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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 20 (1885) · p. Seite 79

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
20 (1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
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— 79 — inf, ®m?hge jer bt 'Affeln.? bf? "blich ib d-sstn (ti 5 .°'«h M °"P>gknSörp m!ch mu bearbeitfnb - -mnlchMchm d'ksm traurigen ldgebuug meintr mit die 'Sorte »terbeffen jedes »uf meinem itmibirte. „fc ^Nochmals dorn es beim besten ich mit Dir ein »d mit diesem itigen Ruck von! Zimmers hindie ich au dem i Rabbi erhielt uerttorft, oder Mrazes m uer ^ineinquoU, tjaben sich sarttch und nach in Herz und Seele )en täiineu, daß as non seinem ) scheu in ein ich. Indes - i tuiri) morgen tot Tags werde Milhialen eines n ganzen Tag n jener düsteru hörnern mich aufspießte, zwischen den Kinder umherumtrug, die mit ängstlichem Schrei ihm aus dem Wege liefen während ich armer, wie eine Fliege unter den Fängen der Spinne, mit Händen und Füßen zappelte, — Horch, da poltert's mitten drin an den Fenstern, wo ich meinen Namen aufrufen höre. Der „Belfer" ist es, der mich auszuwecken kam, und schon steht er vor meinem Bette, wo er mit seiner Laterne mir ins schlafende Antlitz hineiuleuchtet. Aufgeschreckt durch den grellen Lichtschein, fahre ich empor, reiße gewaltsam die verschlafenen Augen auf, aber übermannt vom Schlafe sinke ich aus die zweite Seite zurück, wo aber schon wieder der grelle Lichtschein inir in die Augen sticht und die Rabenstimme des „Belfers" immer nnheiurlicher in die Ohren kreischt: Ausstehe»! Ausstehen! — Mit aller Gewalt raffe ich mich auf, kleide mich an, sprenge mir ein bischen Wasser ins Gesicht, »rurmle das Morgengebet und fort geht es aus der warmen Stube in die kalte, finstere Gasse, wo der Belfer, der sich mit seiner Laterne entfernt, um auch ' die andern Kinder aufzuwecken, mich mutterseelen allein , zurückläßt , , , _ (Fortsetzung folgt) Eine jüdische Schöpfung. Ich möchte an dieser Stelle heute einmal einer Institution kurze Erwähnung lhun, die zwar nicht speeifisch oder besser nicht vorwiegend jüdisch ist, die aber jüdischem Herzen und jüdischem Geiste ihre Entstehung, ihre Entwicklung und ihre jetzige Blllthe verdankt, die auf das Segensreichste fortwirkt, und Millionen voti Menschen zu großer Wohlthat geworden ist;; ich meine die Berliner Volksküchen der geistvollen, mit einer seltenen Energie begabte» Frau Lina Morgenstern. Wie viel Noth und Elend haben diese großartigen Anstalten, die sich von Anfang an der hochherzigsten Protection und Unterstützung unserer erhabetten Kaiserin erfreuren, in den 19 Jahren ihres Bestehens gelindert uird verhindert und wie anregend und fruchtbringend haben sie gewirkt über die Grenzen Deutschlands hinaus. Blau denke sie sich nur einmal hinweg aus dem Gefüge unserer so rapide zur Weltstadt . herangewachsenen Metropole und wer ein Verständniß hat i für die Sorge» und Kämpfe aller jener dürftigen Existenzen, die IS zwar arm und deren Tasche leer oder mit den allerbescheidensten Mitteln ausgestattet, die aber unendlich weit geschieden sind, von jenen mittellosen aber zerlumpten Gestalten, die durch Bettel oder Laster sich mit ihrer Lage abzufinden tvissetr uird deren ohne die große Schöpfung Lina Morgenstern's ihrer Tausende und Abertausende dem Elend in die Arme getrieben wären, s Man spricht jetzt so viel von den Arbeiter-Colonien i und preist mit Recht ihre Wirke,t, aber wahrlich die Volkss küchen sind eine nicht minder tverthvolle Schöpfung, meines Erachtens sogar ihnen weit überlegen. Dennoch möchte man die eine gern über Gebühr geschätzt wissen, weil jener edle Menschenfreund, der sie erdacht zufällig und zugleich ein frommer evangelischer Geistlicher und die Schöpferin dieser eine edle — Jüdin ist. Es giebt wohl kein treffenderes und , traurigeres Beispiel für die ungesunde und unwahre Art und Weise, mit tvelcher man alles und sei's das Beste selbst, was jüdischem Geiste und Herzen seine Entstehung verdankt, angreift, anfeindet und verlästert, als die zahl- und maßlosen Wrderwärtigkeiten, Verdächtigungen und Heininniffe, die man antisemitischerseits seit der Aera Stöcker-Pickenbach und Genossen den Bestrebungen und Schöpfungen dieser großherzigen Menschenfreundin entgegensetzte. Dennoch ist der Bau zu mächtig und gefestet, um solcher Minirarbeit zum; Opfer fallen zu können, Zahlen beweisen bekanntlich und | )° mag hier denn aus dem vorliegenden Geschäfts-Bericht!! nur noch erwähnt sein, daß allein der Consum der Mittags- ' Portionen, die im abgeschlossenen Geschäftsjahr verabreicht! wurden, sich auf 2,017.744 Portionen, der der Abendportionen j ttch auf 83,494 Portionen bezifferte. Mehrere s, g, Knaben- - und Mädchenhorte Berlin's, eine Arbeitereolonie, der Verein , sur entlassene Sträflinge, die Handwerker-Abtheilung des Garde-Fuß-Artillerie-Regiments haben ihre Speisen aus den Volksküchen bezogen. Der Verein hatte im verflossenen Jahre ein Reichsbank-Depvt von 88,300 Mk., während 10,000 Mk. flüssig erhalten wurden. Der Betrieb ergab eine Gesammteinnahme von 324479,68 Mk. Der Reservefonds, in Staatspapieren angelegt, hat die Höhe von 100,814 Mk, erreicht. Schon diese wenigen Zahlen dürften völlig genügen um die Dimensionen dieses großartigen Vereins zu markiren. Er zweigt sich in 15 Volksküchen, auf die Centreir der Stadt bestens vertheilt, ab, die musterhaft geleitet rverdeu, und an bereit Spitze je eine Anzahl Ehrendamen stehen, die das Ganze, Speisen, Bedienung und Personal überwachen und eontroliren. Es freute uns auch hierunter eine verhältnißmäßig sehr große Anzahl von Glaubensgenossinnen zu finden, desgleichen unter den Aerzten des Vereins, die ihre Thätigkeit demselben ohne Entgelt zu Theil werden lassen. Freilich wissen auch hier die Herren Antisemiten und Genossen ganz genau, daß dieses Alles nur aus Eitelkeit und des Scheines wegen geschieht, daß sogar Eigennutz verborgen mit im Spiele sei, und daß man demnach das Ganze bekämpfen müsse. Es geht diesen Ehrenmännern in solchen Dingen wie der Frau Mathilde Heine, die als man sie einst beneidenswerth fand, eine» so geistreichen Mann zu haben, ganz ernsthaft erwiderte, es sei das gar nicht so, Henry sei im Hause eigentlich sehr trocken, nur wenn Gäste kämen, verstelle er sich und sei geistreich. Frau Morgenstern aber wird unbekümmert um dieses Gelichter unentwegt ihres Weges weiter gehen und wie wir hoffen und wünschen zum Segen Hunderttausender noch lange Zeit in gewohnter Energie und Frische die leitende Seele ihres großen Werkes sein, Max Weinberg. Allerlei sur den Familientisch. Petersburg Die nicht geringe Zahl der russischen Sekten ist um eine weitere, die sich „Stunda" nennt (von dem deutschen Wort „Stunde", Stuudenandacht), vermehrt worden. Die zahlreichen Anhänger dieser neuen Sekte wollen nicht nur die Kirche mit allen ihren Ceremonien, sondern auch die weltliche Macht der Regierung und die Autorität der geistlichen und weltlichen Behörde auf der Erde nicht anerkennen.. Alle von Seiten der Russischen Behörde bis jetzt gegen die „Stundisten" ergriffenen Maßregeln erwiesen sich als erfolglos, und die Stunda gewinnt namentlich in Süd- und Südwest-Rußland, immer mehr Anhänger, In Anbetracht dessen sah sich die hiesige „heilige Synode" vor einigen Monaten schon gezwungen, nach Kiew einen Kongreß der Süd- und Südwest-Russischen orthodoxen Metropoliten, Erzbischöfe und Bischöfe einzuberufen und dieselben über Mittel berathen zu lassen, mit welchen die der Kirche, wie dem Staate gleich gefährlichen Stundisten am leichtesten unschädlich gemacht werden könnten. Dieser Kongreß hat jüngst einen „Hirtenbrief" verfaßt und in ganz Rußland verbreitet, in welchem es unter Anderem heißt: „Indem wir uns über die gläubigen Kinder freuen, empfinden wir auch Kummer über Sündigende im Glauben, Besonders empfinden wir darüber Kummer, daß in unserem Lande, in welchem seit jeher impvrtirte falsche Lehren existiren, auch neue aufgetaucht sind. Frenide Einwanderer, welche sich in unserem Lande niedergelassen haben, brachten auch unrichtige Glaubensarten, welche sie von ihren Ahnen geerbt, mit sich. Unter diesen Glaubensarten giebt es solche, welche noch von den alten Coneilien und den heiligen Vätern vernrtheilt wurden. Aus der Mitte dieser Häretiker gingen hervor und tauchen gegenivärtig neue Häretiker, welche jetzt überall unter dem Namen der Stundisten bekannt sind, auf. Sie bringen in unsere orthodoxe Gesellschaft Entzweiung und Unruhe; die Einen verleiten sie zu ihrer Häresie, indem sie ihnen materiellen Vortheil in Aussicht stellen, und die Anderen durch Drohungen unv Gewalt; sie versprechen das, was nicht erfüllbar ist, zum Beispiele den für Me gleichen Besitz des Bodens, die gleich-

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