Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 7 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 28 - 25. December 799 begonnen habe, bedarf doch der Klärung. Die Geschichte weiß nämlich hiervon nichts. Bekanntlich berichten die Geschichtswerkc, daß Karl Weihnachten 800 gekrönt worden sei. Da er aber seinen italienischen Zug bereits 799 vornahm, so ist dies ein scheinbarer Widerspruch. Nicht Weihnachten 800, sondern 799 ist Karl gekrönt worden. Müller sucht nun diesen Widerspruch dadurch zu verdecken, daß er sagt: „Weihnachten im Beginne 800", nicht Ende 800, bleibt aber dunkel. Die eigentliche Lösung liegt darin, daß in der katholischen Kirche die Weihnachten eine sogenannten Oetave, d. h. ein achttägiges Fest bilden und vom 25. Dccember bis zum 1. Januar gefeiert werden, demnach mit dem 1. Januar, dem BcschncidungStagc Jesu schließen, der Art, daß dieser Tag, also der Anfang des neuen Jahres, noch zu Weihnachten gehört. Der Versuch, den Jahresanfang mit dem 25. Dcecmbcr zu beginnen, ist entweder nie gemacht worden oder nicht gelungen. Alkan mußte allgemein den bisherigen Jahresanfang, den 1. Januar, fcsthalten und konnte ihn nicht verdrängen: und doch wäre es leicht gewesen, durch Ueberspringung von acht Tagen die Zeitdifferenz auszugleichen, wie es bei Einführung des Gregorianischen Kalenders geschah, wobei man sofort 12 Tage weiter datirte, welche Differenz heute nach dem Unterschied zwischen dem russischen (griechischen) Kalender alt. St. und dem nnsrigen ausmacht. Die Jahreszahl erscheint nun zwar doch als christlich, trotz des bcibehaltcnen Jahresanfangs, aber die Kirche rechtfertigt den 1. Januar als Jahresanfang damit, daß sie ein achttägiges Geburtstagsfest Jesu vom 25. Deccmber bis zum 1. Januar, feiert. 8. -A. 3. Zu unserer redactionellcn Anmerkung über das Neujahrsfest in Nr. 3 sei noch hinzugefügt, daß der 1. Januar der Kirche in der Thal als der Tag der Circumcisio Christi tBcschncidung Ehr.) gilt und so auch in den Kalendern bezeichnet wird. So mutz es komme«. Ein Mitarbeiter des antisemitischen „Deutschen Tageblatts", der stolz ist ans das tadellose Schwarz seines martialischen Schnurrbarts und auf die lockige Fülle seines Haupthaares, betrat dieser Tage ein Restaurationslokal. Kaum hatte er die Schwelle der Gaststube überschritten,, da wurde es unter den Gästen ganz auffallend lebendig: man steckte die Köpfe zusammen, cs ging ein unheiinliches Kichern und Zischen durch die Räunic und plötzlich erscholl der Ruf: „Juden raus! Knoblauch! Juden raus!" Der ahnungslose Pilger sah sich erst mit lächelnder Miene nach dem Opfer des furor antisemiticus um, endlich aber wurde es ihm klar, daß er selbst die Adresse war, an welche jene freundliche Aufforderung gerichtet war. Vergebens betheuerte der also Verkannte seine „Unschuld", vergebens verwies er auf seinen Taufschein — es half ihm Nichts, denn die schwarzen Haare hatten es den Anderen angelhan, und so hallte ihm der Ruf „Juden raus" noch nach, als er die Thür des ungastlichen Restaurants schon von draußen zugemacht hatte. Kleine jüdische Charakterzüge. Bon Up. Rk. in Brandend. 19. Leiser Ueugatz. 1. Leiser Neugaß, in Berlin wegen seines schnell treffenden, höchst überraschenden Witzes allgemein bekannt, hattcin der Bernhard'schen Seidenfabrik, in der Moses Mendelssohn als Buchhalter thätig war, oftmals Waareu entnommen, fand sie aber nachgerade nicht billig genug und kaufte dort nichts mehr. Eines Tages ging er bei der Bernhardschen Fabrik vorbei, und Mendelssohn rief ihm z»: Herr Neugaß, warum lassen Sie sich bei uns garnicht mehr sehen? Reugaß erwiderte: Geht, geht, Ihr „übersetzt". (Doppelsinnig: 1. aus einer Sprache in eine andere übertragen, hier mit Bezug auf die Mcndelssohn'sche Uebertragtnig des Pentateuch und der Psalmen; 2. eine Waare zu theuer verkaufen.) — 2. Neugaß befand sich eineZcitlang in bedrängten Vermögensverhältnissen und war deshalb fast immer sehr zerstreut. Als nun einst in einer Gesellschaftseine völlige Theilnahmslosigkeitjwährcnd einer, alle übrigen Anwesenden sehr anregenden Unterhaltung bemerkt und er gefragt wurde, ob er schwerhörig sei, antwortete Nengaß: Vor etwa 40 Jahren wurden verschiedene Seelen vom Himmel auf die Erde gesendet, die einen nach dem Schloßplatz, die andern, darunter auch meine Seele, »ach der Heidercitergasse. Ich begab mich jedoch nach dem Schloßplatz und begehrte Einlaß in das königlichcPalais, denn ich wollte wollte absolut Kronprinz werden, aber — es w nrdc mir „kein Gehör" geschenkt. — 3. Nengaß wünschte in eincn> Geschäfte Tuch zu einem Rock, und der Kaufmann legte ihm ganz gcivöhnliche Waare vor. Neugaß verlangte eine bessere Qualität, und der Kaufmann zeigte ihm angeblich eine solche, in Wirklichkeit aber eine noch schlechtere und bemerkte: Das ist Tuch wie ein Brett. — Da kauf' ich mir doch lieber gleich Brert zum Rock, versetzte Neugaß und entfernte sich. '-SIr Räthsel-Aufgaben. £@§*> I. Diamant-Räthsel. SSon Sali Cohen in Rees n. Rh. 1. A 2. A A A 3. A A A A B 4. BBEHKLL 5. M M 0 R R 6. SST 7. T Diese Buchstaben sollen nach obeustcheuder Figur so gestclli werden, daß sic wage recht ergeben: 1. Einen Buchstabe». 2. Einen Geistlichen. 3. Einen israelitischen Stamm. 4. Einen Stammvater. 5>. Einen moabitischen König. 0. Einen männlichen biblischen Rainen. 7. Einen Buchstaben. und die mittlere senkrechte Reihe einen israelitischen KönigSsobn. II. Deutsches Silbenräthfel. Bon A. Spei er in Heincbach. TaS Heiligste war einst in meinen Mauern, Doch nicht zum Heil, sondern zum Trauern. Legst zu Füßen T>u mein Haupt, So sichst Du mich aus hohem Haupt. in. Hebräisches Silbenriithsel. Bon I. Eckmann in Nienburg. Mit einer Silbe ein Opscrthicr, Setz' zweimal sie, ein Flüßchen weit von hier. IV. Hebräisches Homonym. Bon E. in!>i. Wer kennt eine Münze, in der Bibel genannt, Auf der Wiese zu finden, locnn'S Wort wird gewandt'? Auflösung der Diäthsel in Nr. 6. i. v I N A 0 A B In X M I A B I A II. Ader. Adar. HL arh (Brod). nSö (Salz). IV. ‘7»"(®alb). (Wagen,. Richtige Auflösungen sandte» ein: Lehrer Weißmann in Kätscher. Salh Goldschmidt in Rothen, bürg a. d. Fulda. Eugen Szkolnch, Quartaner in München. Oscar Franckeit in Aachen. Jeanette Haas in Frcudenthal (Württemberg.) Meyer Müller in Themar. Sali) Cohen in Rees. Aron Hamel IN Winzig <n und IV). Richard Pacharzewski in Magdeburg (dsgl.) L. in Aachen (dsgl.). G Schwarz in Hattstatt (H). L. W. in Oberstem. Verantwortlicher Redacteur vr. Rahmer, Magdeburg. Druck oon D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.