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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 22 (1885) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
22 (1885)
Date
1885-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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r \o 22. Jüdisches 1885. u»Üin*|/*// . IL ... .< .1.. V* . I 111 (A* * . _K. -4^ Jur Mrrhultung u.Sklkhrung für die israelitischk Jugend. Inhalt Ter wabrc Glaube. Bo» I. Hcrzberg.— Bersöhnt. Original-Roman von Iba Barbcr. III. Der Briinttgam. <<.rortietnmg,) — Jüdische Zilboucttcu aus Galizien. Bon Naihan Eamuely. XX. Erlebnisse einer Slsloestcrnacht. s^orlsctzung) Zurizchdeulschc lliedeusarlc». Bon Lehrer I. Herzberg. — Allerlei für den Familienlisch: Eine Lag be-Lmcr-^eier. über Apiou. — Abraham ein Strebet! — Riithsel-Ausgabcn und Räthsel-Lösungen. ..oniiuieu Der wahre Glaube. „Was ist Dein Klaube wahr »ud rein? Ist es ei» Klaub', voll Z-eindscliaft, Hast, Der schmähet ohne Unterlast, Der de», der ihn bekennt, nur liebt, Ihm nur den Zoll der Achtung giebt? — „Der heil'ges Menschenrecht verletzt, Die Briider aufeinander hetzt, Des Nächste» spottet, ihn verhöhnt, I» de», die Duldsamkeit verpönt? — „Ist es ein Klaub', der Seligkeit Nur dem verheistt, der ihm sich weiht, Der de», der in ihm Heil nicht sucht, Verdammt, verachtet und verflucht?" — „Nein: »er ist's, »er nur Liebe kennt, Die Menschen alle Briider nennt, Die Wahrheit liebt, die Falschheit hafit, Mit Lug und Trug sich nicht besastt! „Der Kott als Vater Aller ehrt; Der Seligkeit auch dem gewährt, Der nicht »ach seiner Satzung lebt, Wen» er nur nach der Tugend strebt! „Der nach des heil'gen Sehers Mnnd Die Menschheit eint znm ssriedensbnnd." Wenn einst gekommen jene Zeit, Da endet sfeindschaft, endet Leid! I. Herzberg. Versöhnt! 3 Original-Roman vou Iba B.irber. III. Der Bräutigam. Wir (Tftnmit war Leah, als sic des andern Tages nach dem Gottesdienste den Vater mit vr. Lehner das Hans vctreten sah. Sie war wie mit Blnt übergossen und flüchtete sich, um in diesein Zustande hochgradiger Aufregung von Lehner nicht gesehen zu werden, in das an den Salon anstoßende Cabinct, daß von dem crsteren nur durch eine Portiere getrennt war. Von hier sah sic, wie die beiden Männer ans dem Sopha Platz nahmen, sie hörte jedes Wort der Unterhaltung und hoch klopfte ihr Herz, als sie dem Vater jetzt sagen hörte: „Ich habe Sie gebeten, Herr Doctor, mit mir zu k«nmcn, weil ich Ihren Rath und Ihre Mitwirkung in einer sehr ernsten Angelegenheit erbitten will. — Meine Leah ist jetzt 18 Jahr; sic hat mehrerlei Anträge, die sehr annehmbar sind, weist jedoch alle energisch zurück! Sie hatten zur Zeit, als sie noch Ihre Schülerin war, einen großen Einfluß auf sie; würden Sie es unternehmen, — dem ftiitbc auch heute noch seine Pflichten klar zu machen, ihr ein wenig in's Gewissen zu reden, daß sie dem Wunsche der Eltern folgen" — „Verlangen Sic nichts Unmögliches von mir", sagte vr. Lehner auffallend ernst; „Ihre Leah hat einen so gereiften Verstand, einen so klaren Blick, daß Sie getrost, ohne cs bereuen zu müssen, sie selbst ihren Zukünftigen wählen lassen können. Soweit ich sie kenne, wird ihre Wahl nie auf einen Unwürdigen fallen!" „Ich hätte wahrlich von ihrer Freundschaft erwartet", sagte anscheinend verstimmt Leo Braun, „daß Sic es wenigstens versuchen, dem Mädchen den Standpunkt klar zu machen. Sie hat zu Ihnen ein unbedingtes Vertrauen, ist Ihnen noch heut, wie damals, als Sie sie unterrichteten, mit unbedingter Anhänglichkeit ergeben, ich zweifle nicht, daß Ihre Worte Eindruck aus sie machen werden!" — „Noch einmal bitte ich Sie" sagte erregt vr. Lehner, „erlassen S>e mir diese Unterredung! In jedem andern Falle stehe ich gern zu Diensten, doch" — er hielt innc, offenbar fürchtend, seine Selbstbeherrschung zu verlieren. — „Nun, so werde ich Leah zwingen, morgen Ephraim Schlinger das Jawort zu geben" sagte Leo Braun einen Ernst affectircnd, der ihm vollständig fremd war. — „Ihm, ihm wollte» Sie Ihre Leah" — rief vr. Lehner erbleichend. „O, versündigen Sie sich nicht" rief er bittend seine Hände ergreifend, „ihm, diesem elenden, jeder besseren Regung baaren Geldmenscheu, wollten Sie die schönste Rose an Juda's Stamm, ihm wollten Sie Ihre Leah geben?" „O Dank, tausend Dank, Doctor für dieses Wort" rief Leah jetzt hocherregt vortretend. — Ich glaubte das Unheil schon abgewendct und sehe nun, daß der Vater, der sonst so verständige, gemüthvolle Vater in diesen! Punkte keine Einsicht kennt und mich zwingen will" — Thränen entstürzten unaufhaltbar ihren Augen, sie konnte nicht vollenden, „Weinen Sie nicht, Leah" sagte vr. Lehner tief erregt; und ohne daß er es selbst wußte, setzte er hinzu: „Mein Herzblut gäbe ich hin, könnte ich Sie glücklich sehen, Sie glauben, ahnen nicht, wie sehr ich all' die seltenen herrlichen Eigenschaften Ihres Geistes uud Herzens schätze; glücklich der Mann, der ein solches Weib dereinst sein eigen nennt; iudeß, gerade weil Sie Ihren eigenen Werth haben, bleiben Sie standhaft." — „Meinen Werth?" unterbrach Leah uuglänbig; der ist wohl nur gering, aber daß ich es offen sage, ich bin mir — ja Ihre Worte geben mir den Muth, es auszusprcchen — der Liebe zu einem edlen, guten Menschen bewußt, weiß, daß ich nicht ohne ihn leben kann und deshalb Doctor bin ich in Conflict mit meinen Eltern." „Und darf ich wissen, Leah," fragte vr. Lehner bebend, „wo jener Mann ist, dem — dem Sie einen Platz in Ihrem Herzen" — „Das fragen Sie, Doctor?" unterbrach Leah, während Thränen ihre Äugen netzten. _ Der Doctor kämpfte einen gewaltigen Kampf mit sich selbst; am liebsten hätte er das Mädchen augenblicklich in seine Arme gezogen, doch die Stimme der Pflicht gebot ihm, sich zu beherrschen. Jetzt, da sein Blick auf Leo Braun fiel uud er die Thränen der Rührung im Auge des alten Mannes sah, verstand er Alles; mit wahrem jUngestüm stürzte er auf Leah zu, drückte sie mit langverhaltencr In» s i!

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