Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 52. (24.12.1885)
- Date
- 1885-12-24
- Page
- Seite 401 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 401 — Rabbiner des anderen nicht ohne gesetzliche Delegation dcS Berechtigten trauen. Heber diesen Zweig hat also ein trauberechtigter Rabbiner volle Jurisdiction und wir möchten gern die Gemeinde kennen lernen, die gegen eine religionsgesetzliche Entscheidung in Ehesachen einen Sturm erhebt. In meinem Bezirke verhindere ich in solchen Fällen, befotu ders wenn Chaliza nicht ertheilt ist, sogar schon die öffentliche Aufbietung, und von meinem Collegen Or. Porges in Karlsbad weiß ich, daß er von einer Landhochzeit unverrichteter Trauung zurückkehrte, weil Chaliza nicht ertheilt war. Wir halten jeden Reformversuch gegenüber dem klaren und deutlichen Wortlaut eines Gesetzes der Thora für unstatthaft, nur empfiehlt es sich, um späteren Verwickelungen vorzubeugen, aus die alte Cautel des njp'jn "itttP zurückzugreifen und wenn Brüder des Bräutigams vorhanden sind, eine notarielle oder sonst bindende Verpflichtung, im gegebenen Falle die Chaliza nicht zu verweigern, unterschreiben zu lassen?) Am 13. d. M. feierte die hiesige Gemeinde das 25jährigc Jubiläum des Vorstehers Herrn M. Sabat. Der K. K. Bczirkshauptmanu und der Oberbürgermeister von Pilsen waren zur Gratulation erschienen und nahmen an dem erhebenden Festgottesdienste Theil. Nach der Festrede des Rabbiners Or. Caro überreichte dcrjelbe dem Jubilar das auf einer Pergamcntrolle geschriebene Diplom als Morenu. Zahlreiche Deputationen von Körperschaften und Vereinen brachten sinnige und kostbare Geschenke dar, die Gemeinde selbst verehrte dem Gefeierten einen höchst kostbaren stylvoll und kunstreich gearbeiteten Tafelaufsatz von hohem Werthe. Alle Redner betonten die hohe Uneigennützigkeit und selbstlose Hingebung des Jubilars in seinem oft dornenvollen Amte; wer Herr» Sabat in seiner stillen Bescheidenheit und höchst segensreichen Wirksamkeit kennt, wird freudig dem Worte zustimmen, welches der Rabbiner zum Texte seiner Predigt wählte, daß nämlich Herr Sabat zu den von Jetro «vrgeschlagenen gehöre: riöR OTTCK Kl’ TTl ’MK S¥3’KJ!ff. Außer vielen anderen schriftlichen Gratulationen waren auch solche von den früher hier amtirenden Herren Rabbinern Or. Bogelstein und Or. Porges eingegangen. — Uermischtr und neueste Nachrichten. Magdeburg. In der hiesigen Synagoge wird die Feier des 25 jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers am 2. Januar, die des 100. Todestages Mendelssohns am 3. Januar durch Gesang und Festpredigt begangen. Königsberg in Pr. Unser von der Ausweisung bedrohte Cantor, Herr Ed. Birnbaum, hat nunmehr zu unser Aller Freude vom Minister die Bestätigung zum Verbleib in seinem Amte erhalten. Aus Aarmstadt meldeten einige Blätter die Ausweisung eines aus Polen stammenden jüdischen Religionslehrers. Amtlich wird nun erklärt, daß der Lehrer nicht ausgewicsen ist; es wurde ihm nur ausgegeben, einen Reisepaß oder eine sonstige, seine Person legitimirende und seine Staatsangehörigkeit nachwcisende Urkunde von seiner russisch-polnischen Heimatsbehörde bcizubringen. Wiesbaden, im Decbr. Herr Regierungs-Präsident v. Wurmb hat die Spitzen der hiesigen Behörden zu einer Besprechung über die aus Anlaß des 25 jährigen Regierungs- Jubiläums Sr. Maj. d. Königs Wilhelm hier zu veranstaltende Feier zu sich eingeladen. Unter den Eingeladcnen und Erschienenen befand sich auch Herr Bezirksrabbiner Or. Silberstein. Die Anwesenden constiturrten sich, auf Vorschlag des Regierungspräsidenten zu einem Festconnts. Aus Nassau, im Decbr. (Or.-Corr.) Am jüngsten Chanucka ward in Wallau die restaurirte, jedoch fast neugebaute Synagoge durch Herrn Bezirksrabbiner Or. Silberstein von Wiesbaden in üblicher Weise eingeweiht. Die *) Wir haben in einem altern Jahrgang unserer Wochenschrift «IN von einem deutschen Juristen verfaßtes Formular, daß der obigen .Forderung juristisch entspricht, veröffentlicht. (Red.) Festpredigt, sowie der sich anschließende W-iheact und die am darauffolgenden Samstag gehaltene Predigt des Herrn Or. Silberstein erfreuten sich seitens der zahlreich versammelten Festtheilnehmer ungetheilten Beifalls. Naris. An Stelle des verstorbenen Emil Perrin ist Baron Alphonse v. Rothschild zum Mitglied der Akademie der schönen Künste gewählt worden. London. „Die täglich wachsende Anzahl der in London einwandernden Juden, die aus Deutschland ausgewiesen worden sind, ist so groß, daß die hiesige (Londoner) jüdische Armenverwaltung alle ihre Hilfsquellen in Anspruch nehmen muß, um den an sic gestellten Anforderungen zu genügen. Hierzu kommt noch, daß neuerdings auch viele Juden aus Rumänien und Rußland in London anlangen. Es darf hierbei erwähnt werde», daß von den im jüdischen Armenhause in Dcvonshire- Square unterstützten Juden 94 pCl. Ausländer sind. Diese Leute können keine Beschäftigung finden, da die Industriezweige, zu denen sie gehören, bereits überfüllt sind." Mittheilungen aus dem II. O. B. B. Mendelssohn-Loge. Das Comits für die geistig- Fortbildung hatte eine guten Griff gcthan, als es beschloß zur Abhaltung des diesmonatlichcn Vortrages den Hr. Rabbiner Or. Wrisse, Mitglied der Germania-Loge, cinznladcn. Bereitwillig kam derselbe der Einladung nach und hielt hier vor den zahlreich erschienenen Brüdern und deren Familienmitgliedern den sehr zeitgemäßen Vortrag über: „Mos. Mendelssohn und sein Einfluß auf die Religionsphilosophi". — Der jugendliche Redner, der au dem Geburtsorte Mcndelssohn's als Rabbiner sungirt, war von seinem Thema begeistert, schilderte in beredten Worten das Leben M.'s und ging dann zu dem schwierigeren Theile seiner Aufgabe über, M.'s Stellung in der deutschen Philosophie in populärer Weise zu characteiisircn. Er knüpste an die philos. Werke W.'s an, legte den gedanklichen Inhalt derselben allgemein verständlich dar uud schloß mit einem Gedichte Rappaport's: „Zn Mcndelssohn's Gcdächtniß!" Mit regstem Interesse folgten |bic Zuhörer dem einstiindigen Vorträge und dankten zum Schluß dem „Rabbi von Dessau" für die gespendete Belehrung über den „Weisen von Dessau". Die Germania-Loge (Halle a. S.) hat beschlossen, zur Mendelsjohnfeicr in Dessau eine Deputation (Präs. Sern au, und Rabbiner Or. Fröhlich) zu entsenden, der sich noch mehrere Mitglieder der Loge anschlicße» wollen. Ehemnitz jSachscn). In unserer jungen Gemeinde hat man die ernstliche Absicht, eine Loge des Ord. B'nei Brith in's Leben zu rufen. (Glück aus!) Die interessanteste undanregendsteZeitungs-Lectnre bietet unzweifelhaft das „Berliner Tageblatt" hinsichtlich der Reichhaltigkeit, Mannigfaltigkeit und Gediegenheit seines Inhalts. In Folge dessen vermochte es sich einen festen Stamm von 70,000 Abonnenten zu erwerben und sich gleichzeitig zu der gclesenstcn und verbcitesten Zeitung Deutschlands cmporzuschwingen. Durch täglich zweimaliges Erscheinen ist das „8. T.“ in der Lage, alle Nachrichten stets LS Stunden früher als jede nur einmal täglich erscheinende Zeitung zu bringen. Das „8. 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