Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 31 (1885) · p. Seite 124

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
31 (1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/6492351-9586216-9585218--0414-9585222
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 124 — Jüdisch-deutsche Redensarte», erläutert und zum Thcil auf ihren Ursprung zuriickgcsührt von Lehrer I. Hcrzbcrg. 14. Wie kommt „.Haman" in die „Ma niscbtanne"? Das Wort Mah-nischla»nc findet sich bekanntlich in der Peßach-Hagadah und wird als Einleitung beim Seder von dem jüngsten der Tischgenosscn, gewöhnlich von einem des Hebräischen kundigen Kinde, vorgetragen. Es enthält nur Fragen, die durch das außergewöhnliche Thun und Treiben im Hause beim Kinde geweckt werden und den Vater veranlassen sollen, durch Vortrag der Hagadah jenem eine Aufklärung zu geben und ihm den Grund dieses Freibeitsfcstcs in ausführlicher Weise darzulegen. Mit dem Mahnischtanne verbinden wir daher auch den Gedanken der Freiheit und Erlösung. Haman dagegen, jener unerbittliche Todtfeind der Juden sowohl, als auch des Judenthums überhaupt, das Ideal aller Judenhasscr späterer Zeiten, erweckt in uns den Gedanken an Unterdrückung und Knechtschaft. Sein Name knüpft sich lediglich an das Purimfcst. „Haman" und „Mah-nischtannc' schließen demnach die entschiedensten Gegensätze in sich, und jede Zusammengehörigkeit mit einander völlig aus. Bemerkt man daher im gewöhnliche» Leben, daß Jemand Dinge zusammenfaßt und als zueinander gehörig erklärt, die in keinerlei Beziehung zu einander stehen, vielmehr die entschiedensten Gegensätze in sich schließen, so wirft man wohl die Frage auf: „Wie kommt sEll in die ns?"*) 13. Cr ist „kullonc"! Das eben genannte Mah-nischtannc schließt mit den Worten: j-DlCE ubs (wir sitzen alle angelchntf. Wegen des Gleichklanges wurde wohl das Wort pDlDE mit dem Worte „meschuggin" (von i'JlTE, verwirrt, verrückt, 5 B. Bä, 28,35) verwechselt, und wollte man eine närrische Gesellschaft bezeichnen, sagte man daher corrumpirt „kullonu meschuggin". Um nun das etwas anzügliche Wort „meschuggin" nicht anzuwenden, ließ man es gänzlich aus und sagte einfach: „kullonc", dem Hörer die Vervollständigung in Gedanken überlassend. Er ist „kullonc" heißt daher: „Er ist närrisch, verrückt." Allerlei siir den Familientisch. Kossnlh tut* der Rabbiner. Der Magyer Szido erzählt: Wie bekannt, war Kossuth's Vater Advokat in Semplin. Dort war R. MoseS Taitelbaum, der Verfasser von Jißmach Mosche, Rabbiner. Der Advokat strengte einen Proceß gegen den Rabbi an. Doch noch war die Sache nicht entschieden, als Kossuth Vater und 2 erwachsene Söhne plötzlich starben, was Viele als Finger Gottes und als Strafe der Verfolgung des Rabbi ansahen. Die Wittwe eilte mit dem einzig ihr gebliebenen Sohn Ludwig zu dem Rabbi, fürchtend, daß auch das letzte Kind ihr entrissen werden möchte und bat ihn um Verzeihung, sowie um seinen Segen für ihren Sohn. R. Moses legte feine Hand auf Ludwig's Haupt und schloß den Segen mit den Worten Ps. 60.6: Du gabst Deinen Verehrern ein Banner, um der Wahrheit Willen. Selah! (Etfp „Wahrheit" klingt an „Kossuth" an). — Noch heute soll der große Patriot überzeugt sein, daß der Segen des Rabbiners ihn gefördert hat, Großes zu vollbringen. *) Bkincrkenswerth ist, dast die 3 ersten Buchstaben ‘j DE in der That metalhesirt jvn ergeben. (Red.) Bilder aus dem jüdischen Familienleben von Albert R v s e n b a u m in (Lasset. Per Frotzkopf. „Komm' Panlinchcn, geh hinüber Z» dem alten Jsak Straus, Bring ihm das und sag': ich lass' ihn Künftig nicht mehr in mein Hans!" „„Aber Mütterchen, der Lehrer Hat uns heute erst gelehrt, Daß die Armen sich dann schämen, Wenn die Wohlthat sie entehrt. Und es ist auch eine Sünde, Die der liebe Gott vergilt. Wenn man Arme unterstützet^ Und dabei sie höhnt und schilt."" „Kind, sei artig! Geb' zur Stelle, Daß der Jud' mich nicht mehr plagt!" „„Aber Mütterchen der Lehrer Hat ein Anderes noch gesagt: Auch der Reiche könnt' verarmen, Und verarmst du dieses Jahr, C, so ist's gewiß die Strafe, Weil ich heute „artig" war."" Räthfet-Aufgaben. I. Huadraträthsel. Bon I. MannSbachcr. I 7 2 A A D E E E E E J .7 M M 31 0 - 0 0 0 0 P R S 8 u 4 8 3 Nebenstehende Buchstaben sind sozu ordnen, dast die durch Ziffern bezeichncten graben Linien Ziffern ergeben und zwar wie folg«: I—2 Familie aus der Bibel 1—4 grober lsteietzgcbcr 1— 3 Städtchen bei Jerusalem 2— 3 ein See in Palästina 4—2 Eine gewesene Stadt 4— 3 Stadt in Palästina 7—8 Biblisches Land 5— 6 Dheil des PessachsestcS. II. Zweisprachliches Riithsel. Bon Eckmann-Rienburg. Hast du ein grostes zu erwarten, WaS hebräisch ist genannt, So ist dein Loos kcinS von den harten, Weil dir des Glückes Sonne scheint. Denk' in vcrbnndner Form das Wort Und schreibe eS alsdann sosorl Mit deutschen Lettern. Wenn's geschrieben Ist's schon übersetzt und — dasselbe geblieben. III. Hebräisch-deutsches Msrtriithsel. Bon Rcinhcimcr in Odernhcim. Zehn Brüder und ein Paar sind mein Und nicht ein eitizig Schwestcrlein; Wär' deutsch gemeint das Wörtlein klein Würd' ich sogar ihr Baker sein. Deutsch-biblisches Dreisräthsel. Bon I. Herzberg. Schling' um die Hälfte vo» eines Patriarchen Sohne Und eine» König Israels ein Band, Du erhältst als Ganzes dann zum Lohne Ei» fruchtbar Gcsild' im heilige» Land. Auflösung der Rathset in Nr. 30. l. Th(ab)or. 2. Mast, DE (Tribut.) 3. -nj ,“in 4. NE (Gehirn), Eh (Hitze.) Bcranlworilicher Redacieur Dr. Rahmcr, Magdeburg. Truck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Berlag von Robert Friese, Leipzig.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.