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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 16 (1885) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
16 (1885)
Date
1885-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I Jüdisches DM elthut's 8 a/S. «ur. i i 9 1 iktiltn, i: L^WllikL-S/^/^ Inhalt Wottcö Herrlichkeit. Von Dr. I. <8oldschmidt-Weilbur^. — Judith oder das Perlenhalsband. Erzählung. (Fortsetzung). — Indische Silhouetten aus ltzalizicn. Von Nathan Samuelh. XVIII. „Nur nicht jüdisch!" (Fortsetzung.) — Allerlei für den Familicntisch: Nbwehr. — 9(u* dem Spruchschatz des Talmud. Poetisch übersetzt von Max Weinberg. — Räthsel-Aufgaden und Nälbsel Lösungen. den: N's nur! - -und der hopsen rechte. thlel. bilden, deren Ansangs- . deren Enlbuchstaben, si einem ihrer Löhne, i. Die Zilben lauten: i, iab, ka, la, lech, ram, rod, ri, m, sa Haian. r Zager. | Palästina. ZMa. k Äonatöname. i weibl. Eigenname. >’ ly«. innnt, nn: % Klein. i Gottes Herrlichkeit. (tjuin W.-A. diekrsinini.) 'V7N 'N -itrs* “DTr m (8. B. M.!I,Ö) TI “P33 DJ'Sy ST1 Mensch, ans Sonne», an» de» Sterne», Die das Iirmamcnt vereint; Ans de» cwq'c» Himmclsfcrnc» Gottes Herrlichkeit erscheint! In »er Mannigfaltigkeit des toten Reichs der irdischen Natur, In de» hohen, hlivtnnidrohtcn Wipfel» waltet Gottes Spur. Und auch in den Millionen Tliicrc», die »m dich zerstreut Auf des Erdballs Rücken wohnen, Iciqt fich Gotte« Herrlichkeit. Aber »nr im Meisterwerke, Das er als fei» höchstes preist, Eines Meisters Kunst und Stärke Wahrhaft rnhinvoll fich erweist. Mensch, D» bist der Schöpfung Krone, Irci n»d mit Vernunft beseelt; Darum hat dich Gott znm Throne Seiner Herrlichkeit erwählt. Kan» besteh'» mein Gottesglaubc, Wen» der Gottheit Ebenbild Gottlos, eine Schlang' in. Staube, Nur mit Abscheu mich erfüllt'? — Menschen, lebt »ach Gottes Willen Irvinin in edler Menschlichkeit: Nur die Menschheit kann enthülle» Wahrhaft Gottes Herrlichkeit! vr. I. Goldsäimidt-Weilbnrg. Judith, oder daS Perlenhalsband. Erzählung aus dem nnsisch-fiidischcn Leben. Bon Emilia P.r. VII. Zn Mrdafsymsk in Sibirien Und Schamlil hielt Wort, seine List gelang ihm. Schon wenige Tage später befand sich Judich bei ihren Verwandten in Kiew. Aber die anstrengende Reise, die fortwährenden Anfregnnge», denen sic ansgesctzt war, das Schwanken zwischen Fnrcht und Hoffen, die innere Herzensangst, brachen nun auch die Elaslüität nnd Frische ihres Geistes und Körpers. Sie fühlte sich krank nnd nnsähig, ohne längere Rast ihr begonnenes Unternehmen fvrtznsetzen. Sie mußte bei ihre» Anverwandten, einem altern Ehepaar, dessen Kinder in dem weiten Reich zerstreut waren, einige Zeit verbleiben, Kräfte sammeln zu weiterem Thlin und Handeln. Hierbei drang die Kunde zu ihr, daß die verbündeten Westmächte, denen sich auch Oesterreich, mit Androhung kriegerischer Einmischung, angeschlossen, inzwischen das russische Belagernngscorps vor Lilistria unter Fürst Paskewitsch und General Schilder veranlaßt hatte», seine Beschießungen Silistria's und anderweitige Operationen aufzageben und sich über den! Prnth langsam rückwärts zu conccntrircn. Mit stillem Jubel; begrüßte Judith diese Nachricht, den» so rückte ihr ja der , Geliebte näher, gelangte sicher in bessere Pflege und konnte! vielleicht genesen. Zugleich wirkte dies, wie ein wunderthütiges Elixir ans ihre überreizte» Nerven und ihren bedrückten Geist nnd bald fühlte sic sich auch kräftig genug, ihre beschwerliche Reise fvrtznsetzen.! Während des ganzen Zcitranms dieser letzten Ereignisse . saß nun der unglückliche Samuel in der kleiitcn, sibirischen! Festung Urdassymsk, ein Gefangener, ein Sträfling, ei» Ver- ' bannter. Täglich flehlte er zu seinem Gott, der ja seine Unschuld kannte, um Errettung und um Schutz für sein verlassenes Weib, seine trostlose Tochter, seine weinenden Kleinen. Heute war er, ivie schon öfter, zum Schlldwachesteheu cvmj mandirt. Mehr wie je flehte er heute zu Gott, und öfter j entrang sich ein dumpfes Stöhnen seiner Brust. General j Graf Urngiewv, den man, um ihn auf seine alten Tage noch j zu militärischen Zwecke» zu verwenden, zum Gouverneur des! kleinen Festnngsstädtchcns gemacht, hatte den Klagen des j armen, verlassenen Juden schon öfter gelauscht, ohne ihnen! jedoch weitere Beachtung zu schenken. Auch heute, während er unruhigen Schrittes sein Gemach dnrchmaß, drangen vom; Hofe herauf und zu seinem Fenster herein die Gebete und 1 Klagen des Verlassenen. Aber heute war der General, der! harte Kriegsmann, der den Tod in schrecklichster Weise wiithen 1 gesehen und ihm selbst so oft in's hohle Auge geschaut, weicher gestimmt und zugänglicher. Am frühen Morgen hatte er einen Brief seines Sohnes erhalten, nur wenige Zeilen, die ihn von der erlittenen Verwundung desselben i» Kenntniß setzten. Auch der General klagte. „Mein Sohn, mein Sohn, mein armer Iwan, Du mein jüngster, liebster und bester Sohn meines Herzens, gerade Dich trifft solchtödtiiches Blei, o Gott! lind ich kann nicht zu Dir eilen, Dich nicht mehr segnen, Iwan, mein Sohn!" Auch er stöhnte auf, und der sonst so harte Mann rang fast verzweiflungsvoll die Hände. Doch wie darob beschämt ermannte er sich wieder. „Vielleicht »och wird er gerettet", tröstete er sich und daun sich stolz anfrichtend fügte er hinzu: „Und muß er sterben, so stirbt er den Heldentod, mit „Gott für Kaiser und Vaterland", wie es Brauch in unserer Familie seit grauer Zeit." Mit einem kurzen Seufzer hielt er nun im Gehen inne und trat an's Fenster. Wieder lauschte er den lauten Klagen des Inden. Jetzt sah er auch das betrübte Menschenkind, den Sträfling mit den kurzgeschorencn Haaren, dem abrasirten Bart, sah ihn weinen und sich die Brust zerschlagen und mit dem Angesicht der Erde Staub berühren.

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