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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 13 (1885) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
13 (1885)
Date
1885-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JE 13 1885. Jüdisches utilif«*!/#// ZnrUntrthaltmigll.KklrhrWgsjir-iejsraklilischkIugen-.-^- (y Die Stimme (»ottcü. Aon Dr. I. Goldschmidt-Wcilburg. — yuDitl) oocr oas Hjcucmjuiouuuu. ryjinail. Jüdische Silhouette« aus Galizim. Von Nltthan Samucjy. XVIII. „Rur nicht jüdisch!" — A tifdi: Eine Episode ans den, Leben einer Getanste». — Riithscl-Aufgaben und Rüthscl-Lösungen. »« Gottes. Von Dr. I. G ö I d sch m i dt - Wcilburg. — Judith oder das Perlenhalilband. Etaähiung. (FmAe-ung). ilhouetten ans Galiricu. Von Nathan Samueln. XVIII. „Nur nicht jüdisch!" Allerlei fut den F t Die Stimme Gottes. (Zinn W.-A. Wlrjilrro.) Aus dem Stiftszelt, wo des Bundes Tafel» ruh» in, heilge» Schrein, Ri«f*> der Herr des (Erdenrundes Moses, feinem Knecht, dem treu'». MofeS hatte die Stiftshütte Anferdant mit große» Miih'». Aus des heilge» Werkes Mitte Rief die Stimme Gottes ihn. — Möchtet ihr an MofeS Ruhme: Gott zn höre», nehmen Theil? — Weiht euch einem Heiligthume, Seid für Nichtige« nicht feilt Die im Gitlc» sich dethören, Ihne» Gottes Ruf nicht naht: Wollt ihr Gottes Stimme höre», Sei erst göttlich eure That! l>r. I. Goldschmidt - Weilbnrg.**) Judith, oder dad Perlenhalsband. Erzählung aus denr nnsilch-jüdischen Leben. Bon Emilia P.r. lForlschung.) „Sv will ich sie allein hören", bestand der Fürst. Dies wirkte. „Rede denn!" befahl die Fürstin kurz. Und nun erzählte Judith Alles, was wir schon wissen. Sie schilderte alle jene Vorgänge von der Reise mit ihrem Vater so warm und lebendig und doch so einfach und natürlich, daß nur ein böses Wolle» die Wahrhaftigkeit ihrer Worte anzuzwcifel» vermochte. Nur als der Name ihres „Retters" ihren beredten Lippen entgleiten sollte, stockte sie; brennende Gluth zog sich ihr hinaus bis zu den blaugeädcrten Schläfen, und nur wie hingehaucht erklang der Name: „Gras Urugiewo". Doch — kleine Ursachen, große Wirkungen, dieser Hauch machte Fürst und Fürstin erbleichen, sic starrten einander, sie starrten das Mädchen an, fast wie vernichtet. Judith hielt die Augen zu Boden gesenkt und berichtete weiter, nichts bemerkend. Die Fürstin gewann auch hierbei zuerst die Fassung wieder. Der Gefahr kühn ins Äuge sehend, hatte sie überlegt und ihren Entschluß gefaßt. Als Judith geendigt, sprach sie unbewegt und kalt, wie vorher: „Und Du glaubst, daß wir diesem Märchen Glauben schenken werden?" „Märchen?" stotterte Judith ganz bestürzt. ») 3. B. Moses I, 1. **) Im letzten Gedichte sind zwei sinnentstellende Fehler. In d> letzten Strophe „Wie" z. l. „Nie", u. im Uten V. st. „Mensch s eine" l. „Mensch du eine". — (Den Mittag zieret kein lieblich Morgen roth; aber des Menschen Lebensmittag soll mit der Lieblichkeit de Morgens geeint sein.) — „Natürlich, was könnte es anders sein? Nur zögernd kam der Name des Grafen übcr Deine Lippen. Du hast ihn irgendwo nennen, seinen Edelmuth rühm>n hören, und mit der Schlauheit Deiner jüdischen Natur beutest Du dies zu Deinem Nutzen aus. Tu bist keine glückliche Schehercsada," fügte sie spöttisch hinzu, die schöne Fürstin mit dem unbeugsamen Sinn. Da hob sich die schlanke Gestalt der Geschmähten. Die sanften Augen blitzten die hohe Sprecherin a», stolz und zürnend. „Ich kenne den Grafen, fragt ihn selbst, ich sprach die lautere Wahrheit, o Fürstin. Wenn er es leugnet, dann will ich als die größte Lügnerin gelten, die je eines mächtigen Gottes schöner Erde angehört, dann möge mich Jchova'S starker Arm erreichen und zerinalmen in feinem Zorne. Fraget ihn, den Grafen, ich bitte, ich beschwöre Euch." Schöner hatte Judith noch nie ausgesehen wie in diesem Augenblick. Sie gedachte des geliebten Mannes, und in ihre» Augen leuchtete ein strahlend-mildes Feuer, edle Entrüstung aber malte sich in ihren feinen Zügen und belebte sie wunderbar. Des Fürsten Augen hingen >vie bezaubert an der lieblich-edlen Müdchengestalt. Die Fürstin sah es, und gereizter denn je höhnte sie: „Um mich lächerlich zu machen! O nein, beweise Du cs, beweise Du, was Du so kühn zu behaupten wagst!" „Andere Beweise als meine Worte habe ich nicht, kann ich Euch nicht geben," versetzte Judith traurig. „Ha, ich wußte es ja! Fort mit Dir, Du Elende, hinter Schloß und Riegel, erzähle den Gefängnißmauern Deine Märchen, binde sie den Ratten und Mäusen auf. die Deine Gesellschaft bilden werden, aber nicht uns. O, Michael Gregorowitsch hatte Recht, er warnte uns vor Deinem gleißnerischen Wesen, Deinen verführerischen Künsten, Deinem Trotz und Hvchmuth," rief die Fürstin in sich steigernder Heftigkeit. Da ermannte sich der Fürst abermals. „Halt ein, Kascha, halt ein, Du gehst zu weit!" „Erbarmen!" flehte jetzt Judith geängstigt. „Nimmermehr!" schrie die Fürstin. „Unschuldig sind wir beide, niein Vater und ich!" betheucrte Judith mit thränenden Augen. „Michael Gregorowitsch ist ein Ehrenmann, seine Aussagen sind unantastbar," erklang es kalt dagegen ans der Fürstin Munde. „So geht denn Macht vor Recht", lispelte Judith tonlos. „Nein, denn Macht ist eben das Recht", sagte die Fürstin, die es dennoch gehört. „Doch nun genug;" und zu ihrem hohen Gemahl gewendet, fügte sic bei: „Läute Alexe i!" Da brach Judith schluchzend in ihre Kniee. „Erbarmen!" flehte sie nochmals. „O, meine arme Mutter!"

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