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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 32 (1885) · p. Seite 128

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
32 (1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 128 (sequence 4)
Language
German
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— 128 — ich Tage und Nächte studirt, um neben einem Metzger meine Stelle zu finden! Will ihn doch aufsuchen, ausfragen und nach seiner Handlung forschen. Und er ging hin und fand in dem Fleischer einen sehr reichen Mann. Er fand in seinem Hause gastliche Aufnahme und weilte bei ihm 8 Tage, in denen der Metzger ihm große Ehre erwies. Eines Tages lud ihn R. Simeon in's Freie und sprach: Sage mir doch, ich bitte Dich: Womit hast Du Dich im Leben beschäftigt? „Mit der Thora leider nur wenig", erwiderte er, „war immer ein Fleischer, anfangs gar arm und bin dann reich geworden. An jedem Rusttage zum Sabbath jedoch habe ich an die Armen meines Ortes und der Umgebung Fleisch verthcilt, und habe überhaupt viel Wohlthätigkeit geübt. „Und hast Du überdies noch etwas Große» gcthan", fragte R. Simeon. „Eines will ich Dir erzählen, was ich gewirkt habe," gab der Fleischer zur Antwort. Mein sind die Zollgcfälle in dieser Stadt und wenn ein Schiff*) kommt, so erhebe ich daraus, was mir Gefalle» gewährt. Einst kam ein Schiss hierher und ich erhob den Zoll. Als ich diesen erhoben hatte, kam der Capitän zu mir und fragte: Willst Du ein verborgenes Ding, das ich besitze, kaufen, so verkaufe ich's Dir. „Was für ein Ding?" fragte ich. „Das sage ich Dir nicht eher, als bis Du es gekauft und den Preis dafür erlegt hast, sagte der Capitän, und kaufst Du es nicht jetzt, so verkaufe ich's Dir nimmer." Darauf ich: „Nun, so laß hören, was cs kostet." „Er erwiderte: 16000 Goldgulden." Daraus ich: „So zeige denn da» Ding, und ich will'S geben." Darauf er: „Ich gebe cS nicht, wenn Du nicht 20000 gicbst!" „So zeige es doch, und ich gebe so viel dafür" sagte ich. Er aber: „Ich gebe es nicht unter 40000." Da ich nun sah, daß er den Preis immer steigerte, so dachte ich, es müsse doch etwas Großes sein, und ging auf die Summe ein. „Erst aber das Geld her", sagte er, „dann will ich's Dir zeigen". Ich gab das Geld, und sofort führte er aus dem Schiffe 200 Personen au» Jraöl, die er gefangen genommen heraus und sagte: „Hättest Du sie nicht gekauft, ich würde sie noch heute erschlagen und iw» Meer geworfen haben". Sogleich, als er sie übergeben, führte ich sie nach meinem Hause, gab ihnen zu essen und zu trinken, salbte und bekleidete sie und verheirathcte die Unvcrheirathcten aus ihnen unter einander. Unter ihnen war aber auch ein Mädchen von wunderbarer Schönheit, ich erbarmte mich seiner und gab es meinem Sohne zur Frau, er nahm sie als seine Angetrante, und ich lud alle Bewohner des Orte» zum Hochzeitsmahle. Und da die Gäste beim Mahle saßen, trat ich zu Jedem von ihnen und sah, wie ein junger Mann aus der Zahl der losgekauften Gefangenen weinte. Ich frug ihn: „warum weinst Du , er aber wollte nichts mittheilen, bis ich ihn in ein Zimmer brachte, wo er es zu mir sagte: „Der Tag, an dem wir gefangen wurden, war bestimmt, sie als Braut heimzuführen.,, Da fragte ich ihn: Möchtest Du ihr nicht den Scheidcbrief geben? Ich gebe Dir 100 Silbergulden dafür. Er erwiderte: Mein Herr, ich liebe sie mehr als alles Silber und Gold der Welt. Doch was kann ich lhuu, nachdem Dein Sohn sie heimgefllhrt hat?" Da ging ich zu meinem Sohne und erzählte ihm diesen Vorfall. Er gab ihr den Scheidebrief und ich führte sie zu jenem jungen Manne, steuerte sie reichlich aus, und das ist's, was ich gethan habe". — Da sagte R. Simeon: „Gepriesen sei Gott, daß er mich gewürdigt hat an Deiner Seite im Paradiese zu weilen". — Darum soll alle Zeit der Mensch lernen und gute Thatcn üben, und des Wohlthuns sich befleißen, denn nicht sein ist das Geld, sondern Gottes, wie es heißt: „Mein ist das Silber und mein das Gold", spricht der Ewige, und wie geschrieben steht: „Gott ist's, der richtet, er erniedrigt und er erhebt." Ignatz Kaufmann. *) Es ist beide Mal zu lesen: NI'Lv TOOttQI .HrBP HK3. Die Wirkung der „Tefillah". Ein armer Jude beabsichtigte, den Baron v. X. persönlich um ein Almosen anzusprechen. Der Thürhüter verweigerte ihm jedoch den Zutritt, Der Arme begab sich zur nächsten Herberge, packle seine alte „Tefillah" in eine Papierenveloppe, versah dieses Packet mit der Adresse des Barons und übergab es dem Thürhuter mit der Bitte, es schleunigst seinem Herrn zu überbringe». Der Baron, nicht wenig erstaunt über den sonderbaren Inhalt des Packets, befahl dem Diener, den Absender vor ihn zu führen. Dieser, von dem Baron nach der Bedeutung seiner Sendung befragt, antwortete: „Herr Baronleben, Sie wissen doch, mit „Tefillah" (Gebet) kann man beim lieben Herrgott Zutritt erlangen; nun glaubte ich. dieses Mittel werde mir auch bei Ihnen Zutritt verschaffen; ich habe mich, Gott sei Dank, nicht getäuscht." Reichlich beschenkt entließ ihn der Baron. 0. Müssel-Aufgaben. I Deutsches Silbenräthsel. Bon Fräulein Emilie Pflücker in Breslau. Aus folgenden 37 Silben her, bron, di, da, e, e, e, ex, get, he, him, i, i, 11,11, Io, lo, mam, ma, mar, mo, na, na, nas, ner, o, oe, pns, ri, ro, rif, se, sehe, si, sa, tban, ti sollen 14 Wörter gebildet werden, welche bezeichnen: 1. Einen der Stämme Israels. 2. Einen fürstlichen Nachkommen Esau's. 3. Einen König in Israel. 4. Einen Richter. 5. Einen türkischen Titel. 6. Einen Bundesgenossen Abrahams. 7. Ausdruck für Bibelerklärer. 8. Einen Propheten. 0. Der kaiserliche Hof der Japaner. 10. Eine hebr. Bezeichnung für Gott. 11. Freigelassene jnd. Kriegsgefangene. 12. Ein heiliger Berg. 13. Ein berühmter griechischer König. 14. Eine Stadt in Kanaan. Die Anfangsbuchstaben dieser 14 Wörter von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, ergeben die Namen dreier großer Männer in Israel, von denen der erste zugleich der Borname der beiden anderen ist. II. Deutsches Kogsgryph. Von 6. in R. Einen Engel, stets zum Schutz uns nah, Zeigt mein Wort, loenn Du'S errathen: Streich' ein Zeichen — 'ne Königin steht da, Lästernd ihres Königs Thatcn, Auch ein deutscher Raine ist darin genannt, Feinde» deutscher Ehre wohl nicht unbekannt. III. Hebräisches Morträthset. Bon I. Hcrzbcrg. Welch' seltsam Wort! Welch' große Kraft Doch eine Punltversetzung schasst! Aus heil'gcr Andacht — Lästerung Des Herrn mit sündhaft böser Zung'! Auflösung der Ralhsel in Ur. 31. 2. II. .nbra, Nachlaß, in. (SSotcr, Monatsname.) 6. ' _ MC Die Auflösung des Preisräthsels, sowie die Namen der richtigen 3. Löser und Löserinnen in nächster Nummer. I. 7. M U p I M 0 0 A 0 E 8 E D E R E 0 A J 0 8 u N E M 8. sBcrantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg, «erlag von Robert Friese, Leipzig.

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