Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 26 (1885) · p. Seite 103

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
26 (1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 103 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/6492351-9586216-9585193--0388-9585196
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

“"«öffnet Sä* 7?'"^ »irit mich to lulf SnftoBenen -«tue Liter "'ch M meinen lflW getollt, «- oertotien, ober — ^tere gemäht “|e meiner aber doch, tu .die Welt mein to 8erh! I,che Mi er unfere •rauung iit, ich tern roer&eit ihn unfere Trauung mein Herz in genießt in allen mng: ich werde zu haben, felbii jetzt das ah linier Bund ich banfeit, wenn (eförbert,»erden, hend, küßt Dich Ala." lruch mit ihm, jj sie ans dem time Znsammenfie ncht mgeobscho» sic sich Gebet zu vcrigen zu Krachen, t Leo Öraun: bafe Gott ihm rzeihcnwill?' - .er wird sie M en, zur laufe öraun, .meuies uns gewendet rk, forderte »on A und mit ihm - 103 — Ein Jude als Reisegefährte des Columbus. In Nr. 0 bieses Jahrganges berichtet bas „Familien- Blatt" von bei» Abniiral Diego Caon. ber unter König Johann II. von Portugal Meerfahrten an ber Küste von Afrika unternahm mib bem Fluße Congo feinen Namen verlieh. Gestatten Sie mir, Ihre Leser auf einen anbern seefahrenben Juben hinzuweisen, ber, wenn auch nicht von ber Bedeutung bes portugiesischen Admirals, immerhin ei» beachlenswerthes Zeugniß von Muth, Thatkraft unb llntertiehrnungSlust giebt. — Mit welchen Schwierigkeiten ber große En Wecker Amer ika s zu kämpfen hatte, bevor es ihm möglich geworben, bie nölhigen Schisse unb Mannschaften zu seiner Entbeckungsreise zu erlangen, ist hinlünglich unb abgemein bekannt. Weniger bekannt bürste wohl bie Thatsache sein, baß sich unter den 120 Gesäbrte», bie Columbus aus seiner Entbeckungsreise in ferne, nnbekannte Meere unb Welten begleitete», ein spanischer Jube mit Namen Louis be Porres befanb. Professor Dr. Sophus Rüge schreibt in seiner „Geschichte bes Zeitalters ber Entdeckungen": „Von den Indianern ivurbe dem Cnlumbus gesagt, man brauche 20 Tage, um Cuba zu unrschiffen. Es mußte bemuach eine Insel sein. Als aber der Kapital, der Pinta die abweichende Ansicht äußerte, unter Cuba müsse man eine Stadt verstehen, das vor ihnen liegende Land gehöre zu Asien unb das weiter westlich gelegene Gebiet gehöre bereits zum Reiche des Großkaen, da ließ sich auch Columbus willig zu dieser Auffassung, welche seinen Ziele» und Wünschen so sehr entgegen kam, bekehren und erklärte im Tagebuch bereits am l. Novbr.: Cuba ist das feste Land von Asien, wir befinden u»S vor Quinsah und Zaitvn in einem Abstande von etwa 100 spanischen Meilen. Später brachte Cvlumbns auch den Ausdruck „Caniba", mit dem die furchtsamen Stämme der kleinen Inseln ihre gefährlichen Nachbarn, welche die erschlagenen Feinde verzehrten, mehrfach bezeichnet»!, mit dem „Kaan" in Zufammenhang und meinte, unter Kanibalen seien die Unlerthanen des Großkaan zli verstehen. Nach allen diesen merkivürdigen Trugschlüssen scheint es nun ganz natürlich, daß Columbus danach strebte, sich möglichst bald mit dem Großkaan in Verbindung zu setzen. Daher schickte er bereits am 2. November zwei Spanier an's Land, Rvdrigo de Gerez und den gelehrten Juden Louis de Porres; der Hebräisch, Chaldäisch und sogar etwas Arabisch verstand. Zugleich sandte er mit ihnen zwei Indianer, gemeinschaftlich sollten sie das Land ausforschen, dem König die Briese aus Spanien überreichen, und sich unterwegs nach Gewürzen erkundigen, zu welchem Zweck ihnen sogar Proben der verschiedensten Spezereien mitgegeben wurden. An Stelle des Geldes erhielten sie Perlenschnüre, um sich Lebensmittel dafür einzutauschen. Am vierten Tage kamen diese Abgesandten wieder zurück und erzählten, sie seien 12 Meilen zu einem One von 50 Häusern und 1000 Einwohnern gekommen. Die Indianer küßten ihnen Hände und Füße, weil sie die Fremdlinge für Sendboten des Himmels hielten. Bei ihrer Wanderung durch das Land lernten die beiden Spanier auch zuerst die Sitte des Rauchens kennen. Man nannte nicht das Kraut, sondern die daraus gefertigten Rollen, ivelche man anzündete und deren Rallch man einsog, tabaco.“ Ob Louis de Porres nach seiner Rückkehr aus Amerika für seine Verdienste ums Vaterland blvs aä majorem dei gloriam verbrannt, ober, wie Columbus, ins Gesängniß geworfen wurde, ist leider nicht festzustelle». Bei der Neigung der damaligen spanischen Majestäten dürste wohl das elftere cl)cr anzunehmeu sein. _ Köppler-Kochlowitz. Jüdisch-deutsche Redensarten, erläutert und zum Thcil aus ihren Ursprung znrnckgesührt von Lehrer I. Herz borg. 7. „Kr hat gut geort l“ Da, wo das Auslvürmeu der für den Sabbath beftimmten, schon am Freitage zubereitete» und gekochten Speisen noch keinen Eingang gesunden, bringt jede jüdische Hausfrau am Freitag Nachmittage ihren Schalettopf, dem die obligate Kugel, jenes schöne und wohlschmeckende, jüdische Skationalgebäck, zum Koscherbäcker, der denselben mit ihrem Namen versieht und ihn alsdann in den großen Backofen zu den anderen Schalettöpfen der übrigen Gemeindemitglieder stellt. Bon dem Wohlgerathen des auf diese Weise gekochten Gerichtes, besonders der Kugel, die nun ganz ihrem Schicksal übergeben ist und nicht unter der sorgsamen Aufsicht der kochkundigen Hanssrau steht, hängt gewissermaßen das Wohl und Wehe, die ganze SchabbeSfreude, ab, worauf alle Familienglieder, welche während der nun verflossenen Wochentage an den Lasten des Lebens schwer zu tragen hatten, und den sie so sehr beseeligende rcti* 33”..' täglich herbeisehnten, gehofft. Denn was sollte die Familie zu Mittag essen, wenn das Mißgeschick so grausanr gewesen, das Gericht mißrathen zu lassen, indem dieses entweder roh geblieben, oder völlig verbrannt ist, wodurch Schalet sowohl, als auch Kugel ungenießbar geworden. Daher ermahnt schon am Freitag Abend die besorgte Hausfrau den Gatten, bevor er sich zur Begrüßung des Sabbath und zum Gebete ins Gotteshaus begiebt, recht eindringlich „gut zu o r en (beten)," daß der Herr das Unglück des Mißrathens der Kugel, wie dcS Schabbesgerichtes überhaupt von ihnen abwende, sie somit an dem Genüsse desselben sich erlaben unb ihnen voll und ganz der 3312 werde. Ist dann die unter gewissem Bangen ersehnte Ltunde herangenaht, da der Schalettopf dem Ofen entnommen, ins Haus gebracht und geöffnet wird, was zumeist während der Zeit geschieht, da der Gatte zur Verrichtung des Minchahgebetes im Gotteshanse weilt, und findet die Hausfrau, daß alles gut gerathen, dann begeistert sie wohl der dem geöffnete» Schalettopfe entsteigende Duft z>r dem Ausrufe: „Er hat gut geort!" — — Beschäftigt nun Jemand im alltäglichen Leben eine Sache, die ihm sehr am Herzen liegt, ivovon vielleicht sein ganzes Geschick abhüngt, deren Verwirklichnng er aber dem Zufall anheim geben muß, der gar zu oft ein tückisches Spiel mit uns treibt, und die er selber durch eigene Kraftäußerung und Mittel nicht herbeisühren kann, ihm diese Sache jedoch völlig glückt, so sagt man auch wohl: „Er hat gut geort!" Allerlei für den Familientisch. Dresden, Mitte Juni. (Or.-Corr.) Wie buntscheckig es doch in unserem lieben Judenthume anssieht, und wie die Orthodoxen einander z» übertrumpfen suche», davon möchte ab und zu ein Beispiel gebracht werden. Hier ein solches. Ein als sehr religiös bekanntes hiesiges Gemeindemitglied hatte seinen Knaben znr Erlernung der Kaufmannschaft in eine auswärtige Lehre zu geben beabsichtigt, er legt natürlich Werth aus die Religiosität des betr. Hauses und sendet ihn nach Vereinbarung nach Witten a. d. R. Dort wird der Knabe jedoch bald, als zu aufgeklärt, als einem zu freisinnigem Hause entstainmend, wieder entlassen und zurückgesandt u. a. z. B. weil sein Vater die hies. Synagoge, die mit Orgel versehen, besuche. Es wurden Dinge verlangt, die ein galizischer Chassid nicht strenger observiren kann, z. B. am Sabbath das Taschentuch am Kleid befestigt, keinen Schirm zu tragen und bergt. Muß solche Hyperorthodoxie im Herzen unserer jungen: Leute nicht JndifferentismuS, ja sogar Irreligiosität erzeugen? In Lemberg rvill der Buchhändler Michael Wolf eine Romanbibliothek in 2 mvnakl. Lieferungen erscheinen lassen, welche Erzählungen aus dem jüd. Leben enthalten soll. Ztugarn. Der auS dem Tisza-Eßlaer Proeeß bekannte Jude Lustig ernährt sich durch Viehhandel. Onody — der antisem. Abgeordnete — der das mit Mißfallen bemerkt hatte, schloß mit den Bauern den Pakt, daß er ihnen jeder Zeit den von dem Juden beivilligten Preis zahle, um beu Inden kalt zu stellen!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.