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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 16 (1885) · p. Seite 63

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
16 (1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 63 (sequence 3)
Language
German
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— 63 — bi9 füfjl.'t ictal. ’ Üajit UOlj Waffen, " schtzlk?» bcr «eneral (in, 3wn ß(raf Ut|ls 5 stimine pertt. 911. Alles!" riff . ">ich und Dich, l> «m Dochler?- »litz leuchtete auf. mit, heute ans i leisen wir >u ch dei bieifin fiit nt- Run fall es its Willen' — ii war, als ver- Kopt. Zamne! Ärtnerinngen des hm »achgeeilt, in das Fehlen der eckte ihn, „lachten ohti, (ijcetleii,;?* : titj der alte ichten eiligen des lohn, vielleicht in er trat er dein mt feiner tvohlzlnckitcher 4>ater. r r fui'.fe Zeit fein id Wern' . eWpftgejkriezs- Züge Zaninels Lächeln bewegte ' :n 2chnnrrbarts- _ faitit es ihr meines sohnes ,e Zndenmädchett rsbnrz zu reife», z Earni sich taufe» e Ruhtun» iti diese«ffnf«»- .; et hinaus, iuhtr; i „Dieser hier", der Graf zeigte auf Samuel, „wird mit aller Achtung behandelt, — ihm sind seine initgebrachten Civilklcider einzuhändigen — er ist bis aus weiteres unten, neben dem Wachtlokal bestmöglichst einzuguarttcren und gut mit Speise und Trank zn versehen. Weiterer Anordnungen haltet Euch gewärtig, verstanden Janvwitsch Rumjanzow?" „Zu Befehl, Herr General." Dieser tvinkte Samuel zum Abschied mit der Hund und wehrte jeden Dank ab. Um die Mittagsstunde des nächsten -vages befanden sich der General und Samuel, dieser in Anbetracht seines abgeschorencn Haupt- und Barthaares, etwas vermummt, auf dem Wege nach — Petersb » rg. Jüdische Silhouetten ou» Galizien. Bon R->tt,an Lamnet». XVIII „Rur nicht jüdisch ,fzortjev»»j,.t Die Nacht brach inzwisehen heran _ Alle Räume schwammen hier in einem Lichtmeere, anSgestrahlt von den vielen Lichtern und zurückgeworseu von den vielen blanken Spiegeln. Olga that ihr Bestes den Geliebten ihres Herzens zu bezaubern. Aus ihrem schwarzen, reichen Lockenhaare, welches ein sunkclnder Brillantenreis eingcdämmt hielt, lauschte eine frische, volle Kamelie hervor und ihre schlanke Gestalt umfloß eine duftige, bliithenwciße Seideurobe, reich mit Riesche», Biitchen und Faltenwürfe geschmückt, so daß sie aus demselben wie Aphrodite aus dem Meerschäume hcrvortauchte. Auf ihre Anordnung standen Papa und Mama zu beiden Seiten der Thüre ' um die Gäste beim Eingänge zu empfangen. Und sie ließen auch lange auf sich nicht warten, die lieben Gäste. Ein Säbelgerassel kündigte die Söhne des Mars an. Nachdem sie als heimische Gäste die Gastgeber kurz begrüßt haben, wandten sie ihre volle Aufmerksamkeit dem Fräulein Olga zu. „Sapperlot, sind Sie aber schön, Fräulein!" Mit dieser grobkörnigen Huldigung crösfnete der Hauptmann Ziegelheim den Reigen der Complimentc, worauf viele andere wie ein Hagelschauer von allen Seiten niederficlen. Kurze Zeit darauf fanden sich auch die Herren von Eivil ein. StadthauptkassierBreunow — ein kleines verschwommenes Männlein, führte fein großes Stück Ehehälfte am Arme, die so stark dekvlletirt war, daß sie wie ein leibhaftig unbedecktes Defizit aussah. Auskultant Griwvw — ein langer, hagerer Mann mit einer knotigen, bläulich-rothen Nase, die dem -Gotte Bacchus als Ehrensänle dietten könnte — erschien ebenfalls mit seiner Ehehälfte am Arme —• einer kleinen zahnlosen rt'antippe mit grauen Katzenaugen und hinter ihnen zwei grüne Hopfenstangen von Töchtern. Noch mehrere andere Honoratioren der Stadt stellten sich mit ihren Familien ein, darunter viele Herren und Damen und endlich erschien auch der Adjunkt Werbel, eine langgestreckte Zierpuppe mit einem aufgedrehten Schnurrbarte, der ebenfalls seine Frau, ein ballenähnliches, fettvcrlaufenes Weib, am Arme führte. Ohne darum befragt zu werden, betheuerte Herr Adjunkt bald bei seinem Eintritte, daß er darum etwas später erschienen ist, tveil er vorher mit seiner Gemahlin einige wichtige Freundschaftsbesuche zu erledigen hatte, nämlich beim Grafe» Brandowski, dem Baron Gimplowicz und noch einigen Baronen und Grafen. „Ja" beeilte sich seine Frau, die ihm die edle Kunst abgelernt hat, ihn mit näselnder, aristokratischer Stimme zu übertreffen „wir haben ihiren mit unserem jetzigen Kommen ein großes Opfer gebracht. Diese Nacht hätten tvir wahrlich der Ruhe nöthig, tveil wir ja morgen bei unserem Freunde dem Fürsten P. auf dem Balle, zu dem wir schon seit dr e Tagen die Einladung haben, erscheinen müssen. Der Mensch kann sich ja doch nicht durch das ewige Wachen und Tanzen so ganz aufreiben!" Herr und Frau Bruckmann sahen mit stolzen Blicken einander an. — Schade, daß Herr Epstein es nicht mitanhört, welche hohe Herrschaften mit ihnen verkehren! __ Während Der Adjunkt und seine Frau sich bei der Thüre vor einem zahlreichen Publikum von immer zttströmenden Gästen in jenem Lttgendunste produzirten, spielte sich am zweiten Ende des- Saales eine gar rührende Szene inniger Freundschaft ab. Olga begrüßte sich mit ihren Freundinnen, den beiden Hopfenstangen, die ehemals ihre Kolleginnen im Klosterkonvikte waren. Sie schloß sich ihnen mit einer besondern Lust an, weil dieselben mit ihren häßlichen Gesichtern eine ausgezeichnete Folie für ihre Schönheit bildeten. Wie bethenertcn sie sich gegenseitig ihre aufrichtige Freundschaft. Wie freute sich Olga, sie so groß und schön zu sehen, und sie wieder, wie freuten sie sich, Olga so blühend zu finvrn, daß sic vor lauter Freude — nochmals so grün wurden! Die Herren von Civil hatten nicht viel Zeit zu verlieren, sie überließen ihre Frauen Den diversen Offizieren und machten sich mit großem Eifer über die Spieltische her. Der Einsatz klingelte in der Pule, die Karten wurden aufgcpascht. Herr Bruckmann sorgte dafür, daß es auf jedem Spieltische nicht an nrehreren Flaschen Wein fehle, damit die Herren sich jedesmal anfeuchten können. Der Herr Auskultant Griivotv vergaß auch nicht den weihevollen Akt des Spieles mit einigen Gläsern Wein, die er rasch hintereinander hinnnterstürzte, zu eröffne». Olga war anfangs bemüht, die Gäste zu unterhalten, doch steigerte sich ihre llngednlD von Minute zu Minute, als der Liebling ihres Herzens »och immer nicht erschien. Aber am Ende erschien er doch. Papa und Mama begrüßten ihn mit lautem Willkommen. Ihr Herz schlug höher bei seinem Anblicke. Seine imposante Gestalt, seine anmuthige und zugleich echt mannhafte Beivegung, wie überhaupt sein ganzes Auftreten verfehlten nicht, auf alle Gäste, denen er der Reihe nach vorgcstcllt wurde, den allergünstigsten Eindruck zu macheu, ja es geschah sogar etwas unglaubliches, die — Herren unterbrachen sich im Kartenspiele. „Weißt Du, Sidonie" beeilte sich der ADjunkt, als er ihm vorgestellt wurde, seiner Frau laut znzurusen: „Der Herr Epstein hier bat eine auffallende Aehnlichkeit mit unserem Freunde, dem jungen Fürsten R." „Ein gelungenes Stück Menschheit!" brummte seinerseits der Herr Auskultant, so nebenbei ein großes GlaS Wein hinunterstürzend. „Sapperlot, das wäre aber ein prächtiger Husarenlieutcnant!" lautete der Beifall des Hauptmannes. Die Frauen gar verschlangen ihn förmlich mit den Augen und konnten sich nicht satt an ihn sehen. Sie überzeugten sich aber auch, daß er nicht blos schön, sondern auch ein völliger Salonmann, ein vorzüglicher Gesellschafter ist, der, wie selten jemand, Damen zn unterhalten versteht. Bon dem leichten Gesellschaftstvn ging er balD auf ein interessantes Thema über, schilderte seine Eindrücke, seine Erlebnisse, seine verschiedenen Reisen, alles geivllrzt mit köstlichem Httmor, so daß sieh die Damen von ihm ganz gefesselt fühlten, bald gar um seine Gunst tvetteiferten und ihn mit einem Feuerregen von Blicken überschütteten. Olga gar war von ihm so bezaubert, daß sie ihr liebeiiberströmendes Herz an die beiden grünen Schwestern ausließ, von denen sie bald die eine und bald die andere mit ihrem schöngeforinteu Arm umschlang und auf den Mund küßte — Dabei ihm so Gelegenheit bietend, ihren vollen runden Arm zu betvundern und ihren blühenden Rosenmund, wie er sich so gierig mtD lechzend zum Kuße schwellt! Wiewohl aber Epstein sich ganz der Unterhaltung der Damen zu widmen schien, versäumte er nicht, von Zeit zu

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