Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 6 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 4)
- Language
- German
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— 24 — Jahre 1481 war nämlich Atphons V. gestorben; sein Sohn, König Johann II., zeigte sich »och eifriger als sein Vater besorgt, den Glanz Portugals durch Entdeckung neuer Länder zu vergrößern, und die erste seiner Handlungen war, daß er cine bedeutende Flotte unter Cohn's Befehl stellte und ihm Martin Behaim als Kosmographen beigab. Der Admiral war von Herzen sroh, seinen lieben deutschen „Goi", wie er ihn hieß,*) da er den Namen Behaim schwer aussprach, mit auf die Reise nehmen zu können. - An welchem Tage Cohn's Flotte in See ging, scheint nicht genau bekannt zu sein, ließe sich aber wohl aus den Archiven der Admiralität zu Lissabon ermitteln. Man weiß jedoch, daß der Admiral an der Westküste Afrikas über die Mündung des Zaire hinaus, noch zweihundert Meilen weiter nach Süden fuhr und überall an den Stellen der Küste, wo er landete, dem Befehle des Königs gemäß, Steinpfeiler aufrichtetc, welche durch Inschrift zum Theile noch heute bekunden, wann, unter wessen Regierung und von wem dies geschehen sei. lieber die denkwürdige Reise ist der Nachwelt ein Bericht erhalten geblieben, in welchem es heißt: „Nachdem Caon**) das Cap Lopez hinter sich gelassen hatte, gelangte er an einen Fluß, der bei den Eingeborenen Zaire heißt. Als er auf demselben cine kleine Strecke auswärts fuhr, sah er schwarze Leute, wie überall an der Küste, und erfuhr durch Zeichen von ihnen, daß sie einen mächtigen König hätten, der einige Tagereisen weiter im Innern wohne. Er sandte nun mehrere Leute mit Geschenken dorthin, fürchtete aber bald, wegen ihres langen Ausbleibens, unvorsichtig gewesen zu sein, griff einige Neger als Geiseln auf und beschloß, zunächst nach Portugal zu segeln, den Negern aber deutlich zu machen, dag er zurückkchren werde und die vier Männer, die er an ihren König gesandt, bis dahin zurücklasse. König Johann freute sich, Leute von so gewecktem Geiste zu sehen gab Diogo Caon viele Geschenke für den König am Zaire mit und befahl ihm, schleunigst zurückzukehrcn, das neu entdeckte Land aber womöglich zum Christenthum zu bekehren. Als Caon dorthin zurückgekommen war, herrschte große Freude bei den Einwohnern darüber, daß die Geiseln lebend und gut gehalten waren, noch mehr aber bei den verlassen geivesenen Portugiesen, die gleichfalls wohlgepflegt schienen." soweit der Bericht. (Fortsetzung folgt.) Allerlei für den Familientisch. Cin Zeichen der Zeit. j ' Die bekannte Firma MeyLEdlich versendet, wie gewöhnlich seine Waarcn-Kataloge, aber mit folgender Beilage: „Als Antwort auf uns vielfach zugegangene Anfragen erlauben wir uns, hierdurch zu erklären, daß sowohl unser Herr Ernst Mey, wie auch unser Herr Bernhard Edlich sich zu der christlichen Religion bekennen und von christlichen Eltern abstammen, daß auch die sämmtlichen Angestellten unserer verschiedenen Etablissements in Plagwitz, Leipzig, Berlin, Hamburg, Zürich, London und Paris, gegen 1000 Personen zusammen, C h r i st e » sind." Wir finden es begreiflich, daß der Geschäftsmann eben Geschäftsmann ist. Aber es gereicht wahrlich der Zeit nicht zur Ehre, die den Geschäftsmann zivingt. mit seiner Religion . . . Schacher zu treiben. Und dabei spricht man von „Schacher-Juden"! Es wäre schlimm um das Thristenthum bestellt, wen» es an diesen — Früchten zu erkennen wäre. Wir denken aber viel zu groß vom Chriitenthume, als das wir in diesen traurigen Zeichen der Zeit *) Das Wort Goi ist cine Bczeichmmg, toelchc viele selbst getaufte Juden dem Christen beilegen. **) In den Quellen findet sich die Schreibwehc des Namens verschieden: Can, Cam, Cohn, Caon und Cao. Uns liegt natürlich die Schreibart Cohn am nächsten. Verantwortlicher Redacleur vr. Rnhmcr, Magdeburg. Druck von nicht vielmehr nur das Unkraut erblicken würden, das derr große Gärtner schon zur rechten Zeit ausjüten wird. — Daß aber der Antisemitismus sich an einen Mann hcranwagt, der seine etwa 1000 Untergebenen rein von allem Semitismus zu bewahren sich die Mühe giebt, ist doch sehr undankbar. Juden werden hoffentlich an diesem Circular keinen Anstoß nehmen; wenn sic sonst gut bedient wurden, werden sie die rein christliche Bedienung in den Kauf nehmen. Was kann Mey & Edlich dafür, daß auch noch zu Ende des 19. Jahrhunderts das Göthe sche Wort eine Wahrheit ist: „Wie ein jeder ist, so ist sein Gott, darum ward Gott so oft zum Spott". Räthsel-Aufgallen. I. Huadrat-Uächsel. Von G. Wcrthan in Berleburg. Die folgenden 16 Buchstaben: AAAAABBDJJJJMNNO sind in die 16 Fächer eines Quadraies so zu setzen, daß die corrcspon dircnden Reihen, von oben nach »nie» und von links nach rechts,- 4 biblische Eigennamen und zwar: Reitst I und 3 zwei weibliche^ Reihe 2 und 4 zwei in ännliche, ergeben. II. Deutsches Silbenriichsei. (Zweisilbig.) Bon R. in Magdeburg. Mit c man cS bei jedem Menschen sind«. Doch läßt man's, Schmerz man drob impsindet Mit a man nächstens es verkündet, Der Jude Freude drob empfindet, — Wie's der Schnlchan Anich kündet. III. Hebräisches Kogogryph. Von (5. in W. 12 3 Dir nimmer fehle, Sitzest Dil beim frohen Mahl: (£« erquicket Herz und Seele Mehr als Wein im Goldpokal. 3 12 desgleichen füge 'ju dem ersten stets hinzu: Beide leisten voll Genüge, Genießt man sie in Seelenruh! IV. Hebräisches Silbenrächsiel. (Zweisilbig.) Bo» I. Eck mann in Nienburg. Ein junges Thier nennt Dir das Wort, Ein N dran, bringl's von Ork zu Ork. Auflösung der Rächsel in Ur. 5. A a C e g i C » M A K J «—; o 0 s 0! 0 : r 8 S R | N [T U E E j A | '~A 17 R A 8 I) b a f h k B Diagonale A. B — Moses. C. D. — ^zofua. II. Jordan (Fluß und deutscher Dichtername). III. sKL (Schaf) Zaun. IV. 2'y''Meere-,S'v'lTage) S'vflMaulcsel, s. l. B. M. 36,24.)° Richtige Auflösungen sandten ein: . Gabriel Schwarz in Hallstadt. S. Ries in Bruchsal. Dolsc in C. Wilhclni Chrzelitzcr in Oberglogau. Paul Weißmann „l »‘'Wir. y. in Aachen, il. .»atz in Falkenberg. Sali Cohen in Rees. E. L. m Dr. (2. 3) Paula >ll,d ShlviuS Pick in Beuchen O.-S. (I) Joseph W. Goldschmidt in Altona (II). Cantor Winter, Heulllch Lowe und Richard Pacharzewski in Magdeburg. salldtcn L. Cohen in Rees und I. W. Gvidfchmidt in Altona ein. D. L. Wolfs, Magdeburg, Verlag von Robert Friese, Leipzig.