Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 33 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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! i — 132 — Hofbcdiente Pharaoh's gefangen saßen, nämlich der Hofschenkc und der Hofbäcker. Beiden hatte Joseph einen Traum, der sie sehr beunruhigte, zu deuten. Der Mundschenke sah in seinem Traume einen Weinstock mit Reben, der Mundbäcker dagegen einen Korb mit dem feinsten Back werke. Nach der Deutung Joseph's sollte der Traum des Mundschenken, der den mit dem aus den gesehenen Rebe» gewonnenen Wein gefüllten Becher dem Könige reichte, am Geburtstage desselben in Erfüllung gehen, während der Traum des Mundbäckers, dessen im Traume geschautes Backwcrk von Vögeln verzehrt worden ist, nicht verwirklicht werde» sollte, er nicht wieder königliches Backwerk fertigen und tragen, vielmehr an demselben Tage, da der Mundschenke wieder in sein Amt eingesetzt werde» sollte, am Galgen enden sollte. Beide Deutungen trafen ein. Der Traum mit dem Weinftockc wurde also verwirklicht, der Traum mit dem Backwerk dagegen wurde nicht verwirklicht. „Chalaumaus mit Backwerk" nennen wir daher auch solche phantastische Reden, die niemals Verwirklichung finden können und werden; wir bezeichnen mit dieser Redensart auch solche überspannte Wünsche und Hoffnungen, die nimmer in Erfüllung gehen können. Auch beiin Anhören merkwürdiger Träume, die unmöglich der Wirklichkeit entsprechen können, sagen wir ungläubig: „Das sind wieder Chalaumaus mit Backwerk." Räthsel-Aufgabe«. I. Deutsches Morlrathset. Bon I. Herzberg. Eines Richters Namen nennt Euch mein Wort. Ihr all' ihn kennt, Denn einst in bedrängter Zeit Hat er Israel befreit. So Ihr Fuß und Haupt bekleidet, — Seid Jhr's selbst, gern Jhr's bekennt, Daß, bis Ihr von hinnen scheidet, Freudig also Ihr Euch nennt! So Ihr Fuß nebst Kleidung trennt Von dem, waS Euch gar so lieb, Einen König Euch dann nennt Das, was nun noch übrig blieb! II. Deutsches Logogryph. Von Sali Cohen in Rees. Priester und Prophet hält ein Gebirg' vereint; Dieser schon in Kops und Füßen Euch erscheint. Doch jenen nur Ihr dann erst seht, Wenn Ihr den Rumpf habt umgcdreht. Allerlei siir den Familientisch. Pompeji. Vor einigen Jahren wurde hier ein Bild aufgesunden, welches allem Anscheine nach auf das Urtheil Saloaionis bezogen werden mußte lauf einem erhöhten Tribunale sitzen drei Richter; vor dem einen hat sich eine Frau um Gnade flehend nicdcrgcworfen, während ein Soldat mit emporgchobcncm Hackemesser im Begriff ist, ein Kind auf einem Blocke zu zcrtheilen). Die Einwände, welche gegen diese Deutung vorgcbracht wurden, stützte» sich namentlich darauf, daß für eine so frühe Zeit der Aufenthalt von Juden oder Christen in Pompeji nicht wahrscheinlich sei. Gerade mit Bezug hierauf ist es interessant zu erfahren, daß von Dr. Mau in einem Triclinium eines pompejanischen Hauses in zwei eingekratztcn Inschriften Sodoma Gomora genannt werden, wodurch die Gegenwart von Christen oder Juden in Pompeji unzweifelhaft bewiese» wird. III. Hebräisches Menderathset. Bon Rcinheimer in Oderheim. „Im Spiel der freien Phantasie Besucht cs mich, ich weiß nicht wie. Und so vcrgeht's — loenn's 1 nichts frommt — Wie wenn« verkehrt ins Wasser kommt." Scherzfragen. 1. Welches ist der längste der jüd. Monate? 2. Welches ist der schwerste Psalm? Auflösung der Rathset in Ur. 32. Bilder ans dem jüdischen Familienleben von Albert Rosen bäum in Cassel. I>er Msewicht. Wenn die kleine Lcah fehlet, „O ich weiß, wenn Mutter strafet, Züchtiget die Mutter sie. Daß es stets mit Recht geschieht, Und dann zittert Leah heftig. Und die Reue, weil ich fehlte, Doch zum Weinen kommt sie nie. Mir dann in dem Herzen glüht. „Das ist Bosheit!" rust die Mutter Aber wenn ich Thränen weine Dann gereizt, doch hilst's ihr nicht. Noch so wenig, noch so matt, „Bösewicht, Dir wird's einst kommen, O dann blutet ihr die Seele, Trotz'ger, junger Bösewicht!" Weil sie mich geschlagen hat. Und der Lehrer, dem die Mutter Denn ich hörte sie einst sagen: Dies Berhältniß mitgethcilt, Alles trag' ich, was es sei, Fragt nach ihrem Thun die Kleine, Doch der eig'ncn Kinder Thränen Fordert Antwort unvcrweilt. Brechen mir das Herz entzwei. Schüchtern blickt die kleine Leah Darum schleich' ich ganz geduldig Ihren strengen Lehrer an, Aus dem Zimmer mich hinaus Mit verklärtem Angesichte, In des Hauses sernste Ecke, Wie man's kaum beschreiben kann. Und da wein' ich mich dann aus." Lang und staunend lauschtderLehrer; Endlich ties gerührt er spricht: „Sei, mein Kind, von Gott gesegnet, Guter, frommer „Bösewicht!" I. Mcnasse . Omar j| Salomo S. Eli 2 Scherif jg Mamre g Ezeget 8 Nathan Dairo ■» Elohim ä Libertiner £ Sinai “ Oedipus Hebron 8 n. Michael Michal Michel. m. rfean, Gebet nSan, Lästerung. Auflösung des Dreisrathsels in Ur. 31. Jo-seph Elah, Sephelah. Richtige Auslösungen sandten: Lehrer Schocps in Wanstors, Martin Mühsam in Graz (Stcuermark), Bär Pcssen in Saalfeld,. Gabriel Schwach in Hattstatt (Elsaß), Frieda Buchholz in Emden,. Berthold Frank in Nonnenwcier b. Lahr (nur zum Thcil richtig), Salr. Cohen in Rees. L. CH. in Breslau. I. M. in Wien. Hugo W. in. Frankfurt. Fr. Kr. vom „Brandenburger Räthselklnb." Die Preise fielen auf: 1. Bär Pcssen in Saalseld O./Pr. 2. Sali Cohen in Rees a./Rh. Verantwortlicher Redacteur vr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolss, Magdeburg, «erlag von Robert Friese, Leipzig.