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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 42 (1885) · p. Seite 166

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
42 (1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 166 (sequence 4)
Language
German
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— 166 — „Diener am Worte" und bemerkte lächelnd: „Wenn der Messias schon gekommen ist, so hat der hochwürdige Herr hier neben mir Recht: — wenn er noch nicht gekommen ist, so habe ich Recht; — aber in jedem Falle haben Sie Unrecht." — Der Prediger biß sich auf die Lippen und wollte sich rächen. Er wandte sich an ein Hündchen, welches zusammcngekaucrt auf den Knieen des alten Juden lag und schlief. „Bist du vielleichtauch ein Jude?" fragte er spöttisch den Hund. „Nein," versetzte entschieden der Herr des Hundes, „er frißt Schweinefleisch, darum ist er kein Jude, er frißt auch am Freitag Fleisch, — darum ist er auch kein Katholik, — er muß also wohl ein Protestant sein." Der Protestant machte ein gottserbärmliches Gesicht und hielt cs für gerathen, zu schweigen." Gin »rrfchlafrnrr Bräutigam. In Lippstadt fand kürzlich eine jüdische Hochzeit statt, der Bräutigam und die 80 Gäste waren von auswärts. Der Bräutigam nahm nach Verlauf des Polterabends, um gut schlafen zu können, ein Schlaspulver, welches derartig wirkte, daß er am nächsten Mittag, als die Trauung stattfinden sollte, nicht zu erwecken war. Man kann sich die Verlegenheit der Hochzeitsgesellschaft leicht ausmalen, welche schließlich ohne Bräutigam den angerichteten Hochzeitsschmaus verzehren mußte; erst am späten Abend soll elfterer sich so weit den Banden des Schlafes haben entwinden können, daß die Trauung in Gegenwart der nächsten Angehörigen an feinem Bette stattfiuden konnte. Krnefizien eine« getauften Inden. Der Feuilletonist eines Hamburger Blattes erzählt folgendes Originelle aus einer deutschen Hauptstadt. Dort war ein getaufter Jude gestorben und hatte im letzten Momente wohl einige Scrupel empfunden, die ihn während des Lebens nicht beunruhigt hatten. Er ward, um mit Uriel Acosta zu reden, von deni Gedanken an „Mamre's Terebinthen" mächtig ergriffen, und verorduete in seinem Testamente, er wolle bei seinen alten Glaubensgenossen auf dem jüdischen Friedhof bestattet werden. Aber das war nicht so einfach, wie der Testator meinte, denn in Geldsachen hört auch in Todesfällen alle Gemüthlichkeit auf. Die Gemeinde verlangte von den Erben des wohlbegüterten „verlorenen Schafes" das post festum zum Hirten zurückkehren wollte, 2000 Mark für ein Plätzchen auf ihrem Friedhofe. Das schien den Erben zu viel. Ein witziger Gemcinde- Aeltestcr meinte aber: „Was? Zweitausend Mark, das ist viel zu wenig, wenigstens 20,000 müssen wir fordern, am Tage des jüngsten Gerichts ruft der Erzengel mit der Posaune alle Juden zur Auferstehung. Jener Abtrünnige aber hat, wie Sie wissen, keinen Theil an dieser Feier, er bleibt ruhig liegen, und dann gehört ihm der ganze Friedhof allein! Nun bedenken Sie einmal, welch' einen Werth in dem Grundstück steckt, heute, wo alle Preise von Grund und Boden so gewaltig in die Höhe gehen!" „Den Brüdern in Christo!" — so lautet die Ucbcrschrist eines Gedichtes in der Liedersammlung eines nichtjüdischcn Autors, Gustav Wollig, das wir unseren Lesern schon um deshalb nicht vorenthalten wollen, weil sie daraus ersehen^ wie selbst christlichen Autoren ob des Treibens der Antisemiten ost die Galle schwillt. Sie haben unsere Schlachten mitgeschlagen, Sie haben unsere Siege mit errungen, Und dennoch schmäht Ihr sic mit Lästerzungen — Weshalb? weil sie den Namen Juden tragen. Sie haben mitgeweint bei unsere Klagen, Sie haben nrit ihr Frcudcnlied gesungen. Als wir errangen Ruhm und Huldigungen Deutsch war ihr Wort, deutsch ihres Herzens Schlagen. Und nun, da Deutschland neu geeinigt, Ist Euer Dank und Euer christlich Lieben, Daß laut Ihr rust: Die Juden kreuzigt, steinigt. Ein Brandmal habt in eitler Sinnumnachtung Ihr aus die Heuchlerstirn Euch selbst gcschricbcu. Nur ein Gesühl bleibt mir für Euch: Verachtung! Uäthsel- Aufgaben. I. Deutsches Silberrrätlsel. Von Lehrer A. Spei er in Heiucbach. Die ersten zwei nennen keinen Pädagogen, Sonst hätte er besser die Kinder erzogen; Der dritten jedoch ist der Spieler gewogen, Und das Ganze ist in die Hölsi geflogen. II. Biblisches Msrtriithsel. Von 8. 0. in R. Das Ganze war einst ein sehr frommer Mann; Ein Zeichen weg — Sohn seines Neffen dann. Es wurde auch ein ganzes Land Später so wie er genannt. m. Hebräisches Menderäthsel. Von I. Hcrzberg. Wehe, wenn mit grausigem Toben Ich im Weltcnraum erschein', Furcht und Angst und auch Entsetzen Flöhe ich der Menschheit ein. Wird jedoch mein Wort gewendet, Weichet jede Aengstlichkeit, Denn, geschlossen, es Dir spendet, Das Gefühl der Sicherheit. IV. Hebräisches Scherzräthjel. Gon 0. in R. Der Name galt nur Einem In dem alten Bunde: Doch fehlt seitdem er Keinem Bis zu dieser Stunde. Auslosung der Räthsel in Ur. 40—41. Die Schwäche in der Religion. I. „Wochenschrift." n. Samaria, Maria, m. Babel» Abel. IV. Auneg 03iS) Genua. V. Beil, 73 Ein Berliner Lehrer erhielt kürzlich folgendes Schreiben: „Herr Lehrer! Bitte sehr den Abraham an jüdische Sonn- und Festtagen von Schreiben zu dispensiren, da dieses eine Schwäche (?) in der Religion veranlaßt. — Achtungsvoll P." Anfrage. Nach Angabe der vvr. Magnus und Fuchs soll unter den Juden der Procentsatz der Blinden ein bedeutender sein?! Können unsere Aerzte uns Näheres darüber sagen, vielleicht auch die Ursache vermuthcn? 1 Briefkasten der Redaction. I DieZuscnduug des „Buches" erfolgt versäume es, sich von dem ZcitungSdieser Woche; aus Umtausch lassen Verlag u. Hartig, Altona, den lyje uns nicht ein. Generalanzeiger kommen zu lassen, Mehrere Lehre r wünschen die Moder den scnsat. Artikel „Eine dunkle chenschrift mit wöchentlicher, frankirter Erklärung" enthält. Zusandt gegen Zusendung für 2 M. und dazu die i-0 Pf. (in Marken) sranco. [2083jftomileriftbe Beilage gratis u. franco, ist ach trag. Richtige Auslosungen des ferner Francozusendung des Buches letzten Preisröthsels hatten bis z.b.Oet. als Preis, das nur den Einsendern noch gesandt: Lehrer M. Adam in der Postquittung über 3 M. pro Schroda. Prim. David Pulver,nachcr IV. Quartal zugesagt ' war — in Berlin. H. Zuckcrmandcl in Trier.!>vas noch? Verantwortlicher Redakteur Dr. RahINer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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