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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 12 (1885) · p. Seite 48

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
12 (1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 48 (sequence 4)
Language
German
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— 48 — erklären, weshalb sic eigentlich diese Frage stellte. Die Kleine sei nämlich — so erzählte sie — vor drei Tagen aus der israelitischen Religionsstunde ausgeblieben mit dem Bemerken, daß sie katholisch geworden sei. Dafür besuchte sie die Religionsstunde des Herrn Katecheten. Die Mutter, welche von alledem keine Ahnung hatte, bat den inzwischen in's Gemach tretende» Schuldirektor, der von der Sache gleichfalls wußte, er möge das Mädchen rufen lassen. Nach zwei Minuten stand die Kleine, einen artigen Knix machend, im Zimmer. Aus ihren Augen leuchtete helle Freude, als sic die Mutter wahrnahm und sie eilte aus dieselbe zu, um ihr die Hand zu küssen. Nun fragte die Lehrerin: „Mein Kind! Welcher Religion gehörst Du an?" — „Ich bin katholisch!" lautete die Antwort der Kleinen. Die Mutter wurde leichenblaß; welche Einflüsse — so dachte sie besorgt — mußten da geltend gemacht worden sein, um das Kind zu einem derartigen Bekenntnisse zu veranlassen. „Aber Du warst ja früher mosaisch? Nicht wahr?" fuhr die Lehrerin fort, mit der Mutter einen Blick wechselnd. „Jawohl," entgegnete die Kleine, „da aber die mosaische Religionsstunde aus 4 bis 5 Uhr Nachmittags fällt, wo cs schon zu dunkeln beginnt, so bin ich lieber katholisch geworden, um von 8 bis 9 Uhr Morgens die Stunde nehmen zu können!" Mutter, Direktor und Lehrerin konnten sich ob dieses Geständnisses kauin eines Lächelns enthalten. Nun wußte man, warum die Kleine eigentlich katholisch geworden sei. — Daß die Mutter ihr Kind dazu angehalten hat, künftighin wieder schön mosaisch zu sein, braucht nicht erst wohl erwähnt zu werden. Allerlei für den Familientisch. Gin Goethe s über dir Juden. Goethe machte einst bei seinem Aufenthalt in Karlsbad die Bekanntschaft eines jüdischen Banquiers. Letzterer machte eines Tages, als gerade ein „jüdisches Thema" besprochen wurde, dem Altmeister gegenüber folgende Beinerkung — wie L. A. Frankl in einem in Wie» erscheinenden illustrirtcn Familienbl. (Jahrg. 1882, Nr. 24) mittheilt —: „Der Schiller, Euer Excellenz, hat uns Juden nnt seiner Abhandlung : „Die Sendung Mosis", sehr wehe gethau und was das Schlimmste ist, er hat uns gekränkt, weil er die Sache gar nicht verstanden hat." Goethe, ohne in eine Meinungsäußerung einzugehen, doch bei dem Thema bleibend, äußerte: „Der Eindruck, den ich in früher Jugend in meiner Vaterstadt empfing, war mir ein mehr erschreckender. Die Gestalten der engen und finsteren Judenstadt waren mir befremdliche und unverständliche Erscheinungen, die meine Phantasie beschäftigten, und ich konnte gar nicht begreifen, wie dieses Volk bas merkwürdigste Buch der Welt aus sich heraus geschrieben hat. Was sich allerdings in meiner früheren Jugend als Abscheu gegen die Juden in mir regte, war mehr Scheu vor dem Räthselhaften, vor dem Unschönen. Meine Verachtung, die sich wohl zu regen pflegte, war mehr der Reflex, der mich umgebenden christlichen Männer und Frauen. Erst später, als ich viele geistbegabte, feinfühlige Männer dieses Stammes kennen lernte, gesellte sich Achtung zu der Bewunderung, die ich für das bibelschöpserische Volk hege, und für den Dichter, der das hohe Lied gesungen hat. Beide Bücher haben mich mannigfach beschäftigt." Auf die in vor. Nr. gebrachten Anfragen erhielten wir von mehreren Seiten Antworten, wir geben im Folgenden: die aus Frankfurt a. M.: 1. Georg Brandes ist Jude «vor kurzem hielt er einen geistreichen Vortrag hier), derselbe hat sogar ziemlich ausgeprägte jiib. Physiognomie. 2. Herr Lson Weilt- Schott war nicht nur Jude von Geburt, sondern mit seine:» ganzen edlen Herzen; jüdische Studien waren seine Lieblingsbeschäftigung , am Sabbath studirte der Bibliophile mir jüdische Werke seiner Bibliothek. — Seine irdischen Ueberreste ruhen auf dem Friedhof in Rand eck in Baden. — Von seinen Brüdern ist Herr Philipp W.-Sch einer der Vorsteher der kleinen jüd. Gemeinde in Mailand, ein Anderer,, Herr Albert W.-Sch., besuchte vor mehreren Jahren das heilige Land. — Sie sind Neffen des hochverehrten in Brühl (Großherz. Baden) verstorbenen Bezirksrabbiners Leopold- Schott s. A. (Wir danken den geehrten Einsendern für ihre freundlichen Mittheilungen. Red.) o-As Näthsel-Aufgallen. I. Deutsches Arithmogryph. Bon 8. 8.s in H.g. 1 11 1*2 11 7 Ein deutscher Mannesname 2 2 7 13 2 8 Ein Schweizer,:cmwn. 3 2 10 2 7 14 2 Eine Stadt in Palästina. 3 111 71511 7 Ein Raubvogel. 2 7 16 Ein Flust in Italien. 6 2 2 7 17 11 10 Eine Stadt, wo bedeutende Blumenzucht betrieben wird. Die Anfangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, ergeben den Namen eines jüdischen Z-estes, die Endbuchstaben von unten ttach ober:, gelesen den Namen eines für dasselbe vorgeschriebencn Gennstmittels. IT. Zweisprachliches Wörterriitflsel. Mil C Mnr’sS schon im Alterthum. Bracht' Salomo schon Ehr' und Ruhm. Mit Ch lunv'ä einenger Raum. Man kcnnt's johl nach dcm Namen kaum. Mit F schmückt e« gar oft dich ans, Auch plappert's manch' Geheimnis: aus. Mit L hat's stets der Hund verschluckt, Wenn man ihn gern hält' abgenmckt. Mit N thuts mancher, doch ist'« Pflicht, Daß man auch halt, was man verspricht. Mit d ist'« eine hcil'ge Nacht, Die un« Erlösung hat gebracht. Mit 4 ist'« Jeder, selbst der Alan», Der nicht dies Riithsel lösen kan». — III. Hebe. Wortu. öuchftabemahlen-Röthsel. Von E, in R. Dem Böglein auf den Zweige», dem Wild aus grüner An, Weh', wenn solchem Tode sie nicht entrinnen schlau. Dem Liebling seine« Volks, dcm Kaiser hoch und hehr — Gott, zu solchem Leben füg' noch der Jahre mehr! IV. Hellraisches Inverlions-Räthsel. Von U. in Magdeburg. 3 2 I Des Mannes Vater, Der gehabt den ersten Kater. 3 1 2 DeS Lande« Vater. Wer ist Errather? Bei jenem geschrieben Stehen 2 sieben; Bei diesem 2 acht Sind bald vollbracht. Huriosum. Eine Freitagabend-Vorlesung deS Rabbiners Or. Wi se (Cincinnati) im B'ue Jeschurun-Tempel hatte zum Thema: „Unmoralische (?) Verordnungen und Gesetze im inosaischen Gesetzbuche" — so kündigt's Herr W. selbst in seinein Blatte an. Auflösung der Riithsel in Ur. 11. I. Eli. Elis. ii. -ba'zit HI. Peter. "WS Mt- Die Na,ne:, der Einsender der richtige» Auflösungen in nächster Nr. Verantwortlcher Redackcur Dr. Rahmcr, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Lc,pz,g.

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