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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 9 (1885) · p. Seite 34

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
9 (1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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— 84 — * r s Judith, oder das Perlenhalsband. Erzählung aus dem russisch-jüdischen Leben. Von Emilia P.r. i Fortsetzung.) „Ausweichend und unsicher >var heut' sein Wesen und seine Rede! Welches Geheimnis; birgt er vor mir?" dachte die Fürstin bei sich: sie läutete heftig. In wenigen Augenblicken stand Schamyl vor ihr. „Schamyl'" rief sic. „Meine hohe Gebieterin befiehlt?" verneigte sich dieser. „Du bist mir anhänglich?" lächelte sic ihn an. „Ich wünschte zehn Leben zu besitzen, um sic alle in Euren Diensten, zu Euren Gunsten opfern zu können". „Ach Schampl, ich verlange nicht eines, doch Deine schönen Augen, sic sollen mir dienen, und Deine gespitzten Ohren nicht minder. Erforsche, was Samuel Nasaroff zum Fürsten geführt, welche" — Ich weiß es schon," stieß der junge Tscherkessc sic unterbrechend hervor, „doch erlaßt cs mir cs Euch zu sagen", fügte er bittend hinzu. „Wie?" fuhr die Fürstin empor. Schamyl schwieg. „Er erzählte vom Kriegs) chanplatz". Schamyl schüttelte traurig sein Haupt. „Er zeigte ihm Kleinodien?" — „Ja, edle Fürstin, ein Perlenhalsband von fast unschätzbarem Werth, und bot cs ihm, meinem hohen Gebieter, zum Kaufe an für Euch." Die Fürstin nickte befriedigt. „Und woher weißt Du dies?" „Ich lauschte, Fürstin, um — Euretwillen!" „Ich anerkenne dies. Und mein Gemahl?" „Wies ihn zurück", stotterte Schamyl erglühend. „Nicht möglich!" sprang die Fürstin auf. „Dies Halsband muß ich sehen! Befiehl den Juden zu mir, sobald er die Gemächer des Fürsten verläßt. Geh', Schamyl, geh', und sei meines Dankes gewiß." Doch Schamyl blieb wie angewurzelt stehen. „Was zögerst Du noch?" Ungeduldig ruft es die Fürstin, doch mit freundlichem Blick. Sie bleibt vor ihm stehen. Er senkt die Augen. „Nun, antworte, sprich?" fordert sie ihn lächelnd auf. „Es wäre vergebliche Mühe, der Fürst nahm den Schmuck an sich, verschloß ihn in ein geheimes Fach," fiel es etwas zögernd von des jungen Dieners Lippe». „Wie? — Nein, nein. Du lügst! Wie sahst Du cs?" „O Herrin, nicht sahen es meine Augen, doch fühlte es mein Herz, nicht schaute, doch erlauschte ich es." „Wieso,. Schamyl? Erkläre mir dies deutlicher." „Der Jude — v ich hörte es genau — bot meinem hohen Gebieter das kostbare Perlenhalsband zum Kaufe an, für Euch, Fürstin, zu Eurem Schmuck"- „Nun, und?" fragte diese gespannt, da Schamyl innehielt. „Mein hoher Gebieter lehnte den Ankauf ab", lispelte Schamyl mit gesenktem Blick. „Aus welchen Gründen?" forschte die Fürstin. „Ich weiß es nicht, o Herrin," betheuerte Schamyl. „Doch er behielt das Halsband"?" — „Ja, Fürstin". „Und warum, da er cs nicht kaufen wollte?" „Auch dieses weiß Schamyl nicht zu sagen, doch" — „Nun, was besinnst Du Dich? Sag' was Du weißt, sag' es Deiner gütigen Herrin." Bei diesen Worten bohlten sich der Fürstin dunkle .Feueraugen tief in des Jünglings Angesicht. Schamyl hob die großen Sammetaugen, zwei dunkle Aurikelblüthen mit leuchtenden Sternen vergleichbar, und sein schönes Antlitz überzog sich mit glühendem Roth, doch seine Wimpern zuckten nicht. „Schamyl weiß nicht, er denkt nur, Herrin," sagte er dabei langsam und ernst. „Auch was Schamyl denkt, will ich wissen." lächelte ihn die Fürstin an. „obgleich kein Leibeigener etwas Anderes denken sollte, als was ihm zu denken befohlen worden". „Sv zürnt Ihr Schamyl?" fragte dieser mit bebender Lippe, und die Sammetaugcn fragten mit, doch stumm und flehend, und vielleicht um so sprechender. „Nein, Schamyl, sage mir nur Deine Gedanken." „Der Fürst wird die Perlen dennoch kaufen — doch — nicht für Euch, o Herrin." „Nicht für mich?" Die Fürstin lachte. „Ei, und für wen sonst, mein kluger Schamyl?" „Für eine Andere, für Iwanowa Sasullistsch, Eure schöne, blonde Freundin, v Fürstin." Die Fürstin lachte laut auf. „Für Jwauowa?! O uürrischer Thor, o thörichter Narr, der Du bist! Wie kommst Du darauf?" Doch ihr heiteres, ungezwungenes Lachen schloß Schamyl den Mund. Sie trat zu ihm und legte ihre feine, schmale, Hand auf seine Schulter. „Ich will es Dir sagen, Schamyl, weil Du ein eifersüchtiger, unerfahrener Knabe bist, zu eifrig bedacht um mich. Deine gnädige Herrin." In jähem Wechsel überflogen Röthc und Blässe des jungen Tschcrkcssen Angesicht. „Ein Kind bist Du gegenüber der bösen, argen Welt, und doch wird mir Dein Einfall, soll er mir nützlich feilt- Doch das verstehst Du nicht. Bleibe mir nur stets so treu ergeben" — „O zweifelt nicht, theure Herrin, «chamyl bleibt Euch ergeben mit Seele und Leben immerdar!" rief der Jüngling mit heißblütig-schneller Versicherung, und seine Knie vor der schönen Fürstin beugend. „Ich glaube Dir, doch stehe auf, Knabe, enteile nach den Gemächern ineines Gemahls und entbiete ihn nochmals hierher und nochmals unverzüglich." Schamyl erhob sich. „Und der Jude?" „Ich bedarf ttmt seiner nicht." Die schöne Frau sagte dies mit abgcivaudtcm Angesicht, doch dabei Schamyl ihre feine Hand zum Kusse reichend, eine Ehre die der verliebte Knabe nicht genug schätzen zu können schien. Die in Gedanken versunkene Fürstin bemerkte es kaum. Unhörbar entferitte sich Schamyl. Nach wenigen Minuten kehrte er zurück. Roch stand die Fürstin auf derselben Stelle, wo er sie verlassen, wie gebannt. Schamyl wagte ein leises Husten. Da wandte sic de» Kopf, und fuhr sich mit der aristokratisch-geformten Hand über die krausgezogenc Stirn, wie um sie zu glätten. „Es muß sein", murmelte sic dabei, und zu Schamyl gewendet fügte sie hinzu: „Kommt mein Gemahl?" „Er folgte mir auf den Fuß, edle Fürstin." Schamyl hob nun die schwere Portiere und hielt sie fest, unbewegt und starr, wie eine Statue. Da kam auch schon der Fürst. Geräuschlos senkte sich das weiche, golddurchwirkte Gewebe, die beiden Gatten waren allein. In den Händen des Fürsten leuchteten, wie Thautropfen im silbernen, schimmernden Mondcnlicht die Perlen des Halsbandes der holdseeligen Sultanin Achmeid. Er breitete es vor der Fürstin aus. Diese stieß einen lauten Ruf der Ueberraschung aus. „O, wie unnachahmlich schön! — Du kauftest es für mich, Alexci, nicht wahr?" Der Fürst schüttelte ernst sein Haupt. „Kascha, sei vernünftig, ich kann Dir diese Perlen nicht kaufen." „O, und ich muß sie haben Alexei!" „Diese nicht!" beharrte der Fürst. „Sie sind unerschwinglich." „Aber nicht für eine andere Göttin neben mir!" brauste die Fürstin auf. — „Kascha, Katharina!"

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