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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 43 (1885) · p. Seite 170

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
43 (1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 170 (sequence 4)
Language
German
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— 170 — Allerlei für den Familientisch. Das alte und neue Testament. Ein Jesuiten - Collegium in Oesterreich brachte einen alten Hagestolz dahin, sein ganzes Vermögen den Jesuiten zu vermachen und hielten ihn nun hoch bis an sein Ende. Da fand sich aber ein neues Testament, worin der Hagestolz sein Vermögen einem braven Vetter zugedacht. Die Jesuiten wollten nun dieses spätere Testament umstoßcn, was aber nicht gelang, und der Advocat des Vetters machte schließlich die Bemerkung: „Einer so frommen Gesellschaft ziemt es nicht, das alte Testament höher zu halten, als das neue; das thun nur die Juden". Auf der hiesigen Industrie - Ausstellung fielen dem dieselbe besuchenden englischen Kronprinzen in der orientalischen Abtheilung hölzerne Krcuzcheu mit der hebräischen Inschrift aus, die seines Wissens in London von der Missionsgescllschaft angcfertigt und versandt wurden und hier als „Industrie-Artikel aus dem heil. Laude" sungirten. Der Präsident der Ausstellung erklärte hierauf, daß diese Stücke von einem -Juden in Jerusalem, und zwar von Dr. Schwarz, Arzt am Rothschild - Horpital daselbst, cingesandt wären! (Das klingt uns doch ganz unglaublich! Ein jüdischer Hospitalarzt Handlanger der Scclenschachcrer in Jerusalem! Red.) Hlrw-Hsork. Im „Journal of Commerce“ wird folgender interessanter Fall besprochen: Ei» Kaufmann aus Baltimore, der an Sabbath- und Festtagen das Geschäft schließt, hatte unter einem „Nach - Sicht" - Wechsel die Clausel angebracht: au Sabbath- und Festtagen dürfe der Wechsel nicht präscntirt werden. Einer der Inhaber dieses Wechsels wollte dem frommen Juden eine» Possen spielen: er schickte denlelbcn an einem Sabbath zur Präsentation und da das Geschäft geschlossen war, so ließ er protcstiren. — Das gen. Journal stellt nun die Frage: ob dieser Protest angesichts der Clausel gültig sei? Es fügt aber hinzu: In jedem Falle, auch ohne die Clausel, war die Präsentation am Sabbath eine Intoleranz. Aorisaw. (Rußland.) Hier reiste jüngst der Bruder unsercs Kaisers, Großfürst Wladimir Alexandrowitsch durch. Unser Gemeindcvorstand stellte sich mit der Thora-Rolle, sowie mit Brot und Salz vor. Der Großfürst küßte die Thora-Rolle und nahm dann freundlich das Brot und Salz entgegen. Bilder aus dem jüdischen Familienleben Lind. „O, wie glänzen so schön die grünen Blätter om Baume! — Mutter. Doch mich verließ nicht die Hoffnung, fleißig Gebet Stärkte das Herz und die Hoffnung ging in Erfüllung, Als der thcuie Jüngling — er war so fromm —so liebereich — An's Herz mich drückte und sich mir ewig gelobte. Wie glücklich war ich, war er, was wollten wir mehr? Wie thal sich der Himmel uns aus, als später den Knaben Wir preßten an's Eltcrnhcrz. Aber Gott! Gott! Gott! — Kind. „Was weinest du, Müttcrcheu? Siehst du die Wolken dort kommen? Mutter. Schwere Wolken des Unglücks trieb des Schicksals Sturm Mir an den Himmel der Wonne; wie sollten scheiden, Scheiden aus ewig. Da lag'er im Krankenbett Wochenlang, schmerzcrsüllt, ach, und nicht Aussicht auf Rettung. O, cs ist mir als wär' es erst heute geschch'n, Wie er mich rief und krampshast ersaßt meine Hände» Und mir den Knaben empfahl, nicht zur Pflege nur. Nein, nur vor Allem das Kind z» erzieh'» im Glauben der Väter, — K i n d. „Sich, liebe Mutter, jetzt strahlet die Sonne so rein! Mutter. Die himmlische Sonne der Wahrheit, die Worte der Thora Zu senken ihm frühzeitig schon in das schuldlose Kinderherz. O, ries er aus, wenn er nur Jude bleibt, nur Jude, Daun will vom Himmel aus ihn selig ich blicken hinab. — Kind. „Mütterchen, o nun schluchzest du ja schon wieder! — Mutter. Da brach ihm die Stimme, nur noch ein Händedruck Matt und leis, da war er ruhig entschlummert. Wieder nun stand ich da einsam, verstört, gebeugt, Aber zum Himmel rief ich, und schaute hinab, Zu dir, mein Kind, meine süße einzige Hoffnung. Ja, ich will Wort ihm halten, du sollst Jude sein, Wie cs dein Vater gewünscht. Wenn Du erst groß geworden Sollst du im Worte der Thora großer und stärker noch sein. Sollst unterweisen die theueren Glaubensgenossen, Wirst dann ein Mann, berühmt und geliebt und gefeiert, Ach, und wie wird dann mein Muttcrherz klopfen vor Glück Und vor Freude und Wonne, wenn ich der Welt kann sagen r. „Seht den Gelehrten des Herrn! das ist inein Sohn, mein Sohn!“ O wie das Wonne mir gießt in die hoffende Seele — Kin d. „Mütterchen, sich! jetzt den goldenen Rand an den Wolken! — Mutter. O wie himmlich! wie himmlisch! |tütlj|Vl- Aufgaben. I. Kiblisches Wörlerräthsel. Von Lehrer Kaufmann in Essen. Gekrönte Häupter schließ ich an: Bin selbst eins einst gewesen. Auch eine Heldin nenn' ich mein, Müßt mich nur richtig lesen. — Wer „Lohcngrin", die Oper kennt. Die Heldin mir ganz rasch wohl nennt. Das Ganze ward um Mitternacht Von seinen Dienern umgcbracht. Der Götze an der Spitze, War ihm zu garnichts nütze. von Albert Roscnbaum in Cassel. Die Hoffnung einer Mutter. Mutter. Komm', kleiner Liebling, komm' an das Herz deiner Mutter!— Solch' eine Unschuld zu schauen, o das ist himmlische Lust. Da ist das Herz noch so rein, die Seele so schuldlos, Wie in die blumige Au staunt der Blick in die Welt — Kind. „Mütterchen, siehst du den bunten Schmetterling fliegen?" — Mutter. Ach, und es flattert das Leben in kindlichen Träumen, So ernst und schwer cs ist, am Geiste dem Kind vorbei. Tu ahnest nicht, daß auch dir selbst die Stunde einst schlagen werde, Wo das Leben dich ruft zum ernsten, mannhasten Kampf. Nun, so ging es auch mir, wird es Jedem wohl gehen. Ich schaute einst heiter und froh wie du, mein Bübchen, jetzt Hinein in die bunte Welt, von theuern Eltern gcpflegct. Von den Gewistcrn geliebt, gern von den Freunden geseh'n, Spielte und lachte und scherzte, lernt' in der Schule ivohl auch, O, wer hätte wohl damals, als ich so kindlich noch lebte, Mir es gesagt, daß all' diese Wonne vergeh'? — Kind. „Mütterchen, schau! den Schmetterling frißt jetzt ein Vogel! — Mutter.' Daß all' die Träume vcrflattern, daß sie das Leben verzehrt? Daß das kindliche Staunen bald sich verwände!' in Sorge, Ach, und in Thronen so viel und in den Kamps mit dem Leben! Nur zu frühe schieden die Theuern, ich stand allein, Kaum zur Jungfrau erblüht, hilflos, rathlos und arm — II. Deutsches Mendrrathjel. Von I. Herzberg. Renn' mir den Fluß am Osffeestrand, Der, so er wird gewandt. Den nennt, der seinen Tod einst fand Durch Bruders Mörderhand. III. Hebraiches Anagramm. Von 0. in 8. Was Dich ergreift, naht er heran Der König sonder Gleichen, Das sichst Du ihm sofort schon an, Wenn Du gewandt die Zeichen. Auflösung der Rath sei in |lr. 42. I. Eli, As, Elias. II. Abram, Aram.(1. B. M. 22,21) HI. (Erdbeben) “1512) (Thor). IV. eil* (2cm, Sohn Noah's), der Name. Verantwortlicher Nedacteur Dr. Nahmen, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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