Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 21 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 21. Jüdisches 1885. -#53* Jur Unterhaltung u. Belehrung für die israelitische Jugend. ®« Sreinwmrer« Dccalog. Zum Feste der Verkündigung der Zehugebotc. — Versöhnt, Dtugiiml-Roman von Iba, Bar t fl f I II. Die Braut kFortsctzung.) — Jüdische Silhouetten ans Galizien. Von Nathan S a m u c lh. XX. Erlebmsst einer wyivestcniaqt. ^nyau. (Fortsetzung.) — allerlei sür den Familicntisch: Sigismund August. — Zwei Baderege-Ancedoten. — Räthsel-?lusgabei und RäthsclLösungen. Des Areimaurers Aecat'og.*) Zum Feste der Verkündigung der Zehngebote allen „B'nai B’rith“ gewidmet. I. Gott, der allmächtige Baumeister. Ich bin der Belten großer Meister, Das Universum ist mein Bau; Ich schuf die Körper, tvie die Geister, Die Sternenflur, die Bluinenau. Ten Maurer schns ich mir zum Bilde, Daß er mir gleich' au Lieb' und Milde. II. Gott ei» Geist — einer für Alle. Es betet an die nichtigsten Gestalten Ter irdische, bei nngcweihte Sinn; Ter Maurer iitßt den blöden Sinn nicht ivalten Denn die B c r n n n s t ist — seine Königin. Im Osten glänzt ihm Eine Sonne Mit ihrer scl'gcn HimmclSivonnc. kein Trugbild und lein Wayngebilde Sicht man auf seine»! Hochaltar; Sei nGottgehörctk ein er Gilde, — Der Völker und der Welten Schaar Trägt er an seinem Vaterherzen, Fühlt ihre Freuden, ihre Schmerze»; Ten großen Meister beten an Ter Jnd' und Christ und Muselmann. III. Sei verschwiegen! Des Maurers Wort oerrathe uinimer Was er gehört, ivas er geschaut; Und dreimal heilig bleib' ihm immer, Was ihm der Meister anvertraut. Verachtung trifft die Ungetreuen, Die je den Eid, das Wort entweihen! IV. Stille Einkehr bei dir selbst. Soll dein Werk gelingen, eil der Bau dir bringen; ehre öfters bei dir ein, Prüsc streng und prllse sein; Ob die Kunst der Maurerci Ju dem Leben sichtbar sei; Ob du wirklich frei geworden In dem freien Bruderorden, Frei von Vorurtheil und Wahn, Von der Amme einst cmpfah'n; Ob die „Weisheit" du erkannt, Ob sür sic dein Herz entbrannt; Ob an Kraft und heil'gcr „Stärke" Viel gewonnen deine Werke; Ob die „Schönheit" deine Thaten Zier'; ob allen deinen Saaten Deiner Brüder Heil entsprieße Und vom Segen überfließc; Ob der Säulen heil'ge drei. Stützen deines Tempels sei. — Nur den inn'ren Richter frage An dem Gott geweihten Tage; Laß dein Herz dir Antwort geben, Wie es steht — um Maurerseben. V. Liebe bei» Vaterland. So heiß das Herz erglühst und schlägt Der Mutter, die dich saust gepflegt; So heiß ergliih's dem Heimathland, Wo einstens deine Wiege stand; Umsass' es treu, unifaff" cs ivarm, Ihm weihe deinen starken Arm. — Die Mutter rufet ihrem Sohn; — Bcsitz'st du einen Kaiserthron, Verlasse ihn! — Die Mutter weint, Die Kinder eilen allvcreint Und ivollen ihr das Leben weihen, Gefahr nicht und den Tod nicht scheuen: Der echte Maurer zittert nicht, Erwählt de» Tod — ist Sterben Pflicht. Er stirbt für's theurc Vaterland, Und reicht noch sterbend ihm die Hand. VI. Nimm dich der Unschuld an. Es weint die Unschuld, hart gekränkt, Die Blum' ihr Haupt zur Erde senkt — O Maurer, Maurer dulde nicht Der Unschuld Mord, Auch nicht im Wort! Sie schützen, rächen ist die Pflicht! VII. Metze die Wollust. Der edelste der Triebe, Die keusche, hcil'ge Liebe, Sie füllt des Maurers Brust — Doch flieh' die nied're Lust, In die der Thor versunken. Vom süßen Gifte trunken Wird er der Würmer früher Raub, Beim Leben schon — ein Leichenstaub. VIII. Halte Maaß. i Nicht bei der Fülle wohnt das Glück, t Vermählt sich mit deni Rcichthum nicht: « Drum nicht in's Weite schweift der Blick | Des echten Maurers; doch gebricht! Es ihm an keinem, keinem Gut!? Der echte Maurer hat den Mnth, sj Im Ucberflussc zu entbehren; -i Drum kann er auch dem Mangel ivehren! I Und Schätze bergen leine Brust, s Erhaben über Raum und Zeit, j Er lebt in steter Herzenslust — j Sein Reichtum heißt — Genügsamkeit. IX. Heilig sei das Wort. Tiefe Wundctl schlägt das Schwert; Tics'rc Wunden schlägt das Wort, Schlägt das böse, gist'ge Wort, Das des Bruders Glück zerstört, Und, ein scharj gespitzter Pfeil, Ihm sein Leben oft verheert. Höret Maurer! nur zum Heil Ist das Wort euch auvertrauet; Nie zertrümmert! Immer bauet! X. Rein sei das Innere. Gleich wie des Maurers fleckenlos Geivand, Das er empsahn aus Meisters Hand, Sei lauter immer sein Gemüth, Voll Unschuld und voll Engclsgüt'. Und keine gist'ge Sinnenlust Entweihe, Maurer! deine Brust! Kein Flecken und kein Fehl' Entweih' die reine Seel'! *j Von Br. Gotthvld Salomon, weiland Prediger an, Hamburger Tempel Hamburg', Er wurde 1837 in Franksurt a. M. in den Bund des Freimaurerordens bekleidete m derselben einen hohen Grad. sgeb. 1. Nov. 1784 in Sandcrsleben, gest. 17. Nov. 1862 in (Loge „zur ausgehenden Morgcnröthe") ausgenommen und