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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 40-41 (1885) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
40-41 (1885)
Date
1885-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 40—41. Jüdisches 1885. UÄilifl-J/*// Herausgegebon von I)r. Rahmer in Magdeburg. Jur Untkrhaltung 11. Mehrung für die israelitische Jugend. Inhalt Erziehung. Von I. Cornelius i» Rotenburg <t. Fulda. „Des menschlichen Herzen» Triebe Sind böse von Jugend auf"*) So schuf ihn Gottes Liebe. £, Menschenkind, achte daraus! Das Böse liegt in dem Herzen, Und bleibet auch ewig darin; Und bringt'» Dir auch mancherlei Schmerzen. Jst's deiuioch für Dich ein Gewinn. — Denn nur in dem Kamps mit dem Bösen Zeigt sich erst der äugend Gewalt, Drum schuf da» göttliche Wesen Ten Menschen in dieser Gestalt. — Hier liegt der Erziehung Bedeute», Der Eltern utib Lehrer Berus, Den Menschen erziehend zu leiten, Wie Gott, der Herr, ihn erschuf. Den Willen zum Guten zu stärken, Daß er regiere mit Macht, Und wo sich das Böse lägt merken, Da hält das Gute scharf Wacht. Durch Beispiel und gute Lehren, Grübet in Schule und Haus, Must mau das Gute stets nähren Dann wagt sich da? Böse nicht raus. — Stärkt man schon in frühester Jugend Durch llcbung und Beispiel und Lehr' Den Willen des Kindes zur Tugend, Giebt's bald keine Frcveler mehr! — *) 1 B. M. 8,21. Interkonfessionell. Kill« Krzähkung ans hat-vergangener Zeit. Bon Dr. Ehrentheil. I. Blutroth ging die Sonne unter; es war am 3. Juli des Jahres 1866 — die mörderische Schlacht bei Königgrätz hatte ausgetobt — Benedeck's Stern war erblichen — die Tod und Verderben in die dichten Massen der inüben Kämpfer schleudernden Geschütze waren verstummt — die an bei Schlacht bclheikigt gewesenen Regimenter waren vor einigen Stunden bereits, zum Theil in die dem Schlachtselde zunächst gelegenen Dörfer als Masfeneinquartirende zurückdirigirt worden, zum Theil in weitem Bogen das Schlachtfeld umgebend, um die zahlreichen Bivauackfcuer gelagert, allwo die Meisten, nachdem Hunger und Durst gestillt war, nach mühevoller Blutarbeit dem Schlafe in die Arme sanken. — Unheimliche Stille herrschte auf dem weiten Plane des blutgetränkten Schlachtfeldes, — cs war eine helle, lichte, kühle Nacht, die da hereingcbrvchen war nach dem so heißen Tage — eine Nacht, die milde bedecken zu wollen schien mit ihrem Schleier all' die Gräuel die im Gefolge des Tages von Chlum waren; flinke Sanitätssoldaten und rüstige Blessirtenträger hatten wohl bereits in schwerer hingebungsvoller Pflichterfüllung mit ihrer traurigen Last die Wahlstatt verlassen, nur scharf aufhorchenden Ohren entging ein leises Nähern nicht, das von ziemlich entfernten Punkten her aus der todcswundcn Brust irgend eines auf dem Schlachtselde unbemerkt, oder für tobt gehaltenen, und darum liegen gebliebene» nur allzugut getroffenen Blcsfirteu drang; außer den in längeren Intervallen sichtbar werdenden Wachtposten, die das Schlachtfeld vor den Hyänen der Wahlstatt, den Leichenräubern zu schützen hatten, >var kein lebendes Wesen in der Nähe zu sehen; eben war auch die patroullirende Wache aus der Thalsenkung bei Chlum gegen die in geringer Entfernung mäßig ansteigende Hügelkette emporgesticgcn, als am Rande eines nahen Wäldchens vom Sternenlichte matt beleuchtet, eine seltsame kleine Gruppe sichtbar ward; — ein rüstiger, ältlicher Mann im Amtskleide des katyolischcn Priesters stand gebeugt vor einem in halbliegender Stellung an dem Stamme einer alten Fichte gelehnten Weibe, und horchte aufmerksam ihrer oft von Schmerzensausbrüchen unterbrochenen Rede; — auf dem Schvoßc des sichtlich m,i großer Krastanstrengung sprechenden Weibes lag ein etwa zweijähriges vom festen Schlafe umfangenes Kind. — Eben wollte das stcrbcnsmüde Weib, die Knicen des niildcn Priesters umfassend, wieder ihr Wort an den inilden, sie stützenden Priester richten, als ein Blutstrom aus ihrem Munde drang, die Farbe ihres Gesichtes wurde aschfahl, und ihr Körper glitt von deni Stamme des Baumes an den sie gelehnt war, vollends zu Boden, nachdem der erschrockene, rathlos und bestürzt vor ihr stehende Priester noch das vom Schooße des WeibK zu Boden gefallene Kind rasch erfaßte, und auf seinen Armen genommen hatte. — Vergebens hatte der menschenfreundliche Seelsorger aus seiner um den Leib gehängt mit sich tragenden Handtasche ein Flacon geholt und die Sterbende aus demselben mit Hirschhorngeist zu erwecke», so wie aus einer Feldflasche mit einigen Trovfen guten alten Weines zu laben versucht — umsonst! der Tod hatte bereits der Unglücklichen Erlösung gebracht, ihr brechendes Auge hatte mit ein ein letzten wehmuthsvollcn Blicke auf das schlummernde Kind, und dann starr auf den milden Priester geschaut, sie hatte — geendet. Uebcr das Antlitz des Priesters rollte eine Thräne. — Vor den Augen des pflichttreuen und sanft fühlenden Dieners der christlichen Kirche war soeben in den letzten Worten der Verblichenen ein düsteres Lebensbild einer unglücklichen Jüdin vorübergezogen; — den unerbittlichen Tod in der kranken Brust war vor einem Monate etwa ein schwaches liebereiches, aber an sonstigen irdischen Gütern armes Weib, die Gattin eines zum Kriegsdienste einberufenen jüdischen Reservesoldaten ihrem Gatten nach Böhmen nachgezogen, - uin ihn, wenn er etwa verwundet in ein Lazareth gelangen sollte, pflegen zu können; ihr einziges Kind hatte sie mitgenommen, und nach anstrengender Reise von Jaroslau bis nach Böhmen hatte sie. Dank unausgesetzten Nachforschungen, ihn endlich im Lager vor Ho.... c gefunden, aber nur um ihn am 3. Juli schon am frühen Morgen in ihrer Nähe von

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