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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 8 (1885) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
8 (1885)
Date
1885-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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r I M 8. Jüdisches 1885. Inhalt: - Jur Unterhaltung 11. Belehrung fiir die israelitislhe Jugend. „Ter h-iibe ©rficfel." «o» Dv. I. Goldschmidi-Wcilbnrä. — Judith »der das Perlenhalsband. Erzählung. (Forlsetzung). — Jüdische Silhouetten aus (Äauzien. Das Tupfer! auf dem I. Bon Nathan Samuely. (Schluf;). — Die Entstehung des Namens „Eongo". (Schluß). — Allerlei für den Familienlisch: Magdeburg. — Consianliiwpcl. — Ans dem ->pruch,chatz des Laliiiud. Poetisch übertrage» von Max Weinberg. — Rälhscl-Aufgaben und Rüihscl-Lösungen. Der „halbe Schekel."*) (Zu Parscliath Schekolim.) Gott zn MosrS sprach: „Geh zähle Deiner Israeliten Schaar, Und ein Löfrgeld der Seele Solle» Sie mir bringen dar"! Moses drauf: „So müsse» geben Wir dir hin die ganze Habe, Denn der Mensch greift für sei» Leben Gerne selbst zum Bettelstäbe." Doch der Herr spricht: Wenn d» brächtest Alle Güter, die dn hast, Zu verringern nie vermochtest D» vor Mir der Schnlde» Last. Den» wen» selbst die ganze Welt du Gäbst als Löscgeld geduldig, Bliebest ja . . . das Lösegeld du Immer mir, dem Geber, schnldig. Ganz das Leben «inzulöscn Seid vor Gott im Stand ihr nicht . . . Doch flieht ihr nur vor dem Bösen, Thnet ihr nur eure Pflicht! Nicht sollt ihr dann zaghaft bangen, Ob anch eure .straft zureichet, Denn ich werde nicht verlange», Was da« stönne» übersteiget. „Für der Tugend Himmelsgipfel Ist die Menschheit nicht bestimmt; Sittlichkeit nur ist der Wipfel, De» der beste Mensch erklimmt. Euer Leben ist ein Streite», Nie in Nuhe ihr verweilet; Nur ei» rastlos Vorwärtsschrei teil Habe ich euch zugetheilet. „Nicht könnt je zurück ihr zahlen Mir die Gaben meiner Huld — Doch e« soll euch stet« umstrahlen DaS Bewußtsein eurer Schuld. Nicht daß es euch Niederdrücke Zu verzweifluugsvoller Wehmuth, Nur daß euch di« Krone schmücke Stets der religiöse» Demuth. Drum zum Lösegclde bringet Eine» „halben Schekel" mir: Nur ei» Halbe» euch gelinget. Ganze» nie erstrebet ihr! Demuth strahlt mit hellstem Feuer In der Krone jede» Ruhme«: Nur in Demuth bringet Steuer Zu dem Bau des Heiligthnme». __ k>r. I. Goldschnitt» -Weilbnrg. *) Zmn Theil »ach dem Midrasch. Judith, oder das Perlenhalsband. Erzählung aus dem russisch-jüdischen Leben. Bon Einilia P.r. IV. Mieder in Hdrffa , Fortsetzung.) „Du wünschest wich zu sprechen. Kascha?" sagte er. indem er sich dem schönen Weibe näherte, und galant ihre, ihm gereichte Hand an seine Lippen führte. Er nannte sie stets Kascha, die stolze Fürstin Katharina. Sie nickte lächelnd. „Kamm', last' uns niedersitzen, Alexei," schmeichelte sie. indem sie sich in die schwellenden Kissen eines Diwans von hellblauem Seidendamast gleiten ließ. „Du hattest Besuch?" „Wer sagte Dir davon?" „Schamhl, Liebster." „Der Horcher und Plauderer!" stieß der Fürst ärgerlich hervor. „Sollte ich es denn nicht wissen?" „Er verricth Dir auch. >ver es lvar?" gegcnfragte der Fürst stirnrunzelnd. „Ja. der Juwelenhändler Samuel Nasarosf. Solltest Dn mir eine Ueberraschung bereiten ivollen. und deshalb"— „Nein Kascha, nein, ivahrhaftig nicht," fiel ihr der Fürst eifrig in« Wort, „so bereit ich auch bin, allen Deinen Wünschen entgegenzukommen, aber um Dir noch große Ueberraschungen, so zu sagen aus dem Stegreif angedeihen lassen zu wollen, dazu fehlt es" — „Fehlt es dem edlen Fürsten Murawiesf enschieden an der nöthigcn, liebcnstvürdigen Geneigtheit," spottete das schöne Weib dazwischen. „Kascha! So schenkst Du meinen Bersichcrnngen noch immer keinen Glauben?" „Den garstigen Versicherungen des Geldmangels? Nein, Alexci, nein, und ich kann es auch nicht. Ich kann mich nicht einschränken, von dem Piedestal der mir eroberten Macht auch keine Linie tiefer herabsteigen, keinen Faden breit abweichen, und wenn Du mich liebst, wirklich liebst, wirst Du es auch nimmer verlangen," fügte sie sich an ihn schmiegend hinzu. „Ich muß Kascha, ich muß." murmelte der Fürst sie an sich pressend, und etwas kleinlaut. „Ach, sprich nicht so, ich glaube es Dir ja doch nicht," schmeichelte die Fürstin im Bewußtsein ihres Einflusses und der Dringlichkeit neuer Forderungen. „Siche, ich weiß es ja, daß jener Jude nur Juwelcnhandler, kein Geldverleiher ist, und darum glaube ich auch nicht, an Deine Geldverlegenheit; gestehe, Du willst mich nicht nä nlwuräuva führen." „Du irrst in diesem, wie Deine Logik in Jenem nicht zutreffend ist, Kascha. Samuel Nasaroff suchte mich auf, von selbst, ich befahl ihn nicht zu mir," versetzte der Fürst mit einem selbstzufriedenen Lächeln. „lind was wollte er von Dir?"

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