Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 50. (10.12.1885)
- Date
- 1885-12-10
- Page
- Seite 385 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 385 — fordert, dag er auf eigene Faust mit dem ganzen Chaliza- .aesetzc t»bnl»r»s» mache und die Trauung trotzdem vornehme!*) Pravdecky. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Wir veröffentlichen im Jnseratentheil den Aufruf für das Mendelssohn-Denkmal in Dessau, und erklären uns gern bereit, Beiträge Einzelner und Erträgnisse von Sammlungen zur Uebermittelung an den Schatzmeister zu übernehmen und in dies. Bl. über die Eingänge fortlaufend zu quiltiren. Es werden wohl in jeder Gemeinde sich Männer finden, die zu derartigen Sammlungen die nöthige,Anregung geben werden. Ilerlin. Der Cultusminister von Goßler hat gegen Dr. Förster Strafantrag gestellt wegen Beleidigung, begangen in einem öffentlichen Bortrag zu Dortmund. Der ultramontane „Wests. Bierkur" kündigt bereits an, Herr Förster werde in der Verhandlung die Amtsführung und die (angeblich) „semitische Herkunft" des Ministers einer scharfen Kritik unterziehen. Zkerkin Am Sonntag, den 6. d. Mts., feierte der in weiten Kreisen beliebte und geachtete Rentier Herr Abraham Witlkowsky in körperlicher und geistiger Frische seinen hundertsten Geburtstag in der Wohnung seines Sohnes, des Hoflieferanten Herrn S. Wiltkvwsky. Aereut. Die hiesige Gemeinde hat Herrn Rabbiner Or. Theodor, z. Z. in Bromberg, zu ihrrm Rabbiner gewählt. Aresla«, 7. Deccmber. Die „Schlesische Zeitung" weist in ihrem gestrige» (Sonntags-) Leitartikel in längerer Ausführung nach, das; sich die Ausweisungen als in erster Linie gegen das Judenthum gerichtete Maßregeln charakterisiren. Sie ist über die gegen das Judenthum ergriffenen Gewaltmaßregeln jo entzückt, daß sie verräth, waS bisher noch nirgends init solch' offenbarer Schadenfreude, ja, was bisher überhaupt noch nicht verratheu war, nämlich, daß schon vor einer Reihe von Wochen sich die Zahl der über die Grenze zurückgewiesenen ausländischen Juden „auf die rcspectable Ziffer von 8000" belaufen habe. Fünftausend Ausgewiesene, zum Theil vernichtete, zum Theil in ein namenloses Elend gestürzte Menschen! Hat die „Schlesische Zeitung" eine Ahnung von dem Uebermaß von Herzeleid und Jammer, der in Liesen dürren Worten constatirt wird? Wird jetzt, nachdem die Intentionen der Regierung mit solcher Offenheit von einem ihr so treu ergebenen Organ klar gelegt sind, noch irgend ein Vertreter dieser Regierung die Behauptung, daß die Ausweisungen auf confessionelle Unduldsamkeit zurllckznsühren seien, als eine „frivole Insinuation" bezeichne» können? Kanuover. (Or.-Corr.) Der israelitische Kinderverein, welcher seit 10 Jahren bedürftige Kinder der Synagogen- Gemcindc mit Wintcrkleidung versorgt, hat die diesjährige Vertheilung am Sonnabend, den 5. d. M. vorgenommen. Die Knaben erhielten einen vollständigen Anzug. Die Mädchen ein Kleid und einen Rock, alle aber außerdem Stiefel, Hemden und Strümpfe. Mögen auch fernerhin die Bestrebungen des genannten Vereins in allen Kreisen der hiesigen Gemeinde genügende Unterstützung finden. Köln. (Or.-Corr.) Es dürfte die Leser Ihres Bl., die ja vielfach ihren Kaffee-Bedarf aus A. Coßmann's Dampf- Kaffee-Brcnuerei in Deutz a. Rh. beziehen, wohl auch die Mittheilung interessireu, daß derselbe auf der Rhein. Kochkunst- Ausstellung für seine KaffseS bei der Prämiirung die bronce ne Medaille — eine höhere gab cs in dieser Branche nicht — zuerkannt wurde. *) Mit demselben Rechte resp. Unrechte könnte man einem ehrlichen Rabbiner schmolle», wenn er irgendein Stück Vieh nach dem Rcligionsgesetz snr trat» erklärt. Solches Martyrium inuß der Rabbiner schon auf sich nehmen. (Red.) London, den 4. Dezember. (Or.-Corr.) Das Resultat der jüngst hier stattgefundenen Wahlen für's englische Parlament ist hinsichtlich der jüdischen Parlamentsmitglieder wie folgt: Von den 18 jüdischen Candidaten wurdem acht gewählt und zwar: Herr Arthur Cohen (2.); Herr Lione Cohen (C.); Sir Julian Goldsmid (L.); Herr S. Man' tag» (L.); Baron F. de Rothschild (L.); Herr Sergeant Simon (L.); Baron H. de Worms (C.); Herr L. H- Jsaacs (C.). Daß wir mit diesem günstigen Resultat zufrieden sein können, ist selbstverständlich, zumal wenn wir cs mit dem Ausgang der Wahlen in Deutschland vergleichen. Marschau, den 29. November. Große Entrüstung hat bei der hiesigen Bevölkerung folgender Vorfall, welcher sich in den dunklen Gefängnißräumen der hiesigen Citadelle ereignet hat, hcrvorgerufen. Dieser Tage wurde der Vorstand der hiesigen Synagogcngemcinde von der Gefängniß-Jnspection der Citadelle benachrichtigt, daß ein israelisches, 17jähriges Mädchen aus Wolhynien, welches vor einiger Zeit wegen Verdachts der Theiluahme an den Bestrebungen der Umsturzpartei internirt worden war, ihrem Leben durch Erhängen in der Zelle ein Ende gemacht habe. Der genannte Vorstand traf sofort Anstalten und ließ die Leiche des Mädchens behufs Beerdigung auf dem israelitischen Friedhofe aus dem Gefängniß holen. Da die Leiche an verschiedenen Körpcrtheilen arge Verletzungen an sich trug, so wurden Sachverständige herzugezogcn, durch welche constatirt wurde, daß an dem armen Mädchen Schändlichkeiten und verschiedene Torluron vorgenommen worden waren. Ob das Mädchen sich dann in seiner Verzweiflung selbst erhängt hat, oder von anderen Personen aufgehängt worden ist, hat sich allerdings nicht feststellen lassen. Der Staatsanwaltschaft ist davon sofort Anzeige gemacht worden. Mittheilungen aus dem II. O. B. B.*) Magdeburg. Herr Rabbiner I)r. Philippson, der Redactenr der Zeit. d. Judenthums, welcher — wie wir in Nr. 4L mitgctheilt — jüngst in seinem Bl. aus eine an ihn aus Cairo gerichtete Anfrage über den Stand des Ordens B'nai B'rith in Deutschland geantwortet hatte, daß er wenig oder gar nichts davon wisse, dag ein solcher Orden in Deutschland existire, knüpft an den ihm von dem Präsid. der „Großlogc für Deutschland" zugcgangcnen ausführlichen Bericht folgende Bemerkungen resp. Sentiments: „Aus denselben (den eingcsandtcn Druckschriften) geht Zweifaches klar hervor: Erstens, daß der Zweck dieses „Ordens" in seinem Wahrspruch „Wohlthätigkcit, Bruderliebe, Eintracht" enthalten sei, daß er nichts Anderes als wohlthätigc Werke jeder Art, gesellige Unterhaltung und Belehrung durch Vorträge und Bibliothek beabsichtige, und alle politischen und religiösen Bestrebungen und Discussiouen völlig ausgeschlossen halte. Zweitens, daß die Anfangs nach Art des Freimaurerordens sabricirten'(?)Ccrcmonicn, Formalitätcnund Geheimnißkrämereien nach kurzer Zeit vom Orden ausgegeben (?) und verworfen (!) worden. Im Grunde genommen sind also diese Orden nichts Anderes, als freie Vereine zu wohlthätigen Zwecken und geselliger Unterhaltung und verfolgen also sicherlich einen lobenswerthen Zweck. Wir würden unsererseits wünschen, daß man auch den, immer noch gcheimnißvoll und leicht zu verdächtigenden Namen „Orden" beseitige» und dafür einfach sagen möge: „Verein der Bnc Bcriih".... Auch in Nordamerika würde sich das Wort „Union", das sich ja auch im Wahrspruch des Vereines („Eintracht") ansdrückt, viel besser machen. Wie sie uns so geschildert werden, ist dieser „Orden der Bnc* Bcrith" nichts Anderes, als eine Erneuerung der uralten „Chebroth' in Israel, nur daß die praktischen Amerikaner Wohlthätigkcit und gesellige Unterhaltung in anziehender Weise zu vereinigen wissen. Bon einem Ausschluß der Oeffentlichkeit ist nicht (?) die Rede, denn die amerikanischen Zeitschristen bringen über Alles, was in den Versammlungen vor sich geht, sehr ausführliche Berichte, und die alle fünf Jahre stattfindende Versammlung von Dclegirtcn aller einzelnen Zweige des Vereins wird öffentlich abgehalten. Mit diesem Berichte glauben Ivir der Sache gerecht geivorden zu sein." (Wir glauben, daß hier doch Manches gesagt ist, was einer richtigstcllenden Erwiderung bedarf, die wir in nächster Nr. geben tverden. Red.) Ratibor. Auch hier haben sich Männer aus den besten Familien unserer Genieinde zusammengcthan, um Hierselbst eine Loge des 11. 0. 8. 8. ins Leben zu rufen. *) Auf mehrfache Anfragen vieler Leser uns. Bl. über die Bedeutung der obigen Buchstaben erwidern wir, daß sie nichts Mysteriöses enthalten, sondern einfach die Initialen von: „Unabhängiger Orden 8'nai 8'rith" sind.