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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 39 (1885) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
39 (1885)
Date
1885-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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^39 Jüdisches 188S. HerauSgcgcben von Dr. Rahmer in Magdeburg. Jur Unterhultung u. Mehrung für die isruelilifche Jugend. *=3=i*- Inhalt Die ©iittf. Bon I. Ma»sbacher. — Versöhn!. Original-Roman von Iba Barber. (Fortsetzung.) — Aus den Memoiren eines Amtsrichteis. (Schluß.) — Allerlei für den Familientisch: Erinnerungen an Montefiorc. — Prag. — Warschau. — Kleine jüdische Charactcrzüge. — Wthscl-Ausgabcn und Räthscl-Lösungcn. Die Hütte. Von I. M a n s b a ch e r. „Im Jahre sieben Tage Sollt Ihr in Hütten wohnen!" So lautet Juda's Wahrspruch Für alle Zeit und Zonen. So wurd's vom Herrn geheißen Dem Volk im Wüstenwallen: Ward wohl der Sinn verstanden, Gcwürdigct von Allen? — Hätt' doch der Spruch geheischet, Paläste zu erstreben, Wie wäre das willkominen Der großen Menge, eben. Sinai ringt der große Hausen, Die Hütte zu vergessen, Paläste zu erkaufen Und Güter ohw Ermessen. Ihr Thoren, die Ihr wähnet, Der Hütte zu entrinnen: Ihr müsset drinnen wohnen, Mögt Kronen Ihr gewinnen. Die Lehmhütt' ist der Körper, Darin die Seele weilet, Der Lebcnstage sieben Ter Zeit, so schnell enteilet. Die Tage, sind Jahrzehnte Der Erdenwaller Dauer, Umstürmct und umtoset Von SturmeSwuth und Schauer. Und Sonnenschein und Regen, Und Schicksals Tück' und Blitze Erbarmungslose Kälte Schnell folgend Schweiß u. Hitze. Sie kämpfen um die Hütte Und wechseln nach Gefallen, Bis daß der Sieg errungen, Bis daß die Hütt' zerfallen. Bis daß die müde Seele Das Gotteshaus empsah'n, Das Auge schauet sterbend Ein göttlich Kanaan. Bersöhnt! Original-Roman von Jda Barber. sFortsetzung.) Man flthr Abends in den Cur-Salon. Braun hatte, da gerade Concert war. einen Tisch reservieren lassen. Graf Zandos war bereits da; er verließ seinen Platz und nahm, als gehöre er mit zur Familie, an dem reservierten Tische Platz. — Man plauderte, musterte das Publikum, ließ sich mustern, lauschte der Musik uns glaubte sich brillant zu unterhalten. Nach eingenommenem Souper schlug der Graf einen Spaziergang längs der Esplanade vor; er sagte, daß das traulich stille Clair obscur dieses herrlichen Natursalons ihn stets ungeniein angezogen habe und Jlka stimmte ihm bei, daß es abends keinen traulichern Ort gäbe, als jenen von der schäumenden Traun begrenzten Promenadeuweg. Beim Hinausgehen aus dem Saal reichte er dem junge» Mädchen den Arm; die Eltern folgten den Beiden. Mit Genugthuung nahmen sie wahr, wie die draußen auf der Terrasse und im Garten Sitzenden das Paar anstaunten. Der Graf war eine gekannte Persönlichkeit; alle Augenblick mußte er grüßen, danken. Er nannte Jlka verschiedene seiner hocharistokratischen Bekannten, vermuthlich, um in ihren Augen zu gewinnen. Jlka hätte nicht die Tochter dieses ehrgeizigen Mannes, dieser eitlen Mutter sein müssen, um nicht bei dem Gedanken angenehm berührt zu werden: In diesen Kreisen wirst Du dereinst verkehren! Gar bald gestand sie sich, daß ihr Graf Zandos keineswegs unsympathisch sei. Er verstand es, sie brillant zu unterhalten, von seinen Reisen, seinen Erlebnissen zu sprechen, ihr das militärische Leben in den glänzendsten Farben zu schildern, und als man sich spät Abends trennte, war es Jlka, als kenne sie den Grafen seit Jahren. Sie träumte nicht von ihm, fühlte auch keinerlei schwärmerische Anwandlung, da er ihr aber des andern Morgens auf der Frllhpromenade zuerst entgegentrat, ihr eine thaufrische Rosenknospe überreichend, freute sie sich, ihn zu sehen und war ganz damit einverstanden, daß er sie, während sie ihren Pyrmonter-Brunnen trank, begleitete. Als sie in der Mittagsstunde auf der Esplanade war, machte sie Graf Zandos mit mehreren der anwesenden Fürstlichkeiten bekannt; man verabredete einen Ausflug für den Nachmittag, an dem die Braun'sche Familie als die einzige, die bürgerlichen Kreisen entstammend, Antheil nahm. Urplötzlich eröffnete sich vor Jlka eine neue Welt. Sie war stets von Cavaliereu umgeben, von allen anderen Mädchen, wie sie wähnte, beneidet, da keiner so wie ihr gehuldigt wurde. Graf Zandos schien Werth darauf zu legen, daß seine aristokratischen Freunde ihr alle Ehren und Aufmerksamkeiten erwiesen. Die Reunion, die 8 Tage nach seiner Ankunft stattfand, war für Jlka eine Art Triumph. Sie war die Königin des Festes, die begehrteste und gefeiertste Tänzerin. „Was wärst Du ohne den Grafen?" flüsterte ihr die Mutter zu. „Sieh, die schönsten Mädchen sitzen als Wandgarnirung, Niemand fordert sie auf, weil sie Niemand haben, der sie vorstellt!" Jlka schwebte leicht wie eine Sylphide am Arme des Grafen dahin; sie fühlte den Druck seiner Hand, und, wissend, daß sie ihm den heutigen Triumph dankt, erwiderte sie ihn herzlich. Als die Mutter zum Aufbruch mahnte, schien cs ihr fast zu früh. Sie hatte sich so prächtig, wie lange nicht unterhalten. — Der Graf geleitete sie nach Hause und als sie ihm unterwegs sagte, sie bewundere, daß er sich schon von den Tanzenden getrennt, erwiderte er galant, daß es für ihn da, wo sie nicht wäre, kein Vergnügen gäbe. Jlka hätte nicht 18 Jahre sein müssen, coquett, liebebedürftig, um nicht all die schönen Worte, die Graf Zandos bei jeder Gelegenheit spendete, für baare Münze zu nehmen. Sie wähnte sich in Wahrheit geliebt und gar bald kam die Zeit, da sie jenes Anderen, den sie zu lieben glaubte, wie eines fernen Bekannten gedachte. Die alte Gräfin wurde gar bald täglicher Gast in der Braun'schen Villa; auch ihre Tochter Comtesse Sidonie, eine bereits verblühte Schöne, war jetzt in Ischl eingetroffen, und schien sich all die gute» Speisen, die trefflichen Weine, die man im Braun'schen Hause servierte, gut schmecken zu lassen. — Sie war mehrere Jahre Gesellschaftsdame bei der Fürstin L. gewesen, hatte in diesem Abhängigkeitsverhältniß sehr gelitten, hütete sich aber wohl davon zu sprechen, da sie als grauäs dame betrachtet sein wollte. Sidonie v. Zandos konnte als Typus des armen adeligen Fräuleins gelten, das immer noch auf der Suche

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