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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 45 (1885) · p. Seite 178

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
45 (1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 178 (sequence 4)
Language
German
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— 178 — war, die nur eim engen Raum von 4 Seiten angehäuft werden konnten, „Und das wagte er mir zu schicken", sagte Charlotte entrüstet, „mir, der er 10 und 100 fach mündlich und schriftlich versicherte, daß all seine Sympathiecn im Judcnthum wurzeln, daß er sich nur im Verkehr mit Jliden wohl gefühlt, daß seine erste, wie seine zweite Gattin dem Judenthume entstammten, all seine Freundschaften — „Du verkehrtest mit diesem Manne?" unterbrach ich meine Freundin, „Wußtest Du nicht, daß er grobe Pamphlete gegen das Judenthum in die Welt geschleudert, daß wesentlich durch seine Unterstützung die Stöcker'sche Partei mächtig geworden?" „Ich lernte ihn kennen", entgcgnete Charlotte, „che er mit Stöcker im Bunde war!" Da sie schwieg und in tiefes Nachdenken verloren schien, ermuthigte ich sie, mir 'die Geschichte ihres Zusammentreffens mit jenem Mann zu erzählen, der eine so unheilvolle Rolle in den letzten Jahren gespielt, — „Er ist es nicht wcrth, daß ich von ihm spreche", sagte sie unwillig, „Offenbar hat er seine Uebcrzcugung verkauft, denn welchen Grund Hütte er gehabt, mir in 10 und 12 Seiten langen Briefen, die. nachdem ihm mein Mann unser Haus verboten, täglich eintrafen, mich seiner Freundschaft, seiner Zuneigung für das Judenthum zu versichern, „So erzähle", bat ich, und Charlotte in ihr Boudoir führend, in dem es sich im traulichen Halbdunkel so gut plaudern ließ, lud ich sie zum Sitzen ei». Noch hatte sic jene Zeitung in ihren Händen; sie zerknitterte sie unwillig, ging zum Kamin und sie hineinwerfend sagte sie: „Eine Schande, daß ein gebildeter, ein ehedem auf der Höhe seiner Zeit stehender Mann, der sich des Umgangs der Besten seiner Zeitgenossen erfreute, derartiges nicht aus Ucberzeugung, sondern um schnöden Mammons willen schreiben kann!" — Als sie gesehen, wie die Flamme auch den letzten Papierstoff verzehrt, schien sich ihre Aufregung zu legen. Still eine Weile vor sich hinsinncnd, sagte sie: „Du vcrurthcilst mich, daß ich mit jenem Manne Berkehr hatte, der sich jctzt als cnragirter Judenhasser entpuppt! So höre und Du wirst milder urthcilen! Da ich in dem Menschen nur den Menschen sehe und gern helfe, Trost zuspreche, Leiden zu lindern suche, so viel es in meiner Macht steht, mache ich zwischen Jude mib Christ keinen Unterschied. — Ich lernte Marr anfangs der siebziger Jahre kennen. Wir saßen einst, mein Mann, ich und einige Freunde im schattigen Galten bei Bonorand, als eine geputzte, geschminkte, sehr auffallend aussehende Dame am Tische uns gegenüber Platz nahm; ihr zur Seite saß ein ältlicher, magerer Herr; sein graues Haar, die tief gefurchten Züge ließen ihn älter erscheinen, als er wohl war; er hätte für ihren Vater gelte» können. Jene Dame war mir nicht unbekannt. Als ich noch Kind, hatte ich viel von ihren Abenteuern gehört; sie war die Tochter eines Chemnitzer Fabrikanten, lebte damals in Scheidung mit ihrem Gatten, der intime Beziehungen zu Anderen — man sprach von einem Offizier — nicht hatte dulden wollen. Böse Zungen behaupteten gar, sie sei ihm durchgcgangen, um, nachdem sie auch jenes Offiziers müde, ein Verhällniß mit Gutzkow zu unterhalten. Thatsache ist, daß sie als sie Ende der sechziger Jahre in Berlin lebte, viel mit ihrer Freundschaft für Gutzkow prunkte, ihm täglich kostbare Bouquets schickte, auf Promenaden und Corsas durch ihre auffallende Toilette aller Augen auf sich zog, „Wer ist der Herr neben jener Dame?" fragte ich einen Bekannten, „Es ist der Schriftsteller Marr. sagte man mir, derselbe, der unlängst in der Gartenlaube die Novelle „Zu glücklich" veröffentlicht hatte. Jene fein stilisirte, gemülhvolle, von echter Herzcnswärme durchglllhte Erzählung war nrir noch in lebhafter Erinnerung. Sie hatte damals Sensation gemacht und jeder, der sie gelesen, mußte mit dem Autor sympathisiren. Ohne daß ich es ahnte, war zwischen uns ein geistiges Band gewoben, „Und wie kommt dieser Mann in Beziehung zu jener Dame?" fragte ich befremdet, „Sie ist seit 4 Wochen seine Gattin," sagte man mir. „Da ich in der Lage war, mir ein Bild ihrer Vergangenheit zu inachen und eine Vorstellung auch von Marrs Gcmüthsleben zu haben meinte, überlicf es mich wie Eisesschauer, „Wie konnte der Man», der uns die Ehe mit seiner ersten Gattin als eine so ideal schöne, von allen Zaubern der Poesie umflossene gezeigt, diese Frau wühlen", fragte ich und theilnehmend Hütte ich ihm die Hand drücken mögen, bedauernd, daß er eine Wahl getroffen, die nur unsägliches Weh im Gefolge haben konnte, — (Sortierung folgt.) Drei semitische Worte Ihr haßt uns, Völker, fraget laut, Was Juden Euch denn gaben? Drei Worte sind's, die künden traut, Womit wir Euch stets laben. Die Juden lehrten „Amen" Euch Und „Hosianna" rufen; Sie sind es, die dem Gottesreich, Das „Hallelujah" schufen. Der Gottcsglaube „Amen" heißt Und „Hosianna" beten; Im „Hallelujah" Ihr ja preist Den Retter aus den Nöthen. Der Glaub' an Gott semitisch ist Das Beten ist's nicht minder; WennD a n kEuch a ns derSeelc fließt, Ihn lehrten Juda's Kinder. Die Menschheit hat von uns gelernt Das Glauben, Beten, Danken Die Völker sind vom Wahn entfernt, In den sie sonst versanken. Doch haßt Ihr uns und fraget laut> Was Juden Euch denn gaben? Drei Worte sind'S, die künden traut. Womit wir stets Euch laben! Rabbiner Löwenstein. Räthsel- Aufgaben! J I. Deutsches Kuchflabenrathsel. Vier Zeichen, stets bedeutend viel Kannst Du gar leicht mir nennen, Versetze sie, Tn wirst alsdann 'neu Jacobssohn erkennen, II. Zmeifprachiges Homonym. Bon I, Hcrzberg, D e n t sch raget hoch es in die Löste, Es soll dem Hause bieten Schutz, Wenn draußen tobt ein Ungewitter Ihm bietest unter ihm Du Trutz, Hebräisch gehi's einher gebückt, Von Sorg und Kummer schwer gedrückt, Oft hat es, schützend, das entbehrt, Was oben deutsch mein Wort Dich lehrt. in. Hebräisches Logogryph. Von 6, in R. Sag', wer cs sei: Ein GotteSworiveriheidiger, Der ohne,1 Ein Majestätsbeleidiger. Auflösung der Räthsel in Nr. 44. I. Almemor. Memorial. H. Harmonie 02 sy — T» TTT Qipö (Ort, der Allgegenwärtige). 2D (Fehler). Briefkasten der Hugo Kr. tu T. DaS fehUe auch noch, für Räthsr-lS den Grund anzugcb.n. Mecken Sic oder nicht genügend poinlirte und zu lange, genommen. In Ihrem «riihmogrrps, ist in ..Palacstina" fe ° das „c“. Das genüs für Räthsel. E? »ebricht uns an Zeit, auo M. K. E. AbtaiUon, «aräcr. Pc»hr. — u [ w. — Eis. ReiS, Preis, Leben. Nebel u. Redactron. jede Nichtaufnahmc eineeirrgesandtcn sich im Allgemeinen: Unorthographische. , complicirte Räthsel werden nicht auf- ,Mi<?>aim" mit ,.tz" unorthographisch. ,t. Wir beschränken übrigens den Raum ) Über dergleichen zu correspondiren. unorkhographisch. Desgleichen: Elijchah!. dergl. enthält nichts spezifisch Jüdisches. Veraniwortlicher Redactcur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wo.lss, Magdeburg, Verlag von Rober e, Leipzig, t Fries

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