Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 17 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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1885 i 1 gleich I, benrAhsti. ttCHjcu. i. kt. tr.13tt.1415. jnc „Men K fein M (»n Wem,, (Tmitl ö,öi: a ist ümiizÄiichmde non il'jcii Sohn Stimm?. r ir. Ammon. ii; $. 12 mid läi. . Ui® JurliSi»!»» neipilichlai. tiin. *■ -°b°r | *S“S« S julliiii, b«>» Jß. 17. Jüdisches „ ■«» I IM v» i i k. » J. . A.. „üeljic, Hen, mich meine Tage ,zahlen." 5>im Dr. I. Goldsch inidt-Weilburg. — Judith oder das Perlenhalsband. Erzählung, lzcplk - I sz-orlsetmngi. — Jüdische Lilhouette» aus Galizien. Bon Nalhan Sainuelh. XVIII. „Rur nicht jüdisch!" cschluh.)^— lind) ^111)1111. eiirülnelt. Eine wirlliilie Begebenheit, non Hehrer Mannsbacher. — Das Peßach - Gesd>enk des Rabbi. — Uns oent Spruchschah des Talmud. Poetisch übertragen von Max Weinberg. — Räthsel-Anfgaben und Illäthsel Lösungen. „Lehre, Herr, mich meine Tage zählen." (,5«r Sephirah.) Auf blick' ich zu Deine» ew'geu Hohen, Blicke in bas ew'ge Aeich der Seele», Und der Brust entsteigt ein glnhend ziehen: „Lehre, Herr, in i ch meine Tage zählen!" Ach, mein Lebe» fluchtig es enteilet! Selbst die Jahre, die ich lebe, stehlen Mir die Jahre, die mir zugetheilet: „Lehre, Herr, mich meine Tage zählen!" Soll das Lebe» ich verachte», Haffen? Soll in leere» Worte» ich es schmäle»? Soll ich es in Linnenlust verprasse»? . . . „Lehre, Herr, mich meine Tage zählen!" Mensch, nicht hasse, nicht verprafi' Dein Lebe»! Nein, der lflottheit sollst Du es vermählen! zliiflitig nicht die Jahre mir entschweben „Lehrst Dn, Herr, mich meine Tage zählen". Ur. I. Gvldschinidt-Weilbnrg. Judith, oder das Perlenhalsband. Erzählung aus denr russisch-jüdischen Leben. Von Emilia P.r. VIII. Kas Wiedersehen «nd vor dem Kaiser. Auch in Petersburg halte Judith durch eine Empfehlung der Kiewer Verwandten privatim beste Aufnahme gefunden. ES war dies bei einer jüdische» Familie, die dem schönen, aufopferungsvollen, unglücklichen Mädchen wärmste Sympathie entgegenbraehte. Obgleich es auch erwachsene Söhne des Hauses gab, die mit ihrer Bewunderung für die schöne Fremde kaum zmückhielten, war doch Judith, durch ihre Situation und dem Nimbus, der sie gewissermaßen umschwebte, gefeit gegen jede Zudringlichkeit. Meist still und in sich gekehrt, lvartete sie der Antwort mit innerer Unruhe, die sie verzehrte. Fieberhaft glanzten ihre Augen und eine fast hektische Röthe brannte zumeist aus ihren Wangen. Gewöhnlich faß sie an einem der Fenster des von jener Familie bewohnten Hauses, welches auf der Apothekerinsel, mit in der schönsten Gegend von Petersburg lag, und schaute auf die Newa und ihr geschäftiges Treiben. Angesehen und begütert waren Jndith's Gastsreunde und es mangelte ihr an nichts. Ruhig auch ließ man sie gewähren und so saß sie auch heul auf ihrem Lieblingsplatz, als das Rollen eines Wagens sie aufhvrchen machte. Sie schaute hinaus und sah der haltenden Troika eine hohe Männergestall entsteigen. Ihr Herz klopfte stürmisch. Sie drückte ihre Hand dagegen. Stimmengemurmel näherte sich der Thür des Gemaches, in dem sie gerade allein verweilte. Die Thür öffnete sich, Judith wandle den Kopf, jene Gestalt stand vor ihr. „Judith, mein Kind, mein Liebling!" rief Samuel, de nn er war es, und breitete weit feine Arme aus. *) Psalm 90. Mit einem lauten Aufschrei stürzte sich Judith in diese, um gleich darauf bewußtlos an des Vaters Brust zu liegen. „Der freudige Schreck hat sie getödtet!" ries Samuel außer sich, das matt zur Seite gefallene Haupt emporrichtend. Das Antlitz war bleich, die Augen geschlossen, aber Besprengung mit kaltem Wasser und starkdnftenden Essenzen brachte sie doch bald wieder zu sich. Dann klammerte sie sich fest an den Wiedergegebenen, als fürchtete sie, es wäre mir Traum und sie könne ihn wieder verlieren. Aber Samuel, ihr Alles berichtend, beruhigte sie bald. Ihren blonden Lockenkopf a» seine Brust gelehnt, und sein mildes Antlitz über sie gebeugt, so hielten Vater und Tochter das eifrigste Zwiegespräch, Fragen und Antworten wechselnd und Zärtlichkeiten dazwischen austauschend, und unerschöpflich schien der Born, dem sie entquollen. Die Stunden verrannen ihnen wie Augenblicke. Plötzlich aber fragte Judith: „Doch der Herr General, Vater, wo ist er?" „Lupus in fabula", sagte da eine tiefe Stimme. Unbemerkt von den zwei Glücklichen war der General eingetreten, gerade die Frage Judiths nach sich selbst vernehmend. Rasch sprang das Mädchen aus, wie mit Blut übergvssen. Auch Samuel erhob sich sogleich. Doch des alten Kriegshelden kühnes Augenpaar haftete nur auf der lieblichen Erscheinung des schamrothen Judenmädchens. „Tritt näher, Jüugferchen, und reich' mir Deine Hand, bist eine brave Tochter, liebe das", polterte der Graf hervor, seine Rechte ausstreckend. Bebend, mit niedergeschlagenen Augen legte sie ihre kleine, schmale Hand in die kräftige des alten Haudegens, der sie schüttelte und drückte. „So, nun siel/ mich auch an, Töchterchen, oder, wie? hast Du so ein schlechtes Gewissen?" Bei dieser Frage lächelte der General und weidete sich an Jndith's Verlegenheit. „Habe auch hier schon Erkundigungen, ob meines Sohnes eingezogen ■— geht ihm besser, Gott sei Dank, doch Invalide lvird er wohl bleiben," erzählte der General in seiner abgerissenen Weise. Da hob Judith den Kopf, die schönen, scheuen Rehaugen und strahlte den Grafen an, und neigte sich über seine Hand und küßte sie. „Unsinn!" schmollte dieser lächelnd, „schöne, rothe Mädchenlippen finden Besseres zum Küssen," und sich zu , Samuel wendend, fügte er hinzu: „Bleibt hier ein paar Tage verborgen, bis Euch Kopf- und Barthaar etivas gewachsen und dann haltet Euch bereit, zur Audienz bei unserem Allergnüdigsten Kaiser; — sie auch, Jüugferchen," lvandte er sich wieder an Judith. „Gehabt Euch lvohl bis dahin!" Und begleitet von den wärmsten Dankesworten der Beiden, stramm und aufrecht und stolz, als hätte er soeben eine heiße Schlacht geliefert, verließ der gerechtigkeits-