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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 5 (1885) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
5 (1885)
Date
1885-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Weltcnall, das dich umragt, Die Tiefen und die Höhe», Die Steriienfchaar, der Tag, die Nacht, (Entstehen und Vergehen . , . „(fe soll dir sein ein Zeichen!" — Und deiner eignen Menscheubrust Geheiinnißvvlle Tiefe», Sie stöhnt vor Schmerz, sie jauchzt vor Lust, Ihr Wollen, Zweifeln, Prüfen . . . .«<?» soll dir feilt ein Zeichen!" — Und de» Gewissens Donnerto», Des Herzens stürmisch Schlagen, Die Angst des Frevlers ans dem Thron, Die Wonne im Gntsagcn ... „<£» soll dir sein ei» Zeichen!" — Daß über Nanm »nd über Zeit Und was im Sein stch schwinget Gin Gott regiert in Heiligkeit Und mächtig cs dnrchdringct — „Soll es dir zein rin Zeichen!" Und was die Lehre dir befiehlt, Vor deinem Gott zu üben, Wie auch »er Zweifel es zerwühlt, Last dir den Sin» nicht trüben . . . „Gs soll dir sei» ein Zeichen"! — Nur üb's nicht als tseremonie», Laß es mit höherem Streben Zur Tugend denkend dich durchglüh'n Und dich zu Gott erheben . . . „GS soll dir sein ein Zeichen!" — l)r. I. Goldschmidt-Weilburg. Judith, oder das Perlenhalsband. Erzählung aus dem russisch-indischen Lebe». Von Emilia P.r. i Fortsetzung.*) Staunend betrachteten die wilde» Burschen die schöne, kühne Sprecherin. Leise beriethen sie sich unter einander, Samuel aber zog der Tochter Hand an sein Herz und drückte sic schweigend. Jetzt sprang einer der Kosacken Uom Pferde und bedeutete Judith, cs zu besteigen. Diese lächelte. „Ich danke Dir, nicht geziemt es der Tochter — ein Rotz z» besteigen. Vater und ich sind gut zu Fuß mit ihm, an *) In vor. Nr. 3. 14 22 und 23 leie man: ..nächste Folge»" und „weitere Conseguenzen". seiner Seite will ich gehen. Sitz' wieder auf, Du Kriegersmann, wie sich's gebührt." „So klug, wie schön ist Deine Tochter, o Jude!" lachte dieser sich in den Sattel schwingend. Nu» »ahme» die vier Kosacken die Flüchtigen und auch den türkischen Diener in ihrer Mitte, und eskortirten sie dem Lager zu. Samuel hatte sich schon versucht gefühlt, sie sich mit einigen Silberrubeln gefügiger zu machen, doch hielt ihn die Furcht vor ihrer Raubgier, die er sicher dadurch erregt hätte, davon ab ab, und Judiths kühnes Auftreten hatte es nun auch überflüssig gemacht. Niemand sprach ein Wort, und binnen Kurzem sah mau schon die ersten Zelte vor sich auftauchen. Judith's muthiges Herz klopfte unwillkürlich schneller. Neugierig schauten die Posten und Wachen den Ankömmlingen entgegen, und jede derselben, die man zu passiren hatte, wähnte, daß da Spione eingebracht würden. Man führte sie vor einen der wachthabenden Offiziere, dem sie ihre Aussagen wiederholten. Ein wenig ungläubig schüttelte dieser sein Hanpt, überflog prüfend Judith's Gestalt und suchte ihre Züge zu erforschen. Das kecke Anstarren machte Judith erbeben und verdroß sie. Noch hatte sie kein Wort gesprochen. Jetzt hob sich ihre zierliche Gestalt. Stolz warf sie das edle Köpfchen in den Nacken. „Führt uns vor Fürst Paskcwitsch," hob sie laut und eindringlich an, „er wird uns glauben und die nöthigen Beweise erhalten. Haltet uns nicht unnöthig hier auf, wir bedürfen der Ruhe". „Fürst Paskewitsch wegen Euch aus dem Schlafe wecken, nein, das geht nicht, schönes Kind! Doch vielleicht, Mädchen, kennst Du ihn, wie? Da ließe sich wohl ein Ucbrigcs thun." Lachend trat der junge Offizier Judith einen Schritt näher, doch diese sogleich einen zurück. „So wenig, wie ich Euch kenne," sagte sie kalt, obgleich ihre Wangen glühten, „seid Ihr ein Edelmann, wie er, so werdet Ihr Euch unseren Wünschen nicht weiter entgegensetzen." „Ich kann, ich darf ihn nicht lvecken, Mädchen! Ihr müßt Euch gedulden, zuckte der junge Russe die Achseln. „Komm Schätzchen, lege den häßlichen Mantel ab und mache es Dir bequem drinnen auf meiner Lagerstatt, die ich heute nieiden muß. Auch für Deinen Bater da, — wie D u ihn nenn st, — wird sich schon noch irgendwo ein Plätzchen finden lassen." Alles lachte, während der Offizier einen Kosacken heranwinklc. Instinktiv errieth Judith seine Absicht. Außer sich trat sie vor und zornbebend rief sie aus: „Wie ich ihn nenne?! Mein Vater ist er, wie ich seine Tochter, eine Jüdin bin!" Und mit dem ganzen Ungestüm ihres leidenschaftlichen Temperamentes riß sie sich den Mantel von Kopf und Schulter. _ Da stand sie nun in ihrer ganzen Schönheit, in dem blauseidenen, silberdurchwirkten Gewände Achmeid's einen kostbaren Shwal um die schlanken Hüften geschlungen

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