Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 18 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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1885. ^lK Jüdisches L^mliru-S/s// 4^* Zur llntrrlinltmig u. Kklrhrungfür dir isrurlitisllir Jugend. „TaS Oel zur cwiqeu Lampe." Ü8mi Dr. I. Goldschmidt-Wcilburg. — Jüdische Lilhouetken aus Galizien. Bvn Nathan Samnelp XIX. Tic zärtlichen Verwandten. (Schlup.) — Allerlei für den J-amilientisch: Eine nett entdeckte Mches- ^lUJUH. quelle. — Jestpcdicht, gewidmet zur Installation der Garitas-Loge in Creuzburg r^.-Schl. von wildert Perser. NatMl-^usgaden und Rätl,sei-Lösungen. _ „ Das Cel znr ewigen Lampe. (W.-A. 6 in or. 3 B. Vlo». 24/2.) Stimm Olivenöl, o Priester, Feinstes, zu dem Ijcll’ncu Licht, Daß es licllc brenn', nicht düster, Das: cs bald erlösche nicht. Das: nicht endlos sei die Mühe, Anzusachc» seine Gluti» Dafi zur Flamme selbst hinzichc*, Sich »cs Oelcs reine Fluth." Priester in dem » ciligt l» n m c Der Erziehung, hoch und hehr, Auch z» Deinem schönsten Ruhme O behcrz'ge diese Lehr': D», des Seclcnliclits Entzünder, Feinstes Ocl nimm, sonder Drug, Denn das Beste ist fürstindcr Erst gerade gut genug. Ist nicht klar des Geistes Nahrung, Du des Föglings Geist nur trübst; Göttlich sei die Offenbarung, Die Du Deinem Zögling gicbst. Und das Lernen soll er lernen, .straft erblüh' z« freier Wahl: D» mnftt später dich entfcrncn, Und er leucht' in eignem Strahl." 1)r. I. Goldschmidt-Weilburg. Jüdische Silhouetten aus Galicien. Von Nathan Samuely. XIX. Die zärtlichen Verwandten. tSchlus».) Aber an den Stolz dieser armen Prinzessin prallt alles ab! Man sollte glauben, sic sei beim Bernehinen der rauschenden Seidcnschleppe überrascht aufgesprungen, sei ihren reiche», Cousinen cntgegengestürzt, hätte sich entzückt von ihrem Aussehen, geblendet von der reichen Toilette geduckt, wie cs sich vor solchen reichen Damen geziemt — doch nichts boit alldem! Sie begrüßte sie allerdings sehr inanierlich, mit dem liebreizenden Lächeln, das ihr immer eigen war, aber das war auch alles. Sie bot ihnen in dein kleinen Värtchcn, in der schattigen Jasminlaube Platz an und machte sich mit ihren Blumen zu schassen, ja sic erkundigte sich nicht einmal, »vas ihr die hohe Ehre verschaffe . . . Wie sie aber da zwischen ihren Blumen sland, in dem einfachen Pekalkleidchen, mit dem reichen, welligen Haare aus welchem eine Knospe hervvrlugte und uniflossen von dem rosigen Golde der holden Frühlingssonne, die sich sanft und schmeichelnd um sic niedcrsenkte, glich sic wahrlich einem höher», Wesen. Aber dieselbe Sonne ließ auch ihren Strahl auf jenes Fältchen spielen, daß mancherlei Entbchrung in ihrem schönen nbis rcrfm“! xnru» ’-d e Gesichte ansgewllhlt, und das erfüllte beide Bankicrsgattinncn mit heimlicher Frende . . . Um nur besser sich an diese»» Anblick zu »veidc», verließen sie beide ihren Sitz in der Jasminlaube und traten auf Ottilie zu, die sich mit einer Blnincnvase, in »velche sie eine Reseda pflanzte, zu schaffen »nachte. „Du fragst uns gar iiicht" begann Frau Salvmea, die ältere, indem sic die rauschende Seidenschlcppe vornehin zurückwarf, „Du fragst uns gar nicht, zu welchem Zwecke »vir hergekoinmen sind!" Ottilie richtete sich halb cinpor. „Ich sollte glauben" lächelte sie „daß es nicht erst eines besonder» Anlasses bedürfe, daß mir meine lieben Cousinen die Ehre erweisen". Der letzte Satz klang fast wie Ironie. „Eine gar so besonder» Ehre scheinst Du Dir daraus nicht zu machen" warf Frau Agathe eir.pfindlich ein, „denn sonst »vürdest Du um diese Ehre etivas mehr geizen!" „Enschuldige, ich »volltc sagen, das Bergnügen" korrigirte sich Ottilie lächelnd. „Ah, Vergnügen" näselten beide Damen aristokratisch. „Ja, Vergnügen" bestätigte Ottilie. „In der That hatten wir auch gar keinen anderen Grund als Dich zu besuchen" lenkte Frau Salomea geschickt ein, „aber da wir nun einmal da sind, »vollen »vir auch die Gelegenheit benutzen, Dich doch endlich zu betvegen, daß Du unser Haus zu Deinem Hein» machst. Die Wahl, bei wein von »ns beiden, bleibt Dir ganz frei. Sei Du nur überzeugt, liebe Ottilie, daß »ns jeder Eigennutz fern ist und daß »vir nur Dein Wohl vor Augen haben!" „Ja, ich bin davon ganz überzeugt, gab Ottilie mit ausgesuchter Höflichkeit zu, „doch werden Sie, liebe Cousine, mir erlauben, von Ihrem großmüthigen Anerbieten keinen Gebrauch zu machen." „Und ivarum?" „Weil ich entschlossen bin, meine Unabhängigkeit nicht aufzugeben." „Schöne Unabhängigkeit" spöttelte Agathe, indem sie eine» Blmnenstengel, der voin Rosenbusche herunterhing her und hinwiegte. „So von Haus zu Haus als Stnndengeberin heruinznhausircn — das ist mir schöne Unabhängigkeit!" „Heruinhausiren" — wiederholte Ottilie scharf, „ich »vürde bitten diesen Ausdruck zu verineiden!" „Das »var, liebe Ottilie, nicht so arg gemeint »vie gesprochen" rechtfertigte Frau Saloinea, „die Cousine wollte nur damit sagen, daß D»» Dich in Deinem Berufe ganz aufreibst!" „Ich wenigstens finde es nicht", lächelte Ottilie. „Du findest es nicht!" brauste Agathe auf u»»d mit einen» Z»vick trennte sie die schönste Knospe voin Stengel. „Ich aber sage Dir, daß ich's »vohl finde — daß Deine Schönheit von Tag zu Tag mehr Einbuße erleidet — daß Du gar nicht mehr schön bist — daß Du ganz verblühst!"