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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 34 (1885) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
34 (1885)
Date
1885-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 34. Jüdisches 1883. L^TlUkN-K/s// Herausgegeben von Dr. Rahmer in Magdeburg. Zur llntertfaltung u. Mehrung für die igraelitische Jugend. «Nfr- Inhalt Bestechung. «um Wochen-Abschuitt Schophtim.) Von Dr. I. Goldschmidt-Weilburg. — (Sine buntlc Erinnern,,g. Von . N a thau Samuely. (Fortsetzung.) — Versöhnt. Original-Roman von Jda Barbcr. (Fortsetzung.) — Das Wunder des Jesajas. Allerlei für den Familientisch: (Llsasj. Odessa. Nißney-Nowgorod. Konstantinopcl. Lemberg. — Rathsel-Aufgaben und Räthsel-Lösungen. Bestechung. (Zum Wochen-dlbschnitte Lelroxlitiin.) NNV NjvN (V. B. Moses 1M9-) Wenn bu sitzest »ach Rech» und Gesetz zu richte» Der Bruder Streit und Verbrechen, Der Unsch»ld zum Schutze, zur Strafe den Wichten: „O last dich nicht besteche»!'' Wen» die Wahrheit z» suchen dein Geist hernmspnret In den Höhe», Liefe» »nd Flächen; — Do» der Lüge, die sich verführerisch zieret, »£• last dich nicht besteche»!" Wenn in de» erhabene» Kampf du ziehest, Mit deine» Fehler» nnd Schwächen Von der Selbstsucht, in deren Flammen du glühest „O laß dich nicht bestechen!" Wen» du suchst, in der Schönheit lieblichen Haine» Die Zaubcrblninen z« brechen, O laß vom falsche» Reiz des Gemeinen, „C last dich nicht besteche»!" Der Gottheit Spuren, die um dich schwebe» In tausend Strömen »nd Bächen, In trübe» durch eigensüchtiges Streben — „O last dich nie bestechen!" Dr. I. GoldschmIdt - Weilburg. «> Eine dunkle Erinnerung. Von Nathan Samnely. (Fortsetzung) Herr Piawski hat keineswegs das Aussehen eines gewöhnliche» Erdensohncs, ganz besonders jetzt in seinem vorgerückten Lebensalter, da seine Nase alle Farben des Regenbogens spielt und die holde Purpurröthe, die sie einst bedeckte, sich nunmehr wie ein breiter Strom über sein ganzes Gesicht ergossen hat. Allerdings muß auch er seinen stolzen Nacken unter der Last der Jahre beugen und sich manche Aenderungen in seiner Lebensweise gefallen lassen. Nicht mehr Branntwein trinkt der gealterte Herr Piawski, sondern reinen, ungcfälschten Spiritus, nicht mehr Meth, sondern Punsch. Auch seine gealterten, wankenden Beine verlangen Schonung. Die Fensterpromenaden sind daher eingestellt, statt dessen hockt er den ganzen Tag beim vollen Glase in der Schenke Moschko's und schüttet sein liebebedürftiges Herz vor jedem runzelige» Weibe aus, das ihn nur anhören will. Heute ist Herr Piawski in seiner seligsten Laune. Mit purpurllberzogenen Wangen und überquellenden Augen sitzt er beim vollen Glase, in seinem Innern mit allen Feinden auszesöhnt, mit den verstockte» Juden, die ihm lange kein Geld mehr leihen wollen, ja, auch mit Moschko's „Schenker", der sich heute stark geweigert, ihm sein Glas zu verabreichen, ehe die alte Schuld beglichen sein werde. Herr Piawski ist heute voll Gnade und Versöhnung. Diese Gnade jedoch schlug gegen Abend in Zorn um, in heftigen, wallenden Zorn. Das hatte seinen Grund — seine Ehre ward verletzt. Es trug sich folgender Weise zu. Die Wiltwc Sara, die jetzt, wie einst ihre Tochter, in der Schenke Moschko's ihre Maare den verschiedenen Gästen ausbot, löste hin und wieder auch manchen Kreuzer vom Herrn Piawski. Das war jedoch ei» schwer erworbener Kreuzer, denn sie mußte dafür seine Geschwätzigkeit wie .ine schmutzige Welle über sich ergehen lassen, alle seine Liebesabenteuer, die er mit den Gräfinnen und Fürstinnen hatte, anhören und nicht selten mit einem stark übcrthränten Licbesblick von ihm einen zärtlichen Backenstreich hinnehmen. Zärtlicher als je war Herr Piawski gegen sie heute, indem er sie seine gute Joszkowa nannte. „Nun, wie geht cs Dir, meine gute Joszkowa?" begann er in der Fülle seiner Gnade. „Wie steht's mit Deinem Verdienste? Bringst Du Dich durch, meine gute Joszkowa?" „Dank, Gnaden, für die gütige Nachfrage," erwiderte die arme, gedrückte Frau demuthsvoll. „Schlage mich, gottlob, durch. Geringe Verdienste, geringe Bedürfnisse — gleicht sich aus. Gab freilich eine Zeit, in welcher mir besser war, doch wie Gnaden wohl wissen, ändert sich Vieles im menschlichen Leben." „Wissen, cha, cha, cha?" wieherte Herr Piawski. „Ob ich's weiß, wer soll'S denn wissen? Sagt man doch nicht umsogst, Herr Piawski weiß Alles! Nicht wahr. Dir kommt die schöne Zeit in den Sinn, in welcher Du mit Deiner Tochter, der kleinen Esterka, noch vereint warst? Cha, cha, cha, Herr Piawski soll nicht wissen?" Die Aermste senkte das Haupt, als müßte ein Sturm vorübergehen. „War ein hübsches Mädel, ein Prachtmädel, die kleine Esterka," fuhr indeß Herr Piawski fort. „Soll es da wundern, daß Dir damals besser war? Hübsches Mädel, mit den Herrschaften bekannt .. . That's nicht spröde . . . brachte bei Nacht gute Gäste, bei Tag gute Verdien ... W .. w . . was?" Herr Piawski fiel wie aus den Wolken, als er, aufblickend, sich überzeugte, daß er in die leere Luft gesprochen hatte. Die Alte war wie von der Erde verschlungen. Herr Piawski weiß Alles, doch schien er es keineswegs geahnt zu haben, daß seine so harmlose Plauderei die Alte so verwunden werde. Sie floh entsetzt, kaum daß er Zeit gewann, das letzte Wort auszusprechen, aus seiner Nähe, wie aus der Nähe einer Schlange. Das Wort blieb ihm wie ein Knochen in der Kehle stecken, so daß er cs wiederholt mit einem Schlucke Spiritus herunterzuspülen versuchte. Eine Jüdin soll es wagen, ihn, den Edelmann, den Kreishauptmann, den Mann, der Alles weiß, wie einen Schulbuben zu behandeln, ihn mitten in seinem so herablassenden Gespräche mit ihr wie einen Karren stehen zu lassen!.. . „Eifersucht! Jetzt habe ich's, die Alte

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