Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 2 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 2. Jüdisches 1885. L^KUlkll-S/s// Jur llntrrtialtnng n. KklkhrilNS für die israklitifche Jugend. «N*- Inhalt: Der Scocn Jakobs. Von I)r. 3. Goldschmidt-Weilburg. — Judith, oder daS Perlenhalsband, Erzählung, — Landrabbmer vr Hcrrheimcr s, A. 'Von I, Eckman». — Allerlei fiir den Familientisch: Die Inden in Glogan. — Geschicklichkeit, — Kieme jüdische Charaktcrziiqe, 17, Stets ungereimt, — Aus den Dcntsch-israclitischcn Gcnlcindebnnd. — Rathscl-Ausgabe», u. Lösungen, Der Segen Jakobs. (Zum Bochcnabschnitt 'Wasev>ii>. Jacob hatte siebzehn Jahre Im Egnptcrland verlebt; Joseph, aller Sohne bester, Hat in königlicher Weise Seines Vaters Lebensabend Kindlich liebevoll verschönet. Seinen Brüder» hatt' verziehen, Was a» ihm gctha» sic hatten, Keine Spur hegt' er des Grolles. Nndnun nahtdicStcrbestunde Für de» Patriarchen Jacob, Und er will vor seinem Tode Seinem thenrc» Sohne Joseph Alle Lieb' »nd Treue lohnen. „Lohnen? Wie will er dem Joseph, Der als König von Egnptc» I» der Fülle aller Güter Nicht« entbehret, mächtig waltet — Wie will Jacob, der als Gast nnr Ioseph's in Egpptc» weilte, Wie will er dem Joseph lohnen?" — Ioscphkam,denkranke»Vatcr Zu besuchen, seine beide» Söhne waren ihm Begleiter, Mananch »nd Ephraim. „Bring' mir her die beide» Söhne, Mir die vielgeliebte» Enkel" — So »pricht Jacob zu dem Sohne — „Daß die schwache» Hände segnend Auf das Haupt ich ihnen lege. Kommt Ephraim 11. Mcnaffe, Von Geburt». von Erziehung Seid ihr Prinzen — mein Besitzthum, Nichts ist's gegen cnrenReichthum Doch ich ged' euch, was vom größte» König ihr nicht erben könnt: Meine Hoffnung für die Zukunft — Gleiche» Anthcil sollt ihr habe» Dran, wie meine eignen Söhne! Und in alle Ewigkeiten Soll in Israel der Segen Sich an eure Name» knüpfen: „Gott, der Herr, er soll dich machen Wie Ephraim». Manaffe!"— ltnd so ist's in Israel auch Bis zum hcut'ge» Tag geblieben. Wen» der Sadbath, wen» der Festtag Einzieht in Israels Hütte, Mit dem Strahl der Fcstc«- lichtcr Einströmti» diemüdcn.Herzen Sabbathrnhe, Freud' «nd Friede»: Legt der Vater seine Hände Segnend ans das Haupt des Sohnes, Spricht den tausendjährige» Segen, Den von Jacob eingesetzten: „Gott der Herr, er soll dich machen Wie Ephraim undManaffc!" Wenn der Sohn vom Vater Abschied Nimmt, zum Wanderstabe greifend; Wenn der Schüler von dem Lehrer Abschied nimmt sich zu entfernen; Wenn die weihevolle» Stunden DesVcrsöhnungstagcs nahen Und der Vater in der Seinen Mitte steht im Stcrbekleide; WcnndickaltcHanddcsTodcS Von dem Ban», des Leben« reiße» Will das Leben eines Vaters. Und der Sohn zum cw'gcn Abschied Bittet um de« Vaters Segen: Immer sind'S die altcrcrbten Worte unsres Vaters Jacob, „Gott der Herr, er soll dich machen Wie Ephraim». Mcnaffe!" — Wahrlich, Vater Jacob, reichlich Hast du deinem Sohne Joseph Alle Lieb und alle Treue Du gelohntmitdiescm Segen! Und den Sinn hört dieses Segens: Wie Ephraim und Manaffe Ihrer Ahnen hohe Hoffnung Höher schätzten als die Güter Ihrer königlichen Stellung — Solcher Sinn soll dich beglücke»! Solcher Sinn soll Wurzel schlagen In dem Geiste aller Söhne Israels, »ndBlüthcntreibcn: „Gott der Herr, er soll dich machen Wie Ephraim »nd Manaffe!" Or, I. G 0 l d s chi d t Beilburg. Judith, oder das Perlenhalsband. Erzählung aus dem Russischen. Von Einilia P.r *) Samuel und Judith. (Fortsetzung.) Gehorsam, ohne eine andere Entgegnung, als die eines glückstrahlenden Blickes der Dankbarkeit, und nachdem sie ihrem Vater die Hand geküßt, entfernte sich Judith leichten Schrittes, Auch Frau Rebecca sagte nichts, denn sie wußte, was Samuel einmal gesagt, stand unverbrüchlich fest. Sie begnügte sich daher damit, einen Seufzer auszustoßcu und noch einen, bis Samuel sagte: „Seufze nicht, Weib, sondern freue Dich, Gute Geschäfte verspreche ich mir diesmal, denn zu Kriegszeiten verlangt Jeder baares Geld, und entäußert sich alles Ueberflllssigen, insbesondere werthvoller Kleinodien und Kostbarkeiten. Ich aber werde ein Kleinod, unsere Tochter, mit mir führen, wer weiß, ob nicht eines reichen Geschäftsfreundes und Stammesgcnosseu Sohn und Erbe, größeres Verlangen nach uuserem Edelsteine und seinem Besitz zu hege» beginnt, als nach allen Juwelen ver ganzen Welt, Hoch auf horchte Frau Rebecca, „Ei, Samuel, Väterchen, fast scheint es, Du hast schon gewählt und vorgearbcitet, der Snltanstochtcr Wunsch ist nur ein Vorwand, Sprich, sage mir, wer ist, wie heißt der Schwiegersohn, den Du Deiner Rebecca in's Haus bringen willst, damit sie ihn ausnähme, als einen Sohn ihres Herzens?" „Ueberhaste Dich nicht, Rebecca, und harre in Geduld. Nur Wahrheit kam über meine Lippen, und jeder trügerische Schein liegt mir fern, wie den Steinen und Schützen, die ich erhandle und verhandle Nur Wünsche habe ich, Wünsche, Mütterchen, denn nicht geziemt es der Frömmigkeit und Ergebenheit, einzugreifen in die Wege des Herrn, unseres allheiligen Gottes, nicht verschachern kann ich Judith, mag ihr Herz sprechen, da es Zeit ist," vollendete Samuel träumerisch. „Vater, Mann, fragte man denn unsere Herzen?" „Die so lang schon einig waren? Nein," „Und doch war ich erst sechszehn Jahr," lächelte stolzzufrieden Rebecca, „Aber keine Judith", erklang es langsam dagegen, „Doch nun, Rebecca, geh', hilf dem Kinde beim Ordnen der Sachen", fügte Samuel hastig hinzu. Kopfschüttelnd verließ ihn Rebecca, II. In Silistria, Während Samuel mit seiner schönen Tochter von Ort zu Ort reisend, im Türkenlande vvrdrang, und letztere sich allen Strapazen gewachsen, allen Gefahren gegenüber mnthig und tapfer zeigte, war der Krieg in der That schon ausgebrochen, Die Feindseligkeiten hatten begonnen, da die Westmächte mit ihrer Kriegserklärung nicht mehr zurückge- *) Nachdruck verboten. ».»«> räaifeitiSSgi