch ich", sagte der Dechant, sich von seinem Sitze erhebend, „eilen, ein Geheimniß, daß seit Jahren wie ein Alp mir auf dem Herzen liegt, abzuwälzen, indem ich den jungen Lehrer über seine ihm bis allher unbekannt gebliebene jüdische Abkunft nun aufkläre, mag er dann, da die inlerconfessionellcn Gesetze ihm nunmehr freie Hand geben, dem Zuge seines Herzens folgen". Dem Rabbiner herzlich die Hand drückend, und dem Fräulein Mathla sich freundlichst empfehlend, entfernte sich der humane katholische Priester — Vater und Tochter im Rabbinerhause im Kampfe mit den auf Beide bei den Mittheilungen des Dechants auf sie einstllrmenden Gefühlen zurllcklassend. XI. Wir führen den Leser— was derselbe sich immerhin willig gefallen lassen kan» — in den kühlen Rathskeller, gemeinhin Beseda genannt, in ein sehr behaglich eingerichtetes Gartenlocal, allwo die bessere Bürgerklasse, und im Honoratiorenzimmer der gesammte Stadtrath vor und nach den Sitzungen sich einzustnden pflegte. Leute, die in diesen Räumen eben keine seltenen Gäste waren, und mit dem Grade der Temperatur, sowie mit der Gesammtphysignomie der dortigen Gesellschaft so ziemlich vertraut waren, konnten heute beim ersten Ucberblicke die Gesellschaft nur flüchtig musternd, es sofort inne haben, daß eine wichtige Rathssttzung bevorstehen müsse. Hei! wie sie doch heute so hoch gehen die Wogen der Conversation und der lokalpolitischcn Kannegießerei, das Wortgefecht unter den Gästen wird ja heule imnier hitziger, cs scheint, als wären die Leidenschaften der sonst so ruhigen Ackerbürger und fischblütigen Handwerker besonders erregt worden — es muß doch wohl etwas in der Lust liegen, wir lauschen etwas aufmerksamer, fangen hie und da ein Wort, einen Satz, aus dem allgemeinen Wortgeplänkel auf

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