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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-12-03 · N° 49. (3.12.1885) · p. Seite 377

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 49. (3.12.1885)
Date
1885-12-03
Page
Seite 377 (sequence 7)
Language
German
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— 377 — Zeitung": „Professor Rohling — jüdischer Abkunft! „Dies muß ich jedoch bestreiten, — Professor Rohling ist nicht jüdischer Abkunft, sondern von katholischen Ettern in der Nähe von Rheine (Westfalen) geboren. Er besuchte das dortige Gymnasium, und genoß Unterricht bei L. Leeser scl, Änd,, welcher aber weder sein Onkel, noch Rabbiner, sondern jüd. Privatgelehrtcr war. Daß R. damals jüdische Freitische gern frequentirte, sei nur nebenbei bemerkt, R, R, Zlerlin, Daß man in mehreren pommerschen Städten (Lauenburg, Köslin u. a,) dem Hofprediger Stöcker die evangelischen Kirchen selbst für seine „rein religiösen Zwecken" dienenden Predigten verweigert, dürfte doch dem sog. „zweiten Luther" ein starker Wink „zur Umkehr" sei». Dresden Der antisemitische Abgeordnete Hartwig ist aus dem hies, conservativen Berein ausgeschlossen worden. Der conservative Landesverein im Königreich Sachsen folgte diesem Beispiele, — So mußte cs kommen! Kempen, 22. November, Die 70 Jahre alte Kaufmannswittwe Rosalie Kosak pflegte jeden Freitag Abend bei ihrem Wirthe am „Kiddusch" theilzunehmen. Diesen Freitag erschien sie nicht. Äls sic auch am anderen Morgen sich nicht sehen ließ, sandte der Wirth in ihre Wohnung und erfuhr, daß die Thür verschlossen sei. Der Wirth eilte zur Polizei, dies mitzutheilcn. Letztere veranlaßte nunmehr durch einen Schlosser das gewaltsame Oefsnen der Thür, An ihrem Tische, über einem Gebetbuchs gebeugt, saß Frau Kosak als Leiche. Wroakr, 19, Novbr. Ein Ereigniß, wie!es in den Annalen des jüdischen Gcmeindewescns zu den seltensten gehört, trug sich in der hiesige» israelitischen Gemeinde zu. ier sollte nämlich heute Nachmittags die synagogale rauung und das Hochzeitsfest eines Brautpaares, des Wittwers Gustav Eitisch aus Samtcr mit der Wittwe Jette geb. Salinger von hier statlfinden. Die Einladungen waren bereits ergangen und die nöthigen Vorbereitungen zur Hochzeit in HauS und Küche getroffen. Als jedoch dem Brautpaare vom hiesigen isr. Gemeindevorstande die Rechnung über die an die Gemcindcbeamtcn zu entrichtenden Stola- Gebühren übermittelt wurde, dasselbe aber — ohne gerade unbemittelt zu sei» — und selbst nachdem ihm der Gebührenbetrag um ein Dritthcil ermäßigt wurde, sich dennoch zu keinerlei Zahlung herbe,ließ, wollten weder Rabbiner noch Kantor ihre Funktion versehen und die Trauung unterblieb. — Wie gerüchtweise jedoch verlautet, beabsichtigt das Brautpaar noch heute Nachts, unter Mitnahme des brühheißen Hochzeilsmahles, nach Samtcr zu fahren und dort in später Geisterstunde sich trauen zu lassen und den Hochzeitsrcigen zu Ende zu führen. (In hiesiger Gegend werden Trauungsgebühre» für die Beamten überhaupt nicht abgefordert, sondern dem freien Ermessen des Brautpaares überlassen. Red)?est. Unser Glaubensgenosse Herr Wahrmann ist nicht nur ein berühmter Parlamentarier, sondern auch ein tüchtiger Gemeinde-Vorsteher. Vor einiger Zeit war im Vorstande der hiesigen Gemeinde der Antrag gestellt, auf Gemeindckosten für die große Synagoge zwei neue Thorarollen schreiben zu lassen. Da erhob sich Herr Wahrmann und sprach: „Wo so viele Geldfürsten wie bei uns sind, ist das nicht Sache des Gemeinde-Budgets, sondern Ehrensache der Einzelnen". — Kaum war das Wort gesprochen, da erklärte ein Gemeinde-Mitglied, Herr M. Weiß: „Eine der Thora-Rolle» übernehme ich". „Und die Andere" — versetzte Herr Wahrmann — hat bereits Herr L. Schwab übernommen". — Das klappte gut. Mir». Der Präsident der Wiener Isr. Allianz, Herr Ritter v. Werthcimer beabsichtigt in einem besondern Werke alle die Fülle zusammcnzustcllcn, in welchen Bekenner des Judenthums, Mitglieder anderer Bekenntnisse, sich als Wohlthätcr erwiesen, oder wo von Juden ihrem Vaterlande bedeutende Dienste geleistet wurden. Der gen. Herr Ritter v. W. bittet Jeden um Beiträge zu diesem Werke. Liberias, Der Consens für den Bau eines Krankenhauses neben den Thermen von Tiberias ist von der Kreisregierung in Akko eingetroffen. — Die Missionäre haben hier von einem der Chacham's einen Hof zur Errichtung eines Krankenhauses geiniethet. Der Chacham war verreist und die Frau hatte in Abwesenheit des Mannes das Geschäft abgeschlossen. Der nun zurllckgekehrte Chacham bemüht sich, den Vertrag rückgängig zu machen. Jerusalem, vr. Herzberg warnt im „Zewi" vor einen Betrüger, Namens Wismann, der ihm lügenhafter Weise eine Empfehlung entlockt hat. Der gen. Wismann reist für eine isr. Kolonie in Gaza, die überhaupt nicht existirt. Gegenwärtig reist der gen. Wißmann in Amerika, er dürfte aber bald auch nach Europa kommen. In Aangou«, der Hauptstadt Birma's, wohnen viele indische und einige europ. Juden. — Der Mahdi soll von einem infernalischen Judenhasse beseelt gewesen sein. Bei der Eroberung Kartums wurden die zwei dort befindlichen Jüdinnen gefangen genommen, 5 von den 7 Juden gclödtet, Mittheilungen ans dem V. O. B. B. Magdeburg, Daß die „Mendelssohn-Loge" sich ganz besonders veranlaßt siihlt, den hundertjährigen Todestag des Dessancr Philosophen und edlen Menschcnsrcundcs, dessen gefeierten Namen sie trägt, in würdigster Weise zu begehen, hat sic durch den in ihrer letzten Sitzung gefaßten Beschluß zu erkennen gegeben, sich in oorpora am 4. Januar nach Dessau zu begeben, daselbst an der von dem dortigen Comitb geplanten festlichen Begehung dieses Tages sich in regster Weise zu bctheiligen und wenn irgend thunlich, im Geburtshause Mendelssohns selbst einen Festactus abzuhalten. Unserer Loge ist die Ehre zu Theil geworden, daß Expr. Dr, Rahmer von deni aus den Honoratioren der Stadt Dessau bestehenden Comits für die Mendelssohn-Feier aufgesordert worden, sich an dem „Aufruf" zur Errichtung eines Mendelssohn-Denkmals zu betheiligen, Der „Aufruf" tvird demnächst veröffentlicht werden, — Am 8, d, Mts, wird nach abgchaltcncr Logen-Iitzung (die deshalb um 7'/, Uhr beginnt) Br, Dr. Weiße aus Dessau im Saale des „Baprischen Hoses" (Berliner-Str. 14) einen Vortrag halten: „Ueber Mendelssohn und seinc'Bedcutung snr die Religionsphilosophie". Der Zutritt ist auch den erwachsenen Familiengliedern der BBr. gestattet. Gleiwitz. — Humanitas-Loge. Sonntag, den 29. Novbr. c. hielt im Saale des „goldenen Adlers" vor einer zahlreich besuchten Versammlung von Mitgliedern der Humanitas-Loge nebst ihren Angehörigen Br, Expr. Kleczewskh einen mit Beifall aufgenommeneu Vortrag über ein litterarisches Thema, welchem sich ein Thee-dansant anschloß. In fröhlichster Gcmüthlichkeit blieb die Gescllschast bis lange nach Mitternacht zusammen und gab von Neuem einen Beweis vcrständnißvollcr Auffassung der Ziele und Zwecke des Ordens: Förderung des geistigen und moralischen Characters unseres Stammes, sowie Pflege brüderlicher Geselligkeit, Ltatistische Notizen über die stzreimaurer-Logen. — Bei der Achnlichkeit der Ziele, die der Freimaurer-Orden verfolgt, dürften einige Notizen über denselben den Mitgliedern des unabh, Ord, der B.-Br. von besonderem Interesse sein. In Deutschland gicbt es 8 Großlogcn; davon 3 in Preußen: „Royal gort", „Zn den 3 Weltkugeln" und die „Große Landesloge". Protektor derselben war früher König Wilhelm von Preußen, später Kronprinz Friedrich Wilhelm, Wie man sagt, hält sich indes der Kronprinz etwas zurückgezogen, und zwar deshalb, weil z, Z. Prediger Schiffmann in Stettin, der historische Forschungen veröffentlicht hat, die das ganze schwedische System in Frage stellen, aus der „Großen Landeslogc" in rücksichtslosester Weise hinausgethan worden sei, — Zu den „3 Weltkugeln" gehören 112 Johannis- und 61 Schotten- oder Hochgrad-Logcn, Zur „Großen Landesloge" gehören 77 Johannis- und 2S Atldrcas-Logcn, Zu „Royal Dark" 46 Johannislogcn, 7 „innere Oriente". Außerdem giebt es Großlogcn in Hamburg mit 32 Tochterlogen, in Bayern mit 20, in Sachsen mit 18, in Franksurt a, M. (der eklektische Bund) mit 12, Hessen init 9 Tochterlogcn. Auch in Hessen ist der Großherzog Protektor. Außer dcu Großlogcn gicbt es in Deutschland eine Reihe von Provinziallogcn, die theilweise sogar doppelt Vorkommen. So gicbt cs in Rostock sür Mecklenburg eine „humanistische" von Hamburg, und eine „christliche", von Berlin abhängige, „Provinzial-Loge". Im nichtdcutschcn Europa gicbt cs Großlogcn: 2 in der Schweiz, 2 in Ungarn, 1 in England, 1 in Schottland, 1 in Irland, 1 in Holland, 1 in Luxemburg, 1 in Schweden (Protektor der König >, 1 in Dänemark (Protektor der Kronprinz), 2 in Frankrcich Grand Orient und Supreme Conseil), 2 in Belgien, 1 in Italien, 2 in Spanien, 1 in Portugal, 1 in Griechenland.

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