Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 12 (1885) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
12 (1885)
Date
1885-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/6492351-9586216-9585124--0317-9585125
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

-! M 12. Jüdisches 1885. ufUifi*#/#// Zur |lutrr|altuiig 11. KelrhnmgM dir isruklitische Jugend. - Inhalt Btrjüiiqu»». von 0r. I. G ° lösch I»i dt-Wciiburg. — Judith oder das Perlenhalsband. Erzahlunq. (»ortlchung,. — Judnchc . Silhouette» aus Galizien. Po» Naiha» Samuelh. XVII. Zwei Denkmäler. (SchNitz.) — Jch^bin knihol,>ch.— Allerlei ,nr . den Jamilienlisch: Gin »rlheil Goelhc's über die Inden. - Au» dem Spruch,chntz des Talmud. - Nnth,cl-Aus-,nbc>, und Rälhsel--Lösunften. Verjüngung. (Zn ParschaS „Uneluruävscli.") Wie vo» MorgenrotlicS Strahle Glänzt des Horizontes Saum, So spielt lieblich in die kahle Wirklichkeit der Kindheit Traum. Enger Sin» und Hasi »nd Sorgen Kennet nicht die Kindcrzcit, Kein gcwittcrschwangreS „M o r g e it" Stört des „H ent c" Fröhlichkeit. Doch des Morgcnrvthcs Schimmer Flüchtig bald von dannen zieht, Düne Spur, ei» leerer Flimmer, Er dem Auge bald entflicht. Ans des Mittags Himmelshöhcn Glüh'nd der Strahl hcrnicdcrfällt, Und voll Bluth' und Früchten stehen Berg und Thal und Wald und Feld. So der Mittag unsres Lebens Lebe» »vcckt in Füll' »nd Kraft, Und die Gluth gcwalt'gen Strebcns Nnermiidlich wirkt und schafft. Doch die MittagSgluth, fie wecket Wolken auch in Wald und Flnr, Donner rollen, und erschrecket Windet fich die Kreatur. Wie des Mittags Strahlenflnthc» Ziert des Morgens Purpnrkleid . . . Mensch, so eine Mittagsgluthen Mit des Morgens Lieblichkeit! Deine Pflicht erfülle gründlich, Weite ans des Lebens Kreis; Aber ewig bleibe kindlich, Kindlich auch als Mann »nd Greis. . . Kindlich auf der Gottheit Schwingen; Alt wird nur das Thier in dir: Willst du ewig dich verjüngen Bleibe rein von thicr'scher Gier! *) Dr. I. GoldschI» idt - Weilbnrg, Judith, oder das Perlenhalsband. Erzählung uns dem russisch-jüdischen Leben. Von Einttia P.r. Y. Judith. Den scharfen Augen Mutter Rebecca's war es nicht entgangen, daß Judith wesentlich verändert von jener gefahrvollen Reise zurückgekehrt war. Und sie war es auch in der *) Vgl. das Gedicht der letzten Nr.: „Die Mutter des goldncn Kalbes." That. Noch träumerischer blickten ihre großen Gazellcnaugcn, noch scheuer und fragender. Seltener noch öffnete sie den kleinen rosigen Mund zu lauter, munterer Rede, lachte oder scherzte sie. Ost standen Thränc» in den oft sehnsuchtsvoll in die Ferne starrenden Augensternen, zuckte cs schmerzlich um die feinen Lippen, doch oft auch verklärte und erhellte ein süßes Lächeln das reizende Angesicht, wenn dessen liebliche Besitzerin erinnerungS - versunken in ihrem kleinen Jungfernstübchen saß, und Niemand, kein Engel mit flammendem Schwert, keine Mutter Rebecca mit scheltendem Wort, sic daraus zu vertreiben kam, ans diesem Erinnerungsparadies. Weder Samuel noch Judith hatten jene Befreiungsthat des Grafen Urugicwo anders, als einen Akt edler Gerechtigkeit und Humanität geschildert, selbst gegenüber Frau Rebecca nicht. Samuel verstand und vertrante Judith, er kannte all' die zartesten Regungen dieses eigenthümlich-sinnigen und doch leidenschaftlichen Herzens und Wesens, er wollte ihr jene Erinnerung ungetrübt erhalten wissen und schlvieg, verschwieg alle Einzelheiten, die er selbst mehr ahnte, als wußte, um ein Glück nicht zu stören, das nur jo kurz wie ein Traum gewesen, und ewig nur Traum bleiben konnte. Und Judith dankte ihn, dies Schweigen mit jedem Blick, mit jeder Miene. Desto eingehender aber berichtete Samuel seiner neugierigen Ehehälfte von Judith's Bewerber, dem hageren, reichen Jsmacl. Mit feinem Humor erzählte er von dessen schmachtenden, noch leider verunglückten Liebesiverben, skizzirte seine Persönlichkeit mit schnellen Strichen und der verständnißvollen Auffassung einer Künstlcrseele, inachte Rebecca, die zornig werden wollte, lachen, und entlockte selbst Judith hie und da ein flüchtiges Lächeln, so unangenehm ihr auch der Gegenstand an sich zu sein pflegte. Ja, halb absichtlich, halb unabsichtlich streute Samuel, um Judith's Willen, der Mutter Rebecca Sand in die klugen, offenen Augen, so daß sie den Glauben hegte, Judith's Abweisung Jsinael's sei nur eine ihrer vieleil Launen gewesen, oder Scheu und Schüchternheit hätten sie ihr diktirt, und noch schließlich zu der Ansicht kam, Judith's träumerisch-stilles Wesen entspränge der Reue und der Sehnsucht — nach dem Abgewiesenen. So bewegte sich nun Judith freier und unbcdrängter denn je, und die Erinnerung an Jüngstvergangenes wurde ihr zum stillen Kultus, ein gefährliches Allerheiligstes, angebetet fast wie das ihrer Religion und auch die Abwesenheit Samucl's änderte darin nichts. Doch als Fürst Murawiefs von Petersburg zurückkehrte und Samuel nicht mit ihm, da erwachte jäh die stille Träumerin. Todesangst u,n den Verschwundenen ergriff sie, doch auch Muth und Entschlossenheit kehrten ihr zurück, all' das Feuer und die Leidenschaftlichkeit ihres Temperaiiientes. Mutter Rebecca's Einreden, die bei der Trostlosen auch schwach genug waren, nicht achtend, eilte sie selbst nach dem fürstlichen Palast, wollte sie selbst hören und hören lassen, wenn es nöthig. Der Fürst war davon nicht unangenehm überrascht, es erleichterte ihm die Sache, und die Fürstin neugierig und und eifrig auf die gepriesene Schönheit der jungen Jüdin,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.