Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 20 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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1885 El. El. i - I Stell', i mell.! IM. AM r. 18. .77klel. h. nchligüiW°p>i -ilachtlik» ~ .'„Me Ueterck>!t de« w» " ' llebei^wg (P „cm 9|ncr <”-!K„ Siebet >%$ *? ff*#* Willis ietz» 3 S;„;®i««tt .«? 20.*) Jüdisches L^AUikll-K/s// « «i I I «I ( I ../f‘ V* . ... . J üll'X^ An die Judenbekehrer. Lion vr. I. Goldschmidt-Weilburg. — Versöhnt. Original-Roman von Jda Barber. I Tie Brn- CVtrhrtlf* der. — Indische Silhouetten aus Galizien. Von Naihan Samuely. XX. Erlebnisse einer Ststvesteniachl. — Eine Mache «chopsung. Vvn 3)1^' Scuiberg. — Allerlei fitv den Familienlisch: Petersburg. — (Sine poetische (?) Blsmorck--Gratulation. Des Sohnes Rückkehr'. Bon A. Labor. — Ans dem Spruchschatz des Talmud. — Rathsel-Aufgabcn und Räthsel-Lösungen. An die Judenbekehrer! Lag' euch daran, dir Welt zu »nireii, Ihr könntet vielleicht das Ziel erringen; Allein ihr wollt sic «niformircn: Dies Kunststück kann wahrlich cuch »immer gelinge». Die Einheit der göttlichen Lehren und Norme», Wird als Ziel jedes redliche Strebe« bcmeistern; Jedoch die (Einheit der . . . tt n i formen, Kan» sie je eine» Gute», Vcrniinftgen begeistern. Israel sollte die Mensche» belehren, Das, tief im »erzen sie Gott e r kenne»; Das <?hristc»thum will die Menschen bekehren, Dafi Gott sic bekennen und Fristen sich nenne», l? r kcnntnifi kan» niemals den Lehren der Liebe, Des Rechts »nd der Wahrheit znwidcrlaufen; Bekenntnis; machet die Wahrheit trübe Und führet zn.Folter »nd Scheiterhaufen.- Seht wie im deutschen Naterlande ikine Armee beschützet de» Friede»; Sic ist geeint mit dem innigsten Bande, Sind auch ihre Nniforme» verschiede». O Ehristeilthum, dast dich dies Beispiel leite: Sei gleich deiner Mutter der Menschheit Lehrer! Bekenntnis, ist Kleid - Srkenntnifi verbreite! Fluch säe» »nd Zwiespalt der Menschheit Bekehrer! vr. I. Goldschmidl-Weilburg. Versöhnt! Original-Roman von Jda Barber. ' I. Die Brüder. Im traulich gemüthlichen Familienstübchen sitzen, nachdem das Geschäft geschlossen, die Mitglieder der Familie Leo Braun's versammelt. Sie wollen in einer wichtigen Angelegenheit einen Beschluß fassen. Die alte Feindschaft, die seit beinahe 10 Jahren Leo Braun von seinem Bruder, dem Chef des Großhandlungs- Hauses Alois Braun & Co., trennt, soll überbrückt werden. Anlaß ist die bevorstehende Vermählung der einzigen Tochter Lco's mit dem Prediger der Gemeinde, dem allbeliebten und im ganzen Orte verehrten Doctor Lchner. Leo Braun ist Gemüthsmcnsch durch und durch; mit tiefem Schmerz empfindet er, daß der Bruder, der sich eines Wortwechsels wegen von ihm abgewandt, ihm im Laufe des Jahres gan; mtfremdet worden. Thräne.. feuchten das Auge des sonst festen Mannes, wenn er der ehemaligen Freundschaft gedenkt. — Alois scheint ihn ganz vergessen zu haben; er wohnt an einem fernen Ort, ist ein sehr reicher Mann geworden, verkehrt in adligen Kreisen und hat wohl keine Zeit, des Bruders zu gedenken, dessen Herz ob der entstandenen Feindschaft wie von einer kiafienden Wunde blutet. Die Söhne, des Vaters geheimen Schmerz, sein ungestilltes Sehnen kennend, suchen die Mutter zu beeinflussen, die Einladung zur Hochzeit dem Onkel zu überbringen und eine Aussöhnung anzubahnen. ") In voriger Nr. muß es 1» statt 18 heißen. Frau Rosa fürchtet, von dem Schwager kalt abgewiesen zu werden; sie kann sich, seitdem er, wie sie meint stolz und fast gcringschätzend geworden, kein Herz zu ihm fassen. „Dich weißt man nicht ab, Mutterlieb," bittet Jacob, der älteste Sohn; „Du verstehst es, gut und lieb mit den Leuten zu sprechen, die Tante Rachel hat Dich gern, Ihr wäret ja ehedem ein Herz und eine Seele!" „Ja, mein Kind," entgegnete Frau Rosa, „das war damals, als die Tante sich eben noch Tante Rachel nannte; da war sie eine schlichte, anspruchslose, gemüthvoilc Frau, mit der man gut verkehren konnte. — Als sie daun aber nach Pest übersiedeltc, ihre Salons hatte, Equipage hielt, da wurde aus der Tante Rachel die „Taute Rachelle", mit der man nur noch französisch conversiren konnte, die man nur in Sammet und Seide gekleidet besuchen durfte und selbst dann noch riskirte, vom anmeldcnden Diener zu hören: Die Gnädige sei nicht zu sprechen!" „Du wirst Dich dem Vater zu Lieb, Mütterchen, über all' diese Thorheiten hinwegsctzen," bat Jacob. „Was kann die sonst brave, biedere Tante dafür, daß der Hochmuthsteufel den Onkel gepackt und geblendet, denn Du weißt es recht gut, daß das Haus nach seinem, nicht nach ihrem Sinne geleitet wird!" „Ich würde das Opfer nicht vvn Dir verlangen, liebe Rosa," sagte jetzt ernst Leo Braun, „denn ich sehe, es wird Dir schwer, auf die.Idee der Kinder einzugehen, indeß —" er zögerte seine Gedanken auszusprechen, doch da er den fragenden Blick der Gattin auf sich gerichtet fühlte, fuhr er fort: „Ich wünsche die Aussöhnung nicht meinetsondern Alois wegen. Seil Jahren beobachte ich, daß der Bruder auf falscher Fährte ist; er bedarf meiner; er hat, so reich er ist, mit so viel Gesellschaft er sich auch umgiebt, keinen Freund, der ihm die Wahrheit sagt. Ihr könnt mir glauben, daß er innerlich unglücklich ist. Kennt er noch einen Festtag, ein gemüthliches Familienleben? Er wohnt in dem einen Flügel des palastartigen Hauses, Rachel in dem andern, die Kinder sind fremden Personen überlassen; man sieht sich, wie ich höre, nur noch in Gegenwart Fremder. Nochem, oder wie er jetzt heißt Norbert, führt ein ausschweifendes Leben und will dem Vater einreden, das sei so gentlemanlike; Jlka ist eine Coquette, die —" „Bon wem aber hast Du all' diese Details?" unterbrach ihn Frau Rosa; „ich glaubte, daß Du Dich seit Jahren nicht nm Alois Haus und Ergehen gekümmert?" „Meinst Du wirklich", entgegnete der Gatte fast vorwurfsvoll, „daß das brüderliche Gefühl in mir erstorben, weil — weil Alois es für gut befunden, sich von mir abzuwenden? Ich schäme mich nicht, es einzugestehen, daß je kälter und fremder er sich gezeigt, desto mehr ist in mir das Gefühl der Zusammengehörigkeit erwacht. Zwar kann ich es nicht verstehen, weshalb er sich von seiner Familie, vom Judenthume überhaupt abwendet, weshalb ihm fremde Menschen von oft sehr zweifelhafter Denkungsart lieber sind, als diejenigen, mit denen er seine Jugend gemeinsam verlebt,