Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 10 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M. 10 Jüdisches 1885. -»N^- Jur Unttrhaltung «.Kelehrung für die isruelitifcht Jugend. Inhalt: Purim, 5645 Avil Dr. ,v G o I d 1 chmi dt -- Weilburg. — Judith oder das Peileuhälsboud. Erzählung. (Forlictzung). Zur Todlenschuu pro 1884. <Schl»ß>. — Allerlei für de» Fumjlicntisch: Jüdische Wohllhätigkeit. — Glacomo Malvano. Prolog. Pom Redakteur Alpdousc Levh, Freibcrg i. S. — Rälhscl-Ausgaben und Wthsel-Wsungen. _ Purim, 5045. Ein Jubiläums- Gruft au die „Allianee isr. uuiv.". Hamans Herz vor Rache schnaubte, Ein Verleihe» kannt' er nicht, Den» von Mordcchai sich glaubte Er verletzt, der Bosewicht. Doch nicht sollte sein gerichtet Der Beleidiger allein — Der war Jude — n»d vernichtet Tollten alle Inden sein. Was ging den» de« Volkes Glieder Dieses Einen Fehler an? Und die fernen Klaube,iSbriider, Was der Einc Mann gethan? Er war Jude! Kege» Jude» Ist es immer so gescheit'», Allen stets die Feind' aufluden Ides Einzelne» Vergehen. — Mordchai ging auf fromincm Pfade Er vertrante Kott getreu, Und es stand des Herr» Gnade Ihm und seinem Volke bei. Gegen Fromme stet« ergaben Sich gebrechlich Schwert und Speer: In die Grude, die gegraben Haina», stiiritc selber er. — Lind jetzt besser schon die Seelen? Reiner sie von Haft »nd Trug? — Ach, die Mordcchai, sie fehlen, Doch der Haman's gibt'« genug. Heut' »och, wen» in einem Lande Die Verleumdung Jude» droht, Trifft das Iudcnthnm die Schande, Und das G a »ze fühlt die Roth. Drum wie auch nach alle» Ende» Unsere Brüder sind zerstreut: Wo sie Seufzer zu »ns senden Sind zu helfen wir bereit. Und wie auch herum sic triebe Da« Geschick von Straft' zu Straft' . . . Uns vereint das Band der Liebe, Uns vereint . . der Feinde Hast. — — Drum ei» Hoch! ans Herzensgrund«, Und ein frischer Lorbeerkranz I» der Iubilänmsstunde Um das Haupt der „Allianz"! In den S» Jahren Hat sic Herrliches erreicht. . . Doch der Haft der Feindesfchaaren Immer drohender sich zeigt. Weiter müffe» wir noch pflegen Sie auf der besonder» Wacht, Rückschritt hat auf viele» Wege» Dir Humanität gemacht. Gotteshäuser und Altäre Sind, aufs neu, des Haffes Herd, Und des Fanatismus Schwere Wieder gegen »ns sich kehrt. £> so Hort'« »ach allen Ende» Brüder jedes Vaterlands: Traget bei mit vollen Hände» Lu dem Werk der „Allianz"! Immer weitre Kreise ziehe, Bi« der Liebe Strom rein flieftt, Alliance! Gedeihe, blühe, Bis Du ... . überflüssig bist! Ilr. I. (Äoldschmid-Weilburg. Judith, oder das Perlenhalsband. Erzählung aus den, russisch-jüdischcn Leben. Bo» Emilia P.v. i Sortierung.) Die Fürstin lachte. „Wie scrupulüs Du doch bist, Alexei, fast möchte ich glauben"- „Nun?" fragte der Fürst stellen bleibend. Die Fürstin senkte die Augen zu Boden, und fuhr dann mit leiser Stimme fort: „Daß Du die ganze Lache nur als ein Scheingeschäft, um mich zu täuschen, behandelst, theils um mich von Deinem Ruin z» überzeugen, theils um den Schmuck einer Schönen zu schenken, die mir Dein Herz abwendig gemacht." Der Fürst starrte seine Gemahlin fast ängstlich an, dann aber brach er in ein unbändiges Gelächter aus. Es wurde ihm schwer sich zu beruhigen. „Kascha, Du, eifersüchtig?! Nein, wahrhaftig dazu treibt Dich nur der Eifer, etwas hervorzusuchen, ivas mich Deinem Vorschläge gefügig macht." „Ah, ich bewundere Deinen Scharfblick, und lvünsche, sogar, daß Du recht gesehen — um meinetwillen," lächelte die Fürstin erröthend. „Um Deinetwillen?! Köstlich! So könntest Du im Ernst glauben"- „Von was mich zu überzeugen mir sehr schwer iverden möchte, im doppelten Sinne," fiel die Fürstin ihnr rasch ins Wort. „Ich verstehe nicht", entgegnete kopfschüttelnd Murawieff. „O, so will ich deutlicher sein! Ich kann an Deine Untreue und Deinen Ruin glauben, aber nicht mich davon überzeugt halten, wenn Du Dich thöricht genug zeigst, um hyperhumaner Ansichten oder Gefühle Willen eine so günstige Gelegenheit vorübcrgehen zu lassen, die uns" . . „Still still, Kascha — der Jude wird verbrannt — ich will ihn vpfern, kein Wort weiter." Er war ein lvenig bleich geworden, der gute Fürst Murawieff, bei diesen hervorgehasteten Worten und dicke Schweißtropfen standen ihm auf der breiten, niederen Stirn, doch die Fürstin kam auf ihn zugeeilt und schlang ihre Arme uni seinen Hals und lehnte ihren klassisch-geformten Kopf auf seine breite Schulter und streichelte ihm die erblaßte Wange mit der zarten Hand und flüsterte: „Ach, das herrliche Halsband, Alexei, wie beneide ich die Kaiserin!" „Aber Du willst nicht mehr, als sie beneiden, nicht wahr, Täubchen, Du verzichtest?" liebkoste sie der Fürst. „Was bleibt mir übrig," seufzte diese schmachtend. „Kind, Du hättest auch „Unmögliches" verlangt. Fürstin Murawieff kann wohl eine Göttin, aber Fürst Murawieff nimmermehr ein Gott sein". „Und leiste ich denn Unmögliches, Alexei?" „Wenn ich mein Gewissen befrage, ja!" stöhnte der Fürst. „So frage es nicht, oder — lasse die Leute bald auf Dich und mich mit Fingern zeigen, wie ich es wohl um Dich verdient mit meiner Liebe und meinem Stolz."