Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 23 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 23 1885. Jüdisches Hcrausgegebcn von Un. Rahmer in Magdeburg. Jur Unterhaltung n. Mehrung für die israelilislhe Jugend. Uli/ Der siebenarmige Leuchter. Bon Dr. I. Gvldjchmidt-Weilburg. — Versöhnt. Original-Roman voll Iba Barber. IV. Der Brautstand. (Fortsetzung.)— Jüdische Silhouetten aus Galizien. Von Nathan Samuel>>. XX. Erlebnisse einer Zploestcrnachl. l^chlun.) . Indisch-deutsche Redensarten. Bo» Lehrer I. .Herzberg. — Kleine jüdische Charaktcrziige. Zur J»sta^lations-sVeikt ler N!endelssvhn-Lvge des U. C. B. B. — Ans dem Spruchschatz des Talmud. — Räthsel-Ausgaben und Rättpel-Lotungen. Der siebenarmige Leuchter. stum Wochenabschnitl LolinLlosskalro. nnirrrn 'zs -prr m“un m‘2tr ■mr 3 B. M. 36,2. Siebe» Lampe» auf des aoldne» Leuchters Schaft Leuchtete» im Tempel durch die Nächte. Nicht einseitig sei, a » s sch l ic fie nd nicht die Kraft, Viele find vor Gott berufne Knechte. — Doch die ficbe» Lichter sollen ihren Schein Nicht zerstreuen »ach vcrschiednen Seiten .... Sammelt, Menschen, auch in liebendem Verein, Gottlos ist jed' brudermörd'risch Streiten. Und es soll der fiebc» Lichter Strahl zurück Auf des Leuchters Vorderseite fallen, Und der Leuchter selber soll vor jedem Blick Lichtverklärt sein in des Tempels Hallen. > . . Israel, was nützt bas Licht, der schönste Ruhm, Der von deiner Söhne Schaar ausgehet, Wen» der Leuchter nicht, wenn das Iudenthum Nicht verklärt vom Strahl des Lichtes stehet? Dr. I. Goldschmidt - Weilbnrg. Versöhnt! * Original-Roman von Jda Barber. IV. Der Brautstand. Vier Monate waren seitdem vergangen; Lcah hatte jeden Tag Gelegenheit, dem himmlischen Vater vvn Neuem für ihr Glück zu danken. Zwischen ihr und dem Erivählten ihres Herzens gab es nicht etwa jene kleinen Eifersüchteleien und Mißverständnisse, die gar oft den Brautstand trüben; wie er in ihr, sah sie in ihm das Ideal aller Vollkommenheiten. Auf die üblichen, alle Morgen sich erneuenden kostspieligen Brautbouquets und sonstigen luxuriösen Geschenke hatte Leah freiwillig verzichtet, ihr genügte es, wenn Lehner ihr früh ein selbstgepflücktes Blümlein brachte. Bescheiden und würdevoll wie Leah in ihrem äußeren Auftreten, war sic auch, ihrem inueren Wesen nach, ganz dafür geeignet, als Parthie eines Rabbiners die ihr zukommende Stellung auszufüllen. Ihre Freundinnen wunderten sich wohl, weshalb sie, die als einzige Tochter eines wohlhabenden Mannes Ansprüche auf Comfort und Luxus hatte machen können, so einfach austretc, in der Wahl ihrer dcreinstigen Wohnungseinrichtung so überaus bescheiden sei. Ihre Cousine Thekla Horn, die vor einem halben Jahre geheirathet, hatte noch vor der Verlobung beansprucht, daß der einstige Gatte sich verpflichte, ihr Salon, Speis-, Wohn -, Sch lafzimmer einzurichlen, ein elegantes Boudoir, daß er eine Loge im Theater halte, jährliche Reisen mit ihr inache und dcrgleicheit. Von alledem war zwischen Lehner und seiner Braut nie ein Wort gefallen. Lehner hatte nie nach Leahs Mitgift gefragt und als Braun kurz vor der Hochzeit daran ging, die dcreinstigc Wohnung des jungen Paares einzurichten, überließ ihm Dr. Lehner das Arrangement, bat jedoch um die Erlaubniß, die Einrichtuug selbst zahlen zu dürfen, da es ihm Freude mache, seine junge Frau in das von ihm geschaffene Heim einzuführen. Leah fand das ganz in der Ordnung und um ihrem Bräutigam die Freude zu gönnen, Alles aus Eigenem zu schasien, verzichtete sie, da die von Lehner dargebvtene Summe keine große Eleganz gestattete, gern auf manch elegantes Ausstattungsstück, daS ihr der Vater mit Freuden bewilligt hätte. „Er hat Recht," sagte sie. „Es ist des Mannes unwürdig, Alles aus der Hand der Eltern anzunehmen. Mit dem, was er mir bietet, werde ich glücklich sein; ich habe nie begreifen können, wie so manche jungen Frauen nur dann eine angenehme Häuslichkeit zu haben wähnen, wenn sie auf eine Reihe elegant ausgestattcter Zimmer Hinweisen, die den Neid ihrer Gefährtinnen erregt. Als Lehner seine Braut einst aufforderte, mit ihm zu einem Juwelier zu kommen, um nach eigenem Geschmack den Hochzeitsschmuck auszusuchen, war es das erste Mal, daß Leah ihm nicht willfahrte. „Ich habe genug Schnluck," jagte sic abwehrend. „Aber Du wirst mir die Freude nicht versagen, daß auch ich Dir etwas gebe, daß Du als Beweis meiner Liebe werth hältst." „Bedarf cs eines derartigen Beweises?" fragte Leah scherzend. „Sei aufrichtig, Adolf," fuhr sie fort, ihren Arm um seine Schulter legend, „Du glaubst die Mode mitmacheu zu müsse» und auf den Altar der Liebe eine Sumnie für einen Brillantschmuck opfern zu sollen. Ist es nicht so?" „Nein," sagte Lehner ernst; „so unvergänglich wie der Stein, den ich Dir in schönster Fassung bieten möchte, soll unsere Liebe sein! Dieses Wahrzeichen —" „Herzensfreundunterbrach ihn Leah, „meinst Du wirklich, daß der Stein mich an die Unwandelbarkeit unserer Gefühle zu einander mahnen soll? Willst Du, um dies etwa zu erreichen, Hunderte hingeben, die hernach als todtes Kapital im Kasten ruhen? Wenn Du mir wirklich eine Freude machen, mir ein werthvolles Geschenk geben willst," fuhr sie fort, da sie sah, daß ihre Ablehnung ihn zu verletzen schien, „so werde ich Dich um einen andern Schmuck bitten. Du zeigtest mir einst, als wir Deine Jugendschriften durchsahen, ein Kästchen, das Du als Erbtheil Deiner Mutter erhalten. Ich weiß, daß Du großen Werth aus dasselbe legst; laß mich das Andenken Deiner Mutter ehren, indeni ich ihr zu Liebe den Schinuck an ineinem Ehrentage anlege, den sie einst getragen. „O Leah," rief Dr. Lehner im Gefühl höchsten Glücks, „wie weißt Du in meinen Zügen zu lesen! Auch ich habe oft gewünscht, an Deinem Haupte einst jene Steine leuchten zu scheu, die die selige Mutter mit überirdischem Glanze umstrahlten, doch durfte ich Dir den alten, unmodernen Schmuck