Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 21 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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83 — wmWt t ““Wommen, S'° «eide h inÄ’“ n7 SA bei Ht Niechj» “°u GesM gehnndelt, „ ,n der Sen' -Au laitnft i ** M Der “"reden m,ll eu jedes recht! u jest iiber^ >erjenigen ' dehalten; Ute eines solchen j>e spmch letzt gerührt in >“g>e sie, ihre tler Berbtendung ", Erhalte Dir tnd Deine Enron nützen müsse echt, reine Liebe >e des Mannes, seinen Gunsten i von so lauteren i Rumen, Liebe M stets entch es Ämaird istimmung ihrer entgegnete da fies ©nfommen leißt nicht, was junge Mädchen, Heini erwiderte, iohn überreden xrbsen, als mit; I sie doch bange! ■er Eltern Ein- | Eltern durch- > che» dürse, um; müsse, wohlgepslegten, . tten Kopse jnr . st glauben, dag ' von ihm des ,rde i der eitle!r rtend, »aherte > m spielen nnd |. ien, mußte er;; jließlich sein" | te dein illdanut- 1 ^auszudrü-k-"^ . I „Glauben Sic wirklich", brachte sie endlich mühsam hervor; „ich könnte einem Manne, dessen Thun und Handeln ich nicht billige, angehören wollen?" „Ich verstehe Sie nicht", erwiderte Schlinger erbleichend, „dars ich nur um Aufklärung Ihrer Worte bitten? Man muß mich bei Ihnen verleumdet haben?" — „Verleumdet?" fragte Leah achsclzuckcn, „wohl kaum; man hat inir die nackte Wahrheit erzählt". „Wer? wer?" forschte Schlinger drängend. „Meine Lehrerin, Frau Roth" entgegnete Leah, sich an den Eindruck weidend, den diese Worte auf den Banquicr machte», „Was will sic von mir? Was kann sie gesagt haben?" entgegnete Schlinger verwirrt, „Sie hat mir nur erzählt", entgegnete Leah, jedes Wort scharf accentuirend, „daß all' das Geld, das sie mühsam im Verlaufe von 3 Jahren zusammengespart, in Ihren Händen geblieben ist; daß Sie an der Börse für sic Käufe und Verkäufe fingirt haben, ihr dann Rechnungen gesandt, daß ihr Eonto mit so und so viel belastet sei, daß, als sie endlich zu der Einsicht gekommen, daß sie besser thäte, das Speculircn aufzugeben, ihr Depot znrllckverlangte, Sie ihr selbiges nicht ausfolgen wollten, Depot-Scheine verlangte», die Sie ihr factisch nicht ausgestellt, daß Sie die arme Frau so in Ihrer Gewalt behielten nnd — bis auf den letzten Kreuzer ausgeplündcrt haben." „Das geht zu weit!" rief Schlinger wuthschäumend. „Diese elende Verlüumderin, die cs mir danken ,sollte, daß ich ihr Geld jahrelang verwaltet! Doch ich werde sie zur Rechenschaft ziehen, ihr klar machen" — „Und die Familie Kern imd der alte Major Forkcrt, die bei Ihnen ihr Geld verloren?" unterbrach Leah. „Ich habe so mancherlei erzählen hören, das mich, ich gestehe es offen, sehr gegen Sie eingenommen. Ich beneide Sie weder um Ihren Reichthum, noch um Ihre" — „Ich danke, danke, mein Fräulein," unterbrach Schlinger; „da ich nicht hicrhergekommen bin, uni von Ihnen Moralpredigten zu hören, ziehe ich es vor, mich Ihnen zu empfehlen!" Leah athmetc erleichtert auf, als der widerwärtige Mensch sic verlassen, Bon den Ihrigen befragt, was vorgefallen, theilte sie unumwunden den Inhalt ihres Gesprächs mit. Der sonst so nachsichtige Vater, der namentlich der Tochter gegenüber nie ein tadelndes Wort laut werden ließ, schien denn doch aufs Höchste indignirt, „Ich begreife Dich nicht, Leah," sagte er im Tone ernsten Vorwurfs, wie Du einen Mann, der in der Achtung Aller so hoch steht, dcnnoch wie einen Schulbuben abkanzeln kannst. Der Maaßstab, den Du anlcgst" — „Verzeihe, lieber Vater, wenn ich Dich unterbreche," nahm Leah ernst das Wort, „So jung ich bin, so wenig es mir wohl zusicht, in Geschüftssachen ein Urthcil zu haben, ich konnte mich nicht enthalten, jenem Mann, den ich an dem Unglück Vieler L-chuld weiß, meine Meinung zu sagen. Er hat mich beleidigt, indem er annahm, daß mir sein Geld imponire» sollte; ich verkaufe mich nicht! Was ich ihm gesagt, war nur die lautere Wahrheit; ich hoffe ihm dadurch ein für alle Mal klar gemacht zu haben, daß Leah Braun sich für zu ehrenhaft hält, einem Mann, der durch so schändliche Manipulationen zu seinem Reichthum gelangt, anzugehören!" — Verstimmt und mißmuthig traten Leah's Eltern den Heimweg an, sie selbst aber war, als ob sie eine herrische That gethan, seelcnfroh. Jndeß der sie momentan belebende Muth schwand bald, als die Eltern ihrer Neigung ernsten Widerstand entgegensetzten. Wiederholt hieß es : „Was wird der Onkel Alois sagen, wenn Du einen simpel» Cultusbeamten heirathest? Spricht man doch davon, daß seine Tochter gar einem Baron vermählt werden soll, der Orden und Ehren und große Reichthümer hat!" „Ich wünsche Jlka von Herzen Glück" sagte Leah uneingeschüchtert. „Sie ist wie ihr Vater, ehrgeizig und strebt nach Rang und Reichthum, ohne auf die Regungen ihres Herzens zu achten; mir genügt ein ruhiges, friedliches Heim, wenn ich das Glück habe, an der Seite eines Mannes, dem ich mit Stolz angehöre, leben zu können." Leah schien endlich durch die vielen, kleinen Scharmützel überwunden, sie ward von Tag zu Tag bleicher, der Arzt rieth den Eltern, Leah's Seelenzustand in Erwägung zu ziehen, da bei ihrem Leiden weder Medicamente, noch der beabsichtigtigte Landaufenthalt nützen werde. Bis jetzt wußte man aber tharsüchlich noch nicht, ob vr. Lehner Leah's Neigung erwidere. Weder durch Wort noch Blick hatte er sie je ermuthigt, er war sogar seit etlichen Monaten dem sonst so gastfreien Hause fast fern geblieben. „Wir können sie ihm doch nicht antragen" hatte die Mutter gesagt, als der Vater meinte, man werde doch wohl, da Leah auffallend schlecht aussehc, nachgeben müssen. „Ich werde morgen nach der Predigt dem Herrn Doctor den Puls fühlen!" sagte Leo Braun; „so viel Menschenkenner bin ich auch, daß ich, nach dem ich mit ihm gesprochen, lvissen werde, was zu thun ist. (Fortsetzung folgt.) Jüdische Silhouette« aus Gnlixien. Bon Nathan Samuely. XX. Erlebnisse einer Sylvesternacht. (Fortsetzung.) Vor Angst will nur das Herz schier stille stehen. Eine breite unermeßliche Wasserwüste liegt der Himmel ausgegossen, kein Stern, ja kein Wolkenriß zeigt sich oben in der grauen Einöde, die so leer und leblos ist, wie unten die Erde, über welche eine blanke Decke frischgefallenen Schnees sich ausbreitet, die jede Spur einer Straße verwischt. Auch kein Laut ist weither zu vernehmen, höchstens das unheimliche Geklapper der dürren mit Reif bedeckten Zweige, die wie fleischlose Knochenarme eines Gerippes sich in die Höhe strecken, und hin und wieder das widerliche Gekreisch einer Nachteule. Ich fange an mich durch die verwehten Straßen dahinzuarbeiten und fast auf jedem Schritte versinke ich knietief in Schnee. Deßungeachtet suche ich, soweit es geht, mich vorwärts zu bringen, ohne selber zu wissen, welche Richtung ich einschlage. Horch, da raschelt» in der Luft — etwas wie eine fliegende Ratte, gelb, zackig, mit tausend Krabbelbeincn und immer näher nimmt's die Richtung gerade meinem Gesichte zu. Im tanzenden Wirbelfluge kommt es näher und immer näher. Ich mußte vor Angst die Augen schließen — aber krabbelts nicht schon auf meinem Gesichte herum? Mehr nur maschinenmäßig greif' ich zu und schon fühle ich das Scheußliche mir plump in der Hand liege». Ich suchte cs abzuschüttcln. Ich schüttle und rüttle, doch wie eine Klette klammert es sich an mich, feucht und widerlich. Ich that mir Zwang an und riß die Augen auf, da wollte ich über meine alberne Angst schier laut auflachen — es war ein feuchter Papierfetzen, den der Wind dahertrug. Und vorwärts arbeite ich mich durch den Schnee, in dem ich tiefe Spuren meiner Fußsohlen zurückließ, ja bisweilen zog ich aus demselben einen ganz nackten Fuß hervor, indem der ganz durchnäßte Stiefel mir vom Fuße herunterglitt und in dem abgrundlosen Schnee stecken blieb, was nicht geringe Mühe mir verursachte diesen wieder hervorzugraben und auf dem Fluß zu bringen. Aber waS bleibt anders übrig? Ich schleppe mich weiter fort. Sieh, was ist es, das sich dort von der dunklen Querstraße langsam daherbewegt? Ja, ein Punkt, ein gespenstisch rollender Punkt. Und immer größer, voller und deutlicher bewegt sich der schreckliche Punkt heran; und jetzt sehe ich —