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Jüdisches Familienblatt · 1885-01-01 · 1 (1885) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1885
Issue
1 (1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 — Verleihung der goldenen Zivilverdienstmedaillc mit dem Bande, eine Militärkapelle brachte ihm ein Ständchen, außerdem wurde eine Privatkollekte veranstaltet, damit er einen durch keine materiellen Sorgen getrübten Lebensabend und eine anständige Rente zu verzehren hätte. „Eichberg hat nun", meinte eine gute, echte Schwäbin, „Alles, wonach sein Herz verlangte — ein Rent'le, ein Ständ'le (Stündchen) und ein Bündle (Band zur Medaille)." In seinem geistreichen Werke: „Die Welt als Entwicklung des Geistes" sagt Ludwig Noirö (Seite 13), indem er hcrvorhebt, daß ein Wort zu verschiedenen Zeiten verschiedene Bedeutung haben kann: „Bon der christlichmittelalterlichen „Humanität" will ich nur das eine Beispiel anführen, daß Papst Alexander II. sich veranlaßt sah, im Jahre 1068 öffentlich zu erklären, daß es nicht erlaubt sei, einen Juden umzubringen. Und heute? Liegt nicht in der furchtbaren Wirkung jenes Wortes klar ausgesprochen, daß sich die ganze Menschheit solidarisch gebunden fühlt, unmenschliche Gesinnungen und Thaten mit dem ganzen Gewicht ihres Unwillens zu brandmarken, den Unmenschen von sich auszustoßen." Und weiter a. a.O. S. 391: „Omnis determinatio est negatio.*) War es nicht ei» Jude (Spinoza), der diesen Satz zuerst aussprach: Und war es nicht natürlich, daß er bei einem Juden zuerst zum Bewußtsein kam? War er doch ein Ausgestoßener, ein Verworfener, für den di» thätigc Menschenliebe nur Haß und Verfolgung hatte, ein Aussätziger, dem sie den Bruderkuß verweigerte! Und so wurde an ihm die Lehre von dem allliebenden, gütigen Vater z u Schanden." Kleine jüdische Characterziige. Bon Hp. Rk. in Brandenburg. 16. Pil’d oder: Der Glaube macht furchtlos. Ein Knabe war so furchtsam, daß er um keinen Preis allein im Zimmer geblieben oder gar Abends allein ausgegangen wäre. Die Mutter klagte das dem Rabbiner und bat ihn uni ein Kamea (Amulet, Schutzgehäugc) für ihren Sohn. Der Rabbiner — wenngleich streng fromm, doch solchen Dingen abhold, weigerte sich lange, der Frau zu willfahren; indeß da dieselbe mit Bitten nicht aufhörte, nahm er endlich einen Papierstrcifcn, schrieb daraus die vier hebräischen Buchstaben Pe, Jod, Lamed und Daleth, die das unverständliche, aber um so mystischer scheinender Wort Pil’d ergeben, und überreichte den Streifen der Flau. Der Knabe trug ihn bei sich und seine Furchtsamkeit war fortan wie weggezaubert. Ein Freund des Rabbiners erfuhr das und bemerkte demselben sehr ernst, daß er ihm die Anfertigung von Kameos nicht zugetraut hätte; dabei bat er den Rabbiner, ihm die Bedeutung jenes kabbalistischen Ausdrucks zu offenbaren. „Das will ich gern, antwortete lächelnd der Rabbiner, jener „kabbalistische Ausdruck" ist nichts Geringes, alsnun, als die Anfangsbuchstaben der proverbialcn Worte Pessi iaamin l’chol dowor - Ein Thor glaubt alles. (Spr. Sal. 14,15). Die ernste Haltung des Freundes wandelte sich in eine hockigradig heitere, hell auflachend und für die „Offenbarung" herzlich dankend reichte er dem Rabbiner die Hand. — Der Knabe aber erhielt für immer den lieblichen Beinamen Pil'd. „Habt ihr noch einen Bater, einen Bruder?" Zum Wochenabschnitt Wajiggasch.») „Habt ihr noch einen Bater, einen Binder" — So fragte Joseph seiner Brüder Schaar: Sie hatten ihn als Sklaven nach Egypten Bcrkanst, >vo König er getvorden war. „Habt ihr noch einen Vater, einen Bruder" — O wie ergriff das Wort ihr zitternd Herz! Des Bruders hatten sic sich nicht erbarmet, Betrogen hatten sie des Vaters Schmerz.- „Habt ihr noch einen Vater, einen Bruder" — Hört bebend dies ihr Bösgcsinntcn all', Wenn euch ein Hohn des Bruders heilige Rechte lind des Allvaters Wort ein leerer Schall! „Habt ihr »och einen Vater, einen Bruder" — O hört's, die ihr im Namen Gottes hehl! Der hat sich schnöde loSgesagt vom Vater, Der seine Bruderpflichten schnöd' verletzt! „Habt ihr noch einen Vater, einen Bruder" — O, das> gehört cs lvürde alle Zeit, Von einem Erdenpolc hin znm andern: „Die reinste Religion ist Menschlichkeit!" - Dr. I. Goldsch INidt - Weilbnrg. *) S. Genesis 44,19. Räthsei-Aufgaben. I. Zweisprachiges Riithsel. Von Jacob Kaufmann, Lebrer in Essen. Zwei Consonanten und ein Vocal Giebt Dir mein kleines Wörtchen an, Der Form nach ist es stets oval. Man füllt es oft mit Wasser an. Doch drehst Dn nun das Wörtchen mein, Kannst qießcn 1 in 2 hinein. Ich wünsche Dir's gefüllt mit Wein. II. Zweisilbiges Rathsel. Von I. Eckmann in Nienburg. ''Als berühmter Lehrer mit i benannt, Mit a als Festgebet jedem bekannt. Wk" Preisriithsel. "Mg I. Deutsches Logogriph. Von 0. in R. ES herrscht in aller Welt (bauz so, wic's ihm gefällt. Znm Anfang mach' daS Ende Sodann das Ganze wende. Zwei Frauen siehst Du dann, Die Bibel sührt sie an; Die eine, wie bekannt, Mit Abrah'm war verwandt, Die and're aus Verlangen Hat Männerrecht cmpsangen. n. Geographisches Räthsel. Von Lehrer Cornelius in Rotenburg. Mit Kopf und Fub ragt es als Fels m's Meer, Und mangelt dies, hat's Mangel oft gar sehr. — HI. Hebräisches Scherrräthsel. Bon M. S. Rens in .fc. ,n)pnnb *iwa« r? T#ax 8 '.D;pbi niösb -lüsx 'x Auflösung der Riithsel in Ur. 52. I. Belgrad. II. "iDN ,NY1N (siehe 4. B. Bk. La,7; III. Nebel (Lebenl «) „Jede Begrenzung (Beschränkung) ist eine Verneinung." (Auflösung der Preisräthsel in Nr. 3.) Richtige Auflösungen sandten ein: Felix Perles in München. Gabriel Schwartz in Hattstadt (Elsas;). Hcrrmann Stark in Benthen O.-Sch. Scmmy Philipp in Lüneburg Herz und Sali Cohen in Rees (I und III). Meyer ProSkancr in Proskau. Abraham Weitzbach in Czcrnowitz. Felix in Magdeburg. G. B. in T. (zum Theil.) Braun in N.-Marsberg. ' 1 Verantwortlicher Redakteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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