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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 36 (1885) · p. Seite 144

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
36 (1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 144 (sequence 4)
Language
German
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— 144 — dem Ermessen des Rabbi anheim, auf dessen Scharfsinn und Erfahrung bauend, indem man sagte: „Wie der Rebbe will." Auch im gewöhnlichen Leben wenden wir diese Redensart an, wenn wir noch zweifelhaft sind, wie eine Sache, die uns sehr intcressirt, von einer höheren Instanz, in deren alleiniges Ermessen die Beurtheilung und Erledigung dieser Sache gestellt ist, bcurtheilt und erledigt werden wird. Dies gilt ganz besonders in Rcchtsstreitigkeiten, wo der Ausfall einer Sache lediglich davon abhängt, wie die subjective Auffassung rc>p. Interpretation eines Gesctzcsparagraphen seitens des Richters lautet. 18. „Der fing den Kaddlsch zu hoch an." Das Kaddisch-Gcbct ist stets für den Chasan (Vorbeter) vom alte» Schlage ein Gesangstück gewesen, mittelst dessen derselbe seine Kunstfertigkeit in seinem Fache, seine Bravour zeigen konnte. Jeder einzelne Festtag hatte stets seine besondere Kaddisch-Melodie, die jahraus, jahrein stereotyp für den betreffenden Thcil des Tagcsgebetcs blieb. Sein ganzes Können, seine volle Kraft setzte der eifrige Sänger darein, um die Zuhörer, die in der Regel zum größten Theile selbst Kenner waren, nach jeder Richtung hin zu befriedigen und nach vollbrachter Kunstleistung ein allgemeines, anerkennendes 3fD “iltf” („Gott stärke Dich", eine Dankcsfvrmel) zu erringen, öie überhaupt, so trug auch hier die Art und Weise, wie die ersten Töne der Melodie begonnen, viel zu dem Gelingen des Vortrages bei, denn wehe dem Sänger, waren die ersten Töne zu hoch gegriffen und reichten seine Stimmmittel in Folge dessen nicht aus, den Vortrag in diesen hohen Tonlagen weiter sortzuführen. Es wurde ihm gewiß zur Unmöglichkeit, das Gesangstück in dieser Weise zu beenden. Auch ist er gezwungen, plötzlich sich zu unterbrechen, und in einer anderen Tonlage, der (eine Stimmmittel mehr entsprechen, den Kaddisch zu Ende zu führen. Auch wird er unter Umständen bei solchem Mißgeschick, anstatt Lob und Anerkennung, Tadel und Spott ernten. Wer im Leben irgend ein Geschäft, ein Unternehmen, wie überhaupt eine Lebensweise in solchem Maßstabe begonnen, daß seine vorhandenen Mittel in keinem Verhältnisse stehen zu der Größe dieses Geschäftes u. dgl., und er in Folge dessen wegen Mangels an weiteren erforderlichen Mitteln auf eine fernere Durchführung verzichten muß, von dem sagt man auch tadelnd: „Der fing den Kaddisch zu hoch an!" keit. Der verhimmelte Heros gewährte dem Centralconsistorium und dem Pariser Consistorium auf Ansuchen des Herrn ■ Benjamin Rodrigues beim Obercremonienmeister Grafen v. Segur eine Audienz am 10. December 1809. Obschon der Text einer Ansprache vorher ciugereicht und gebilligt worden war, ließ der Kaiser sich im letzte» Augenblicke diese Anrede erbitten und Herr Jacob Lazard, Laicnmitglicd des ■ Centralconsistoriums, überreichte das sie enthaltende Schriftstück. Der Kaiser fragte ihn, nachdem die Consistorien eingeführt waren: „Wer sind Sie? „Sir, ich heiße Lazard, Kaufmann! „Sind Sie Einer der Vorsteher? „Sir, ich bin Mitglied des Centralconsistoriums. „Wohnen Sic in Paris? „Ich habe schon die Ehre gehabt, Ew. Majestät zu sagen, daß ich Mitglied des Centralconsistoriums bin. „Verbessern Sie die Schlechten? „Sir, wir hoffen, daß sie bald Ihrer Majestät würdig, sein werden. „Man muß es machen, wie die Juden in Bordeaux. Man muß den Portugiesen nachahmen." Weiter sprach er kein Wort. Und doch waren Männer dabei, denen er Orden verlieh — (wie Abraham Colonna). Rüthsei- Aufgaben. I. Zuhlen-Rathsel. Von M. Lipschitz, Kanitz W. Pr. An Stelle der Zahlen sind Buchstaben zu setzen. Die wagerechte und senkrechte Mittelreihe der Zahlen ergeben dasselbe Wort. 1 S 3 2 3 5 6 7 8 9 3 10 11 12 7 8 1 3 6 11 9 13 12 3 14 13 10 13 5 11 5 3 12 12 11 12 9 3 4 4 Die Zahlenreihen bedeuten: 1. Einen Buchstaben. 2. Einen bibl. Eigennamen. 3. Eine Stadt in Philistaa. 4. Einen Sohn eines Patriarchen. 2 5. Eine Stadt in Palästina. 6. Einen Propheten. 7. Einen jlid. Monatsnamen. 8. Einen bibl. Eigennamen. 9. Einen Buchstaben. Allerlei für de« Familientisch. Eine recht hübsche Anekdote wird dem Bankier Goldberger in Berlin nacherzählt: Als jüngst der finanzpolitische Vertreter einer fremden Regierung, die sich in permanenten Geld-Schwulitäten befindet, zur Einleitung von Finanzoperationen hier weilte, sprach auch Herr Goldberger vor. Dem Geheimjckrctär meldete den Besuch seinem Vorgesetzten mit den Worten: „Herr Goldberger wünscht Excellenz zu sprechen." — „Goldberger?" wiederholte dieser mit Nachdruck — „wir können jetzt nur einen Geldborger brauchen!" Diese Worte waren so laut gesprochen worden, daß sie der antichambrirende Bankier durch die nur angelegte Thür hören konnte. „Wie schlecht muß es um Eure Finanzen stehen" — soll darauf der schlagfertige berliner Finanzier ausgcrufen haben — „wenn man bei Euch schon Buchstaben versetzt!" Eine Audienz bei Napoleon 1. Dieser Erbe der Revolution hatte keine Vorliebe für die Juden. Und wenn er auch Manches gethan und angeordnet hat, was ihnen förderlich war — so war es nicht der Zug des Herzens, der ihn dazu geführt hat, sondern der Zug der Zeit, sein Organisationstalent, und die Zweckmäßig- II. Deutsches Silbenriithsel. Von Js. Herzbcrg. Mein Wort ein Königsweib dir nennt, Das auch als Königskind man kennt, Wiird' ich mich plötzlich von ihm tuenden, Würd' ich sein schönes Antlitz schänden. Und wiird' ihm gar der Fuß genommen, So würd' ein Gottesmann gleich kommen! in. Deutsches Weuderiithsel. Von Lehrer A. Spei er in Heinebach. Nennst Du's hebräisch Dein Eigen, Nicht viel Verstand kannst Du dann zeigen. Doch im Deutschen es wohl gefällt, Besitzt man cs viel an blankem Geld. Aufiösung der Rathsel in Nr. 38. I. Ezechiel ■a Debora « pp, Umri (erbaute Samaria), Irma. « Urias , % Amalck? III (Herr und Götze). tL Rosalie? Disputator (Ausl, des Preisräthsels in nächster Nr.) Verantwortlicher Nedacteur vr. Ra hm er, Magdeburg. Druck von D. L. Mols, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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