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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 26 (1885) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
26 (1885)
Date
1885-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1883. M 26 Jüdisches .'>cvrtU‘?iji'fli'[u’U tioit Dr. Äahmer in Magdeburg. Zur Untrrhllitlttlg 11. Kelehrung für die israelitische Jugend. Inhalt Wasscr nui bcin ßclft-n. Qi.tm *.U>d).imbfdjuitt Ohiikkath.) S8c,! Dr 3. ö o Ibidim.bt.SWdlburfl. - fc j. CXT,t, Roma» »0» JdaParber. «Forlsttzm,.,.) - Ein Jude als ReistMhrtt bcS CvlumbuS. -Von » °PPlr.Nochlow'tz. - Jud'lchdcuischc Rcdcn-nnc». Lün Lclncr 3. Hcrzbcrg. — Allerlei für den .ynmilicut 11*: AicStat. Lcniberg. U gauu Par,-. Pm,^. Pariö. Ncw2)ml. — Für Wahrheit. Recht und Frieden. Bon I. Kaufmann. — Ratl,,el-Amgaben und Rathfel-1.ofttngen. Wasser anö dem Felsen. (Zum Wochenabschnitt Oknlrkatk.) ca erb x'3t" mn sben jan. (IV 'Dioje« 20,(X).) „S oll tiefem Reifen Wassc r ich cntwinve»?" So Moses bei de» Hadcrwasser» sprach, Nnd in der Brust liest er den Zorn entzünde» Und mit dem Stabe führte er de» Schlag. Jedoch der Herr, er sprach in ew'ger Huld: „So darf ei» treuer Führer niemals handeln! Gr must in nimmer endender Geduld Als hohes Beispiel vor dem Volke wandeln" „Soll diesem Felsen Wasser ich entwinden?" So tont oft in der Schul' des Lehrer Klag', Wenn er mit Flammenwort die Gisesrinden Ums Schillerherz z» schmelzen nicht vermag. — IT sprich nicht so! Greif' vorschnell nicht zum Stad! Der Stoek kan» deine Arbeit nicht versehe». Des .stindes Liebe grabest d» ein Grab, Und d» sollst Liebe ihm ins Herze säe». „2 oll diesem Felsen Waser ich entwinden?" G ar manches .stindesherz scheint hart wie Stein, Doch wenn junt Herzen wir den Schlüssel finden, Dann hört für immer auf des Lehrers Pein. Und unerschöpflich ist der Freude Born, Der fich ins Herz dir ewig frisch ergiefiet, Wenn liebevoll du hast gewehrt dem Zorn, Und liebend fich deS .stindes Herz erschliestet. Dr. g. ly olbschmidt-Wt'ilbm'g. Versöhnt: Cvifliiml-OKoimut von Ida Barber. (Fortsetzung.) „Liebe Jlka," nahm Frau Rosa das Won, „laß uns, nachdem ich erst besser in die Pläne Deiner Eltern eingeweiht bin, von Deinen Herzensangelegenheiten sprechen. Wenn ich Dir zu nützen vermag, das 'weißt Du, kannst Du auf mich rechnen." Die Schwägerin warf ihr einen bedeutungsvollen Blick zu, den diese auch richtig dahin verstand: „Habe ich mir erst ihr Vertrauen gewonnen, so will ich Euren Absichten schon entgegenarbeiten." Gleich während der ersten Stunden hatte Rosa einen Einblick in das Familienleben des Braun'schen Hauses ge- . wo »neu, der ihr wenig Erfreuliches zeigte. Noch unangenehmer ward sie berührt, als ihr Schwager Alois zurllckkehrte. Was war aus dem ehedem einfachen, schlichten Manne geworden! Von Jedem, der nicht mindestens über etliche Schlösser zu verfügen hatte, sprach er in wegwerfendem Tone, seiner Frau begegnete er mit ceremoniöser Vornehmheit, für die Kinder hatte er absolut keine Zeit, nur ganz oberflächlich halte er sich nach ihren Verhältnisse» erkundigt, des Bruders mit keiner Silbe gedacht. Da selbstverständlich fand Rosa nicht den Muth, ihm ihr Anliegen vorzutragen; der Schwägerin hatte sie sich vertraut, und diese versprach ihr, eine günstige Stimmung abzuwarten, um in Alois den Gedanken einer Aussöhnung mit dem Bruder anzuregen. Frau Rosa wollte eines Tages gerade daS Biblivthekzimmer betreten, als sie die beiden Gatten anscheinend in traulichem Geplauder in dem an dasselbe anstoßenden Balkonzimmer zusammen sah. Obschon Horchen sonst nicht ihre Sache war, blieb sie doch verlegen an der Thür stehen, als sie gerade ihre» Schwager die Worte sagen hörte: „Kein Wort mehr davon! Lecks ganzes Auftreten würde mich disereditiren; ich wünsche ihm und seine» Kindern alles Gute, bin aber nicht gesonnen, wenn er seine Tochter eine solche Mesallianee eingehe» läßt, mit ihm auf freundschaftlichem Fuß zu leben! Lehrer und Bettler stehen bei mir auf gleicher Stufe!" „Aber Schwager," sprach Frau Rosa jetzt vortretend, „wie können Sie so über einen Mann urtheileu, den Sie nicht kennen! Unser Schwiegersohn ist ein Gelehrter, ein Mann, der, beseelt von den edelsten Grundsätzen, unser Kind sicherlich glücklich machen wird! Sie geht keine Mesallianee ein, Letmer ist ihr vollkommen ebenbürtig und —" „Ereifern Sie sich nicht, liebe Schwägerin," unterbrach Alois Braun, seinen gewichsten Schnurrbart streichend; „hätte ich gewußt, daß Sie horchen, so würde ich mich parlamentarischer ausgedrückt haben!" „Ich horchte nicht," entgegnete beleidigt Frau Rosa, „kam vielmehr dazu, als jene unsere Familie beleidigenden Worte sielen. Ich will sie vergessen, Schwager, wenn Sie mir versprechen, Or. Lehner kennen lernen zu wollen: ich weiß, Sie sind in Borurtheilen befangen, Leo wird Sie nie disereditiren, Sw selbst wissen, daß er nie einer unehrenhaften Handlung fähig war. Ich kann schweigen über das, was ich gehört, um seinetwillen, Alois, der sich nach Ihnen sehnt, dessen Herzenswunsch Sie erfüllen müssen!" „Und der wäre?" fragte Alois Braun kalt. „Daß Sie zur Hochzeit unserer Kinder kommen!" „Werthe Schwägerin," sprach Alois Braun nach einigem Nachdenken, „lassen Sie es mich Ihnen offen sagen, gerade jetzt, da ich alle Schritte gethan, um dem Judenthume Valet zu sagen, kann und darf ich der Vermählung meiner Nichte mit einem orthodoxen Rabbiner nicht anwohnen. Mein Bruder erwiese mir einen wahren Freundschaftsdienst, wenn er mich aus dem Spiele ließe Ich habe Pläne vor, die ich als Jude nicht verfolgen kann. Mein Austritt aus der Gemeinde ist bereits ein feit accompli. — Ich weiß, daß Leo es nicht billigt, weshalb also gerade jetzt eine Aussöhnung, wo —" „Sie haben Recht," unterbrach Rosa bebend; „das würde Ihnen Leo nie verzeihen; von einer Aussöhnung kann unter diesen Verhältnissen keine Rede sein!" Kalt grüßend verließ sie das Zimmer; wenige Stunden später führte ein einfacher Miethwagen die in ihren heiligsten Gefühlen gekränkte Frau dem Bahnhofe zu. — So schnell wie möglich wollte sie das Haus meiden, dem nach ihrer Auffassung alle guten Geister fern waren.

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